Liahona
Kleine Pioniere in Kreuzlingen – Ein Wochenende voller Abenteuer und Glauben
Liahona, Januar 2026


Kleine Pioniere in Kreuzlingen – Ein Wochenende voller Abenteuer und Glauben

Kreuzlingen, Schweiz: Wer sagt, dass Kinder heute nur noch mit Handy und Bildschirm glücklich seien? Am Wochenende vom 15. auf den 16. August 2025 haben die 8- bis 11-Jährigen der Primarvereinigung Kreuzlingen erlebt, wie spannend das Leben ohne Technik sein kann – wenn man dafür Kerzen, einen Handkarren und ein Zelt im Wald hat. Unter der Leitung von Brigitte Riesen, Präsidentin der Primarvereinigung, wurde eine Pionier-Übernachtung organisiert, die die Kinder so schnell nicht vergessen werden.

Der Anlass knüpfte direkt an das diesjährige gemeinsame Schriftstudium an: 2025 lesen die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage weltweit das Buch Lehre und Bündnisse. Darin wird die Zeit der frühen Kirche, mit all ihren Prüfungen und Glaubensschritten, lebendig. Genau dieser Pioniergeist sollte auch den Kindern nähergebracht werden – nicht nur als Geschichte, sondern als echtes
Erlebnis.

Am Freitagnachmittag versammelten sich die Kinder und tauschten ihre Alltagskleidung in Pionierkleidung – damit stieg die Aufregung. Keine Uhren, keine Taschenlampen, keine Telefone – ein richtiges Abenteuer. Gemeinsam zogen sie den Handkarren in den Wald, richteten sich an ihrem Lagerplatz ein und spürten sofort: Das wird eine besondere Nacht.

Lagerfeuer, Schlangenbrot und Kerzenlicht

Der Bischof und seine Familie hatten Gulasch über dem Feuer vorbereitet. Jedes Kind konnte sein eigenes Schlangenbrot backen – mal etwas zu dunkel, mal perfekt goldbraun, aber immer mit Stolz gegessen. Danach spülten alle ihr Geschirr, genau wie es die Pioniere früher taten.

Spiele wie Seilspringen, Boccia oder Fussball sorgten für Bewegung, bis Musik am Lagerfeuer erklang. Zwei Gemeindemitglieder, Jeanette und Matthias Schulz, spielten Flöte und Akkordeon, und bald tanzten die Kinder einen Pioniertanz, voller Lachen und Begeisterung.

Im Anschluss formten die Kinder hingebungsvoll Kerzenständer aus Ton. Als die Kerzen später brannten, zeigten sie den Weg zu den Zelten und das ganze Lager leuchtete warm und stimmungsvoll. Nur Öllampen und Kerzen, kein grelles Licht – das fanden die Kinder überraschend gemütlich.

Zum Schluss lauschten sie Geschichten aus den Tagebüchern echter Pionierkinder. Die Stimmen wurden leiser, die Augen müde. Ein Nachtgebet beendete den ereignisreichen Tag.

Ein Morgen wie früher

Früh am nächsten Tag hiess es: Holz sammeln, Feuer machen. Einige Kinder durften beim Bauern Milch gegen eine Salami eintauschen – eine Erfahrung, die ihnen vorkam wie eine kleine Zeitreise. Das Frühstück aus Porridge, Obst und frischer Milch schmeckte nach echter Pionierkost.

Danach bastelten die Kinder Spiele, Amulette und Schmuck aus Holz, Leder, Federn, Schneckenhäusern und Tannenzapfen. Diese Gegenstände sollten später beim Tauschhandel noch eine Rolle spielen.

Begegnung im Wald

Dann war es Zeit, das Pionierlager abzubauen und weiterzuziehen. Mit dem Handkarren machten sie sich wieder auf den Weg – bis plötzlich zwei „Indianer“ aus dem Gebüsch sprangen. Zuerst waren die Kinder erschrocken, doch bald merkten sie: Auch hier lässt sich mit Freundlichkeit viel erreichen. Mit weissen Fahnen, helfenden Händen beim Feuermachen und den selbstgebastelten Geschenken gewannen sie Vertrauen. Die „Indianer“ gaben ihnen Gemüse und Würste – aus möglichen Gegnern wurden Freunde.

Im Garten von Brigitte Riesen wurde gekocht. Die Mädchen schnitten das Gemüse, die Jungen kümmerten sich wieder um das Feuer – und alle waren stolz auf ihre Aufgaben. Wer es schaffte, dass die Hühner im Garten aus der Hand frassen, bekam ein Ei. Mit Geduld und etwas Mut gelang es schliesslich allen.

Zur Erfrischung ging es nach dem Mittagessen an einen nahegelegenen Weiher. Das Planschen war ein willkommener Höhepunkt bei warmem Wetter. Wie früher die Pioniere spülte man sich den Holzrauch aus den Haaren. Zurück im Garten pflückten die Kinder zum Dessert Himbeeren. Zwischen den Sträuchern sah man nur noch ihre Strohhüte herausragen – ein Bild, das den Erwachsenen lange in Erinnerung bleiben wird.

Zeugnisse, die berühren

Der wahre Höhepunkt aber war die Schlussrunde. Alle setzten sich in einen Kreis und erzählten, wo sie den Heiligen Geist schon in ihrem Leben gespürt haben.

Ein Junge sagte leise: „Ich habe gebetet, weil ich Angst hatte. Danach wusste ich, dass ich nicht allein bin.“

Ein Mädchen erzählte: „Als meine Schwester krank war, hatte ich plötzlich das Gefühl: Es wird wieder gut.“

Die Authentizität dieser Zeugnisse berührte alle Zuhörer.

Mehr als ein Spiel

Dieses Wochenende endete mit einem Gebet und vielen müden, aber glücklichen Kindern. Was bleibt, ist nicht nur die Erinnerung an Lagerfeuer und Abenteuer. Es bleibt die Gewissheit, dass Glaube trägt – auch schon im jungen Alter.

Brigitte Riesen fasste es treffend zusammen: „Unsere Kinder haben gespürt, dass der Heilige Geist sie im Alltag begleitet. Ihr Glaube ist echt – und er macht uns allen Mut.“

So wurde aus einer Pionier-Übernachtung ein Erlebnis, das weit über Spiele und Spass hinausgeht: Ein Zeugnis davon, dass der Geist Gottes auch in den Jüngsten stark wirken kann.