Nur online: Ein Apostel antwortet
Was sind geistige Gaben und wie funktionieren sie?
Acht Grundsätze, die euer Verständnis von geistigen Gaben erhellen können
Nach einer Ansprache beim Missionsführungsseminar am Donnerstag, den 24. Juni 2021
Ich möchte acht Grundsätze betrachten, die das Wirken geistiger Gaben bestimmen und uns Muster an die Hand geben, wie wir mehr wie der Erretter werden können.
1. Geistige Gaben sind unerlässlich
Die Beziehung zwischen geistigen Gaben und den Eigenschaften des Erretters lassen sich mithilfe der grundlegenden Wahrheiten in Moronis Abschiedsworten aufschlussreich aufzeigen (siehe Moroni 10). Moroni hob fünf wichtige Punkte hervor:
-
Ein Zeugnis vom Buch Mormon kommt durch die Macht des Heiligen Geistes.
-
Die Gaben des Geistes werden den Glaubenstreuen zuteil.
-
Geistige Gaben gehen immer mit Glauben einher.
-
Moronis Worte sprechen aus dem Staub.
-
Wir müssen zu Christus kommen, in ihm vollkommen werden und dadurch unsere Seele heiligen.
Bitte beachtet: Geistige Gaben sind eine Voraussetzung und unerlässlich dafür, dass wir zum Erretter kommen, mit seinen Eigenschaften ausgestattet werden und wie er werden können.
2. Geistige Gaben kommen durch den Heiligen Geist
Geistige Gaben sind Segnungen oder Fähigkeiten, die Gott seinen Kindern durch die Macht des Heiligen Geistes gibt. Jeder, der durch die rechtmäßige Priestertumsvollmacht und das Händeauflegen die Gabe des Heiligen Geistes empfängt, ist dazu berechtigt, geistige Gaben zu empfangen. Diese Gaben „kommen denjenigen, die den Herrn lieben und bestrebt sind, seine Gebote zu halten, segensreich zugute“.
3. Geistige Gaben sind ein Geschenk
Schon der Begriff „geistige Gaben“ vermittelt uns etwas Wesentliches. Alle diese Gaben gibt Gott gemäß seinem Willen und seinem Zeitplan.
Der Herr bestimmt, ob und wann wir alle geistigen Gaben und christlichen Eigenschaften erhalten. Dennoch sollen wir nichts unversucht lassen, uns diese Gaben zu wünschen und dafür würdig zu werden. Diese Gaben und Eigenschaften können wir uns nicht aus eigener Kraft verdienen oder aneignen.
Wir dürfen nicht vergessen: Es ist ein geistiges Werk, alle einzuladen, zu Christus zu kommen. Unser Ziel ist nicht nur eine bessere Verhaltensweise, sondern eine geistige Wandlung. Alle wertvollen Vorteile von Selbstdisziplin und Zielsetzung reichen für sich genommen nicht aus, um die Gaben Gottes und die Eigenschaften des Herrn Jesus Christus zu empfangen.
Wir empfangen geistige Gaben, wenn Gott darauf vertrauen kann, dass wir das sind, was wir sein sollen, das tun, was wir tun sollen, und uns vom Geist zur richtigen Zeit und am richtigen Ort führen lassen. Wenn wir also eine oder mehrere Gaben empfangen, können diese durch uns wirken und ein Segen für andere sein.
4. Wir müssen uns selbst zurücknehmen
Natürlich profitiert man persönlich davon, wenn man geistige Gaben und christliche Eigenschaften erhält. Allerdings sollten wir vorrangig den Wunsch haben, Gott und seinen Kindern zu dienen, und nicht unsere eigene Weiterentwicklung in den Mittelpunkt stellen.
Geistige Gaben und christliche Eigenschaften auf angemessene Weise zu erbitten und zu empfangen, erfordert, dass wir uns selbst zurücknehmen und über unsere selbstbezogenen Wünsche, Sorgen und Vorlieben hinausblicken.
Uns ist geboten, in jedem Gedanken auf den Erretter zu blicken und weder zu zweifeln noch uns zu fürchten. Daher sollten wir unser Tun auf den Herrn ausrichten, nicht auf uns selbst. Wir sollten seine kostbaren Gaben höher schätzen, als uns auf unser eigenes Können zu verlassen. Wir sollten seine liebevolle, große Barmherzigkeit und seine Segnungen demutsvoll anerkennen und mehr darauf bauen als auf unsere eigene Talente. Wir sollten immerzu bestrebt sein, die Blindheit zu vermeiden, die entsteht, wenn wir „über das Ziel hinaus[schauen]“ – nämlich den Herrn Jesus Christus. Wir sollten stets an diese Worte denken: „Vater, dein Wille geschehe, und die Herrlichkeit sei dein immerdar.“
5. Wir müssen wirklichen Vorsatz haben
Zum Abschluss seiner Worte und seines Zeugnisses von der Lehre Christi betonte Nephi wesentliche Grundsätze, durch die man die Segnungen und Gaben des Heiligen Geistes empfangen kann:
„Darum, meine geliebten Brüder, weiß ich, wenn ihr dem Sohn mit voller Herzensabsicht nachfolgt und keine Heuchelei und keine Täuschung vor Gott verübt, sondern es mit wirklichem Vorsatz tut, und von euren Sünden umkehrt und dem Vater bezeugt, dass ihr willens seid, den Namen Christi auf euch zu nehmen durch die Taufe – … siehe, dann werdet ihr den Heiligen Geist empfangen.“
Die Formulierung mit voller Herzensabsicht in diesem Vers heißt für mich sowohl ein unverwandter Blick auf den Erlöser als auch, „[unsere] ganze Seele als Opfer dar[zubringen]“, und zwar mit „ganze[m] Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft“. Im Zuge dessen werden wir als Jünger Christi stärker und streben auf dem Weg der Bündnisse vorwärts.
Wirklicher Vorsatz bedeutet, dass unsere Beweggründe, Wünsche und Taten aufrichtig und rechtschaffen sind.
6. Wir müssen beginnen – und auch weitermachen
Oliver Cowdery, der dem Propheten Joseph Smith bei der Übersetzung des Buches Mormon vorrangig als Schreiber diente, lernte etwas Wertvolles darüber, wie wichtig es ist, mit etwas zu beginnen und damit dann weiterzumachen. Oliver wünschte sich die Gabe der Übersetzung.
Offenbar hatte Oliver die Ausübung der geistigen Gabe, die er empfangen hatte, hinausgezögert oder aufgeschoben. Deshalb wurde Oliver wegen seiner Rolle bei der Übersetzungsarbeit ermahnt.
„Es ist, weil du nicht weitergemacht hast, wie du begonnen hast, als du anfingst zu übersetzen, dass ich dir dieses Recht weggenommen habe.“
Wenn wir rechtschaffen unsere sittliche Entscheidungsfreiheit ausüben und geistige Aufgaben und verheißene Segnungen annehmen, müssen wir nicht nur mit etwas beginnen, sondern auch damit weitermachen. Ein Anfang ist notwendig, reicht aber nicht aus. Ein Anfang erfordert auch, dass wir weiterhin nach der Lehre handeln und treu voranschreiten.
Um geistige Gaben und christliche Eigenschaften zu erlangen, muss man beginnen und auch weitermachen.
7. Wir können Eigenschaften Jesu Christi erhalten
Unsere geistige Neugeburt und unser Fortschritt auf dem Weg der Bündnisse befähigen uns, als neue Geschöpfe in Christus geheiligt zu werden. Letztlich stehen also wir im Mittelpunkt des Werkes Gottes.
Wir können hier auf Erden damit gesegnet werden, die wesentlichen Grundzüge eines christlichen Charakters zu erlangen. Es ist tatsächlich möglich, dass wir uns in diesem Leben in Rechtschaffenheit darum bemühen, die geistigen Gaben und Eigenschaften zu erlangen, die uns dazu befähigen, uns anderen liebevoll zuzuwenden, für sie da zu sein und ihnen ein Segen zu sein.
8. Würdigkeit ist der Schlüssel
Persönliche Würdigkeit ist der absolute und unverzichtbare Schlüssel, um die ständige Begleitung durch den Heiligen Geist zu haben und alle geistigen Gaben sowie christliche Eigenschaften zu empfangen.
Bitte beachtet, dass ich das Wort Würdigkeit verwende, nicht Vollkommenheit! Im Erdenleben sind wir unvollkommen und werden es immer sein. Es ist schlichtweg unmöglich, im Erdenleben rechtschaffene Vollkommenheit zu erlangen. Dennoch können und sollen wir würdig sein, uns verbessern, umkehren und immer mehr zu dem werden, was wir sein sollen.
Voll Freude bezeuge ich, dass Jesus Christus der lebendige Sohn des lebendigen Gottes ist. Er ist die Quelle aller guten Gaben. Ich weiß, dass er auferstanden ist und dass er lebt.