Liahona
Glück gehabt?
Liahona, Januar 2026


Glück gehabt?

(KDR) Jahrelang dachte ich bei dem im Folgenden beschriebenen Erlebnis, dass ich einfach Glück gehabt hatte. Heute weiss ich es besser.

Es war am 6. Juli 1989, der erste Flug meines Lebens stand mir bevor. Ich musste geschäftlich zu einer Niederlassung der Firma Knoll in der Nähe von Hamburg. Die hatten dort in einer Pilotanlage Versuche gemacht, aus Propafenon (einem von meiner Abteilung in Liestal produzierten Wirkstoff für ein Medikament gegen Herzthythmusstörungen), sphärische Kristalle (möglichst dicke runde Kristallkugeln) zu bilden. Wir in Liestal sollten das in 600 Liter grossen Apparaten weiterentwickeln. Bei meinem ersten Flug stieg ich also in Basel in einen Saab Cityliner. Zu meinem Erstaunen flogen in dieser Maschine mit ihren 35 Plätzen nur sechs Passagiere mit. Ich hatte also eine Flugbegleiterin beinahe für mich alleine.

Nach getanem Tagwerk wurde ich zum Flughafen zurückgefahren. Doch mein Flugzeug für den Rückflug in die Schweiz sollte erst in knapp drei Stunden starten. Zeit genug also, um in die Stadt Hamburg zu fahren, denn da war ich ja noch nie. Ich fragte also einen Taxifahrer, ob es jetzt bei einsetzendem Feierabendverkehr noch möglich wäre, in die Stadt zu fahren, um ein wenig von Hamburg sehen zu können. „Wann startet ihr Flugzeug?“, war die Gegenfrage. Ich sagte es ihm. „Nein, das reicht nicht mehr – setzen Sie sich auf die Flughafenterrasse und geniessen sie den Feierabend!“, war seine Antwort. Mein Gefühl sagte mir aber: „Das kann doch nicht sein.“ Also fragte ich einen Busfahrer das Gleiche. „Ja klar“, sagte er prompt, „steigen Sie ein, in 20 Minuten sind wir am Hauptbahnhof.“ Dank der reservierten Busfahrspur war das dann auch so. Die Pkws indes standen auf der daneben liegenden Strecke in langen Staus. Unmittelbar vor der Bushaltestelle am Bahnhof stand ein kleiner Stadtrundfahrt-Zug, der in fünf Minuten zu einer 90-minütigen Tour starten sollte. Schnell die Frage an den Fahrer, ob er auch wirklich pünktlich zurück sein würde? „Ja klar – steigen Sie ein.“ So erlebte ich eine Rundfahrt durch Hamburg, sah den Hafen, besichtigte die St.-Michaelis-Kirche, sah die Reeperbahn, machte einen Halt für einen kleinen Imbiss und so weiter. Kurz: Es war einfach fantastisch! Ich schaffte es denn auch wirklich pünktlich zurück zum Bahnhof, von da zurück mit dem Bus zum Flughafen und stieg ins gleiche Flugzeug wie am Morgen und flog wie vorgesehen zurück nach Basel.

Auf Mission in Ingolstadt mit meiner Frau wurde mir vor Kurzem deutlich bewusst, das war nicht einfach Glück oder Zufall, das hat ein lieber Engel sehr gut organisiert – mich zur rechten Zeit von der Firma an den Flughafen gebracht und mich inspiriert, dem Taxifahrer nicht zu glauben, sondern in den Bus zu steigen. Der Heilige Geist wirkt auch in kleinen Dingen.