Fragen und Antworten
Wie kann ich in Zeiten der Not wieder Freude in mir entfachen?
Der Verfasser lebt in Puerto Rico.
Gott möchte, dass wir glücklich sind, auch wenn wir gerade Leid erdulden. Doch wie gehen wir das an?
Gerade erst von meiner Mission zurückgekehrt, war ich ein wenig durcheinander. Auf Mission hatte ich die Führung des Heiligen Geistes gespürt, vertraute auf die Wahrheit des Evangeliums und erlebte viele Wunder. Doch das normale Leben war, nun ja, eben normal. Plötzlich schien mir alles viel schwerer zu fallen.
Immer wieder fragte ich Gott: „Wieso ist das so? Warum ist das Leben jetzt anders als früher?“
Ich nahm am Institut teil und besuchte die Abendmahlsversammlung, spürte aber den Geist nicht mehr so häufig wie noch auf Mission. Doch dann fiel mir ein, was mein Missionspräsident den Missionaren bei fast jeder Konferenz ans Herz gelegt hatte:
„Wir können uns im Leben um Freude bemühen, selbst wenn wir leiden.“
Als ich das zum ersten Mal hörte, begriff ich es nicht. Doch jetzt, als mir die Worte wieder in den Sinn kamen, verstand ich auf einmal, was er damit meinte. Der Vater im Himmel möchte, dass unsere Freude Bestand hat, selbst wenn wir gerade eine schwierige Zeit durchmachen.
Die Schwierigkeiten in meinem Leben haben mich einiges darüber gelehrt, wie der Vater im Himmel uns hilft, Freude zu empfinden – unabhängig davon, was gerade geschieht.
Bemühe dich um tägliche Wiederherstellung
Ein paar Jahre nachdem ich das erkannt hatte, stand ich vor einem unerwarteten Problem, worunter meine geistige Gesinnung litt. Ich kam vom Weg der Bündnisse ab und verlor all meine Lebensfreude. Einige Monate darauf war mir klar, dass ich auf den Weg zurückkehren musste. Also sah ich mir die Generalkonferenz an.
Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel sprach damals über die kleinen, alltäglichen Gewohnheiten, die uns helfen, mit Gott im Einklang zu bleiben: „Wir können unseren Weg durch die Finsternis und die Prüfungen dieses Lebens finden und zu unserem liebevollen Vater im Himmel zurückkehren, wenn wir nach den geistigen Orientierungshilfen streben, die er uns gegeben hat, und sie annehmen, persönliche Offenbarung nutzen und uns um tägliche Wiederherstellung bemühen.“
Ich erkannte, dass ich hier den Hebel ansetzen musste, um erneut Freude in mir zu entfachen.
Gott hat uns alles an die Hand gegeben, was wir brauchen, um auf der Erde selbst inmitten von Prüfungen Freude finden zu können. Wenn wir jene kleinen, alltäglichen Gewohnheiten – wie etwa Beten und Schriftstudium – beachten, die tägliche Wiederherstellung bewirken, dann öffnen wir damit Gott unser Herz, und unsere Probleme erscheinen uns nicht mehr so groß. Ungeachtet unserer Lebensumstände fühlen wir uns stärker und sind beschwingter.
Denk an deine Bündnisse
Letztlich fand ich zurück auf den Weg der Bündnisse, indem ich umkehrte und mich auf das Sühnopfer des Erretters stützte. Als ich mich auf meine bevorstehende Aufgabe als Tempelarbeiter vorbereitete, erkannte ich, dass der Herr uns trotz allen Leids noch ein weiteres wichtiges Mittel an die Hand gibt, um Freude zu empfinden: Bündnisse.
Elder Yoon Hwan Choi von den Siebzigern stellte die Frage: „Möchten Sie glücklich sein?“ Er beantwortete sie mit einer Aussage von Präsident Russell M. Nelson: „Wenn Sie unglücklich sein wollen, dann brechen Sie die Gebote – und kehren Sie nie um. Wollen Sie Freude verspüren, dann bleiben Sie auf dem Weg der Bündnisse.“
Als mein Glaube in Frage gestellt wurde, meine Familie unter Armut litt und ich auf Mission Widerstand erfuhr, erlebte ich Freude, indem ich meiner Bündnisse mit dem Vater im Himmel und Jesus Christus gedachte. Und heute? Wenn ich meine Bündnisse mit ihnen halte, bin ich glücklich – womit auch immer ich konfrontiert bin.
Ganz gleich, wie dein Leben verläuft und womit du zu ringen haben magst: Wenn du auf Gottes Weg der Bündnisse bleibst, erlebst du Wunder.
Lausche der Musik des Evangeliums
Musik ruft mir in Erinnerung, was mir im Laufe meines Lebens wirklich Freude bereitet hat.
Ich weiß noch, wie ich als Kind einmal in der Abendmahlsversammlung aufmerksam lauschte, wie die Gemeinde das Schlusslied sang. Als sich die Kapelle nach dem Schlussgebet schon geleert hatte, setzte ich mich zum ersten Mal ans Klavier und spielte die Melodie nach. Mir war, als hätte ich sie immer schon gekannt. Für mich ist dieses Erlebnis eine Art Gleichnis darüber, wie wir lernen können, glücklich zu sein, selbst wenn wir leiden.
Das Klavier lässt sich mit dem Weg der Bündnisse vergleichen. Wenn wir anfangen, auf ihm zu spielen, erfüllt uns die Melodie – die Freude des Evangeliums – so sehr, als hätten wir sie immer schon gekannt. Wenn wir dann weiter üben, geht uns die Melodie leichter von der Hand. Auf die gleiche Weise sind wir auch leichter für die Freude des Evangeliums zugänglich: Kleine, alltägliche Gewohnheiten wie etwa das Beten und das Schriftstudium tragen dazu bei, dass wir den Heiligen Geist spüren können. Selbst wenn wir Leid erfahren, sind wir noch immer in der Lage, die beschwingte Melodie anzustimmen. Wir dürfen nur nicht aufhören zu spielen und zu üben.
Als Elder Wilford W. Andersen den Siebzigern angehörte, sagte er: „Wenn Sie … die Musik des Evangeliums nicht hören, denken Sie bitte an diese drei Worte: Üben Sie weiter. Mit Gottes Hilfe wird der Tag kommen, da die Musik des Evangeliums Ihr Zuhause mit unaussprechlicher Freude erfüllt.“
Gottes Liebe trägt dich
Wenn ich jetzt an die Worte meines Missionspräsidenten denke, dass wir „uns … um Freude bemühen [sollen], selbst wenn wir leiden“, weiß ich, wo ich anfangen muss. Ich halte mir vor Augen, wie Gott mir gezeigt hat, auf welche Weise ich in früheren schwierigen Phasen meines Lebens Freude finden konnte. Der Vater im Himmel hat uns viele Gaben und Segnungen gewährt, die uns seine Liebe und die Freude bewusstmachen, die Jesus Christus uns ermöglicht.
Ihre Liebe trägt uns durch alles hindurch und hilft uns, in guten wie in leidvollen Zeiten unsere Freude zu bewahren.