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Das Gesetz der Keuschheit ist keine Hürde, sondern ein Segen!
Der Verfasser lebt in Ulan-Bator in der Mongolei.
Mir schien es so, als seien Leute, die sich nicht an das Gesetz der Keuschheit hielten, glücklicher als ich.
Ich war schon immer wissbegierig.
In meiner Jugend stellte ich vielerlei Fragen – wie die Erde zustande gekommen und wie menschliches Leben entstanden ist und wieso wir überhaupt auf diesem Planeten sind. Mit 14 Jahren lernte ich das Evangelium Jesu Christi kennen und nahm es an. Darin fand ich viele Antworten und einen tieferen Lebenssinn. Ich tat mein Bestes, Gottes Gebote zu halten, und verspürte wahre Freude daran, nach dem Evangelium zu leben.
Ich entwickelte mich in mancherlei Hinsicht weiter, ging auf Mission, studierte und vieles mehr. Doch mit 30 verlor ich den Mut, weil sich mir nicht die Gelegenheit bot zu heiraten. Ich erlebte wohl mit, dass in meinem Umfeld vielfach gegen das Gesetz der Keuschheit verstoßen wurde, doch ich war fest entschlossen, meine Bündnisse zu halten und auf die Eheschließung im Tempel hinzuarbeiten.
Schließlich ging ich ja davon aus, dass man glücklich wird, wenn man gehorsam ist (siehe Mosia 2:41). Allerdings – als ich mich so bei Bekannten umsah, die das Gesetz der Keuschheit nicht hielten, schienen sie glücklicher zu sein als ich. Bei Verabredungen und in Beziehungen erlebten sie Neues und Spannendes, und ich fand das irgendwie ungerecht. Als wissensdurstiger, gebildeter Mensch störte es mich, dass mir meine Bekannten nun Erfahrungen voraushatten, die mir fehlten.
Allmählich empfand ich die Gebote nicht mehr so sehr als Segen, sondern sah in ihnen eine Art Straßensperre, hielten sie mich doch davon ab, das Leben auszukosten!
Ich war bald versucht, den Gedanken an eine Eheschließung im Tempel und ein am Evangelium ausgerichtetes Leben aufzugeben. Das Gesetz der Keuschheit schien mir zu anstrengend zu sein, lebte ich doch in einem Umfeld, in dem körperlicher Intimität nicht der Stellenwert beigemessen wurde, den ich ihr zuschrieb.
Rückt die Frage nach dem Warum ins Blickfeld
Als mich diese Gedanken gerade am meisten bedrückten, erzählte uns der Institutslehrer davon, dass er unlängst zum Abendessen die Missionare eingeladen hatte. Er sprach davon, wie sich seine gesamte Familie auf den geistigen Gedanken der Missionare eingestimmt und sich daran beteiligt hatte.
Mir wurde bei seinen Worten mit einem Mal bewusst, dass ich mir ja mehr als alles andere eine Familie wünschte, die die Segnungen des Evangeliums gemeinsam genoss.
Alles ergab nun Sinn! Das Gesetz der Keuschheit war keine Hürde, die mich davon abhielt, die Gabe der Sexualität auszuleben – es war ein Segen, der meinen Blick auf den Tempel und meine ewige Familie lenkte.
Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel hat die Frage gestellt: „Ist es falsch, Regeln zu haben? Natürlich nicht. Wir alle brauchen sie jeden Tag. Aber es ist falsch, den Blick nur auf Regeln zu richten statt auf den Erretter. Ihr müsst wissen, warum und wie etwas gemacht wird, und müsst stets die Folgen eurer Entscheidungen bedenken.“
Als ich an den Erretter dachte und an das Opfer, das er um meinetwillen gebracht hatte, wurde mir klar, dass die Segnungen, die ich für das Halten meiner Bündnisse – einschließlich des Gesetzes der Keuschheit und der Eheschließung im Tempel – erhalten sollte, das Warten allemal wert sind. Wahres Glück besteht nicht darin, dass man tut, wonach einem gerade der Sinn steht. Es besteht darin, dass man würdig ist, den Heiligen Geist bei sich zu haben.
Es gibt selbstverständlich noch weitere Fälle, wo wir in Versuchung geraten, unsere Bündnisse zu brechen. Nach dem Evangelium zu leben, ist nicht immer leicht. Doch die Bündnisse, die wir schließen, und die Gebote, die wir halten, sind ja von unserem liebevollen Vater im Himmel festgelegt worden, dem es allein um unser Bestes geht. Wir können darauf vertrauen, dass er weit mehr weiß als wir und dass es immer zu Freude führt, wenn wir dem Herrn nachfolgen und nicht der Welt.
Vertraut auf Gottes Zeitplan
Vor kurzem habe ich mich verliebt und habe im Tempel geheiratet. Dafür bin ich dankbar. Ich bin froh, dass ich mich treu an die Gebote gehalten habe und mich nun der Segnungen einer ewigen Ehe erfreuen kann.
Natürlich funktioniert Gehorsam nicht wie ein Münzautomat. Wir erhalten nicht einfach, nachdem wir ein Gebot gehalten haben, umgehend eine bestimmte Segnung. Schließlich hat ja schon Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der Zwölf Apostel angemerkt: „Manche Segnungen kommen bald, manche spät und manche gar erst im Himmel, aber sie kommen zu einem jeden, der das Evangelium Jesu Christi annimmt.“
Ich habe ein Zeugnis davon, dass Gott einen jeden von uns kennt und dass wir ihm am Herzen liegen. Das Leben mag bisweilen schwierig sein, weil man sich unsicher ist oder sich von seinen Altersgenossen abhebt (vor allem in einer unkeuschen Welt), dennoch glaube ich daran, dass letztlich „denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Römer 8:28). Wahre, dauerhafte Freude entsteht nicht bloß dadurch, dass man Gottes Gebote hält, sondern vor allem dadurch, dass man eine Beziehung zu ihm aufbaut. Davon bin ich überzeugt.