2025
Justinas Frage
Oktober 2025


„Justinas Frage“, Unser Freund, Oktober 2025, S. 16ff.

Justinas Frage

Justinas Eltern waren geschieden. Waren sie trotzdem eine ewige Familie?

Eine wahre Geschichte aus den USA

Vorderansicht des Nauvoo-Tempels

„Wann sind wir denn da?“, fragte Justina.

„Fast!“, erwiderte Oma. Der Wagen bog um die Ecke, und da war er! Hoch oben auf dem Hügel stand der Tempel. Wie schön er aussah!

Justina und ihre Familie besuchten die Weihung des Tempels. Mama hatte erklärt, dies sei eine wichtige Versammlung, bei der ein Apostel im Tempel ein besonderes Gebet sprechen werde. Dann würde der Tempel bereit sein, und die Mitglieder der Kirche könnten darin heilige Handlungen durchführen. „Eine Tempelweihung wird auch übertragen, damit die Mitglieder sie vom Gemeindehaus aus mitverfolgen können“, erklärte Mama. „Aber wir haben das Glück, bei der Weihung im Tempel dabei zu sein!“

Zwei Frauen und ein Mädchen ziehen vor dem Tempel Schuhüberzüge an

Vor dem Eingang bekamen sie weiße Schuhüberzüge aus Plastik. Justina fand, dass sie albern aussahen. „Warum müssen wir die denn anziehen?“, fragte sie Oma.

„So bleiben die neuen Teppiche sauber“, flüsterte Oma. „Vergiss nicht: Im Tempel flüstern wir. In Ordnung? Wir wollen im Haus des Herrn andächtig sein.“

Als sie durch den Tempel gingen, bewunderte Justina die hohen Decken. Es war so still, dass sie am liebsten auf Zehenspitzen gehen und den Atem anhalten wollte. Sie staunte, als sie die Wendeltreppe hinaufgingen. Die Treppe schien endlos zu sein!

Schließlich gelangten sie zu dem Raum, wo die Weihung stattfinden sollte. „Das hier ist ein Siegelungsraum“, sagte Oma leise. „Weißt du, was das bedeutet?“

Justina schüttelte den Kopf.

„Hier kann eine Familie für immer gesiegelt werden. Das bedeutet, dass sie auch nach dem Tod im Himmel zusammen sein kann. Schau mal die Spiegel an!“ Oma zeigte auf die Spiegel auf beiden Seiten des Zimmers. „Siehst du, was geschieht, wenn du dein Spiegelbild anschaust?“

Justina schaute in einen der Spiegel. Ihr Spiegelbild wiederholte sich immer wieder.

„Wow!“, sagte Justina und achtete dieses Mal darauf, dass sie auch flüsterte. „Mein Spiegelbild geht endlos weiter!“

Die Weihung begann, und Justina musste an ihre Familie denken. Ihre Eltern waren geschieden. Sie wusste, dass sie nicht im Tempel gesiegelt worden waren.

Sie schaute zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern neben sich. Würde sie im Himmel mit ihnen zusammen sein können? Und wenn ich nun nicht für immer mit meiner Familie zusammen sein kann, weil wir nicht gesiegelt sind? Der Gedanke machte ihr Angst und beunruhigte sie.

Justina beugte sich zu Oma „Was geschieht, wenn man nicht an seine Familie gesiegelt ist?“, fragte sie.

Oma überlegte kurz. „Eigentlich weiß ich es nicht, mein Schatz“, sagte sie dann. „Aber ich weiß, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.“

Justina dachte darüber nach, als sie dem nächsten Redner zuhörte. Bald war die Weihung fast vorüber. Gemeinsam sangen sie das Lied „Der Geist aus den Höhen“.

Justina stand auf, und beim Singen wurde ihr ganz warm ums Herz. Sie wusste, dass der Heilige Geist ihr kundtat, dass alles gut werden würde. Sie spürte, dass ihr Glaube stärker wurde.

Eine Frau und ein Mädchen umarmen einander

Als das Lied zu Ende war, umarmte Justina Oma ganz fest. Sie hatte immer noch Fragen, aber sie glaubte fest daran, dass Gott sie und ihre Familie sehr liebte. Sie wusste, dass sie ihm vertrauen konnte.

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Illustrationen von Jarom Vogel