Aus Neu für junge Erwachsene
Wie kann mir das Alte Testament zu einem besseren Verständnis des Endowments verhelfen?
Vieles von dem, was wir heutzutage geloben, haben auch die Jünger Jesu in alter Zeit gelobt
Im Abbild, Darstellung von Walter Rane
Früher fand ich das Endowment verwirrend. Das lag nicht so sehr an der Zeremonie selbst (obwohl auch das eine Rolle spielte), sondern eher daran, dass ich dachte: Was wir im Tempel tun, ist doch bestimmt ganz anders als das, was unsere Vorfahren im Alten Testament gemacht haben.
Allerdings wusste ich auch: Das, was uns heutzutage im Tempel vermittelt wird, dürfte sich nicht allzu sehr von dem unterscheiden, woran die Jünger vor alters glaubten, auch wenn die Tempelzeremonien vielleicht anders waren. Als ich im Alten Testament forschte, bestätigte sich diese Einschätzung. Die Art und Weise, wie das Endowment vollzogen und vermittelt wird, hat sich geändert, doch die Bündnisse sind ewiger Natur.
Schauen wir uns einige der Gesetze an, die zu halten wir heutzutage im Tempel geloben, und betrachten wir, wie sie sich in den Bündnissen in alter Zeit widerspiegeln.
Das Gesetz des Gehorsams
Adam zeigte, dass er nach dem Gesetz des Gehorsams lebte, als ein Engel ihn fragte, warum er und Eva Opfer darbrachten: „Ich weiß nicht, außer dass der Herr es mir geboten hat.“ (Mose 5:6.)
Gehorsam ist für den gesamten Erlösungsplan unerlässlich. Wenn wir Gottes Weisungen befolgen und uns auf den Erretter stützen, können wir so werden wie Gottvater und Christus.
Das Gesetz des Opferns
Im Allgemeinen Handbuch wird dieses Gesetz so definiert, „dass man für das Werk des Herrn Opfer bringt und mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist Umkehr übt“.
Es ist nicht schwer, im Alten Testament Begebenheiten zu finden, in denen Opfer dargebracht wurden – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Was wir dabei manchmal übersehen, ist, dass auch damals ein reuiges Herz und ein zerknirschter Geist gefordert wurden.
In einem seiner Psalmen schrieb David: „Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.“ (Psalm 51:19.)
„Davids Worte zeigen, dass das Volk des Herrn selbst zu Zeiten des Alten Testaments verstand, dass es Gott sein Herz geben musste, dass Brandopfer allein nicht ausreichten“, erklärte Elder Bruce D. Porter, als er Mitglied der Siebziger war.
Das Gebot, Tier- oder Ernteopfer darzubringen, wurde mit dem Tod Jesu Christi aufgehoben. In heutiger Zeit kehren wir täglich um und nehmen vom Abendmahl, um an sein Sühnopfer zu denken. Dass wir demütig sind und umkehren, gehört also nach wie vor dazu.
Das Gesetz des Evangeliums Jesu Christi
Das Gesetz des Evangeliums Jesu Christi zu befolgen, bedeutet, Glauben an Jesus Christus auszuüben, durch heilige Handlungen Bündnisse mit Gott zu schließen und diese zu halten, umzukehren und bis ans Ende auszuharren sowie die Liebe zu Gott und dem Nächsten anzustreben.
Manche meinen, das Gebot des Erretters im Neuen Testament, „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:39), sei ein Bruch mit der Denkweise im Alten Testament gewesen. Doch der Erretter zitierte sich selbst! Etwa 1500 Jahre zuvor hatte er zu Mose gesagt: „An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Levitikus 19:18.)
Das Prinzip „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ (Levitikus 24:20) gehörte zwar zum israelitischen Rechtssystem, doch das Gesetz des Mose enthielt auch zahlreiche Regeln, die besagten, dass man Nachbarn, Besuchern, Fremden, Ausländern und Flüchtlingen mit Nächstenliebe und Mitgefühl begegnen solle (siehe Exodus 23:9; Levitikus 19:33,34; Deuteronomium 10:19).
Als Jünger in den Letzten Tagen wissen wir, dass das Gesetz „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ erfüllt wurde. Es kann daher zu Verwirrung führen, wenn man meint, „Liebe deinen Nächsten“ wäre ein neuer Grundsatz gewesen. Tatsächlich ist dies ein ewiges Gebot.
Auch der erste Teil dieses Gesetzes ist ewig, nämlich zuallererst Gott zu lieben. Präsident Dallin H. Oaks hat gesagt: „Unser Eifer, dieses zweite Gebot zu halten, [darf] uns nicht das erste vergessen lassen, nämlich Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit unserem ganzen Denken zu lieben. Diese Liebe zeigen wir, indem wir seine Gebote halten [siehe Johannes 14:15]. Gott verlangt von uns, dass wir seine Gebote befolgen, denn nur durch diesen Gehorsam – wozu auch die Umkehr gehört – können wir zu ihm zurückkehren [und] in seiner Gegenwart leben.“
Das Gesetz der Keuschheit
Nach dem Gesetz des Gehorsams lässt sich das Gesetz der Keuschheit wohl am einfachsten definieren: Eine sexuelle Beziehung ist Mann und Frau vorbehalten, die rechtmäßig miteinander verheiratet sind.
„Du sollst nicht die Ehe brechen“ (Exodus 20:14) ist ein bekanntes Gebot aus dem Alten Testament. Auch andere Formen sexueller Unmoral wurden im Gesetz des Mose ausdrücklich verboten (siehe Levitikus 18). Schon vor der Zeit des Mose wusste Josef in Ägypten, dass er den Annäherungsversuchen von Potifars Frau widerstehen musste (siehe Genesis 39:7-12).
In einer Gesellschaft, die immer freizügiger über Sexualität denkt und in der Pornografie und sonstiges sexuell verlockendes Material leicht zugänglich sind, ist die Versuchung – und die Gefahr –, das Gesetz der Keuschheit zu brechen, heute wohl größer denn je. Dennoch bleibt Keuschheit der Maßstab des Herrn, und wenn wir dieses Bündnis halten, werden wir befähigt, andere so zu lieben wie er, indem wir unsere Leidenschaften zügeln (siehe Alma 38:12).
Das Gesetz der Weihung
Wir weihen all unsere Zeit und unsere Talente dem Aufbau des Reiches Gottes. Weihung bedeutet auch, Gott unsere ganze Seele darzubringen, damit er uns heiligen kann.
Mose sagte: „Weiht euch heute dem Herrn! Denn ein jeder ist sogar gegen den eigenen Sohn und gegen den eigenen Bruder schonungslos vorgegangen; darum soll euch heute Segen verliehen werden!“ (Exodus 32:29, Menge-Bibel.) In der Geschichte der Kinder Israel geht es unter anderem um Menschen, die sich dem Herrn weihten – wie etwa die Witwe, die Elija zu Essen gab (siehe 1 Könige 17:7-16).
Und noch früher hatte es das Volk Henoch geschafft, vollständig nach dem Gesetz der Weihung zu leben. Es war „eines Herzens und eines Sinnes … und [lebte] in Rechtschaffenheit …; und es gab keine Armen unter ihm“ (Mose 7:18). „Keine Armen unter ihm“ ist ein Zustand, den nur sehr wenige Gesellschaften bislang erreicht haben (Lehis Nachkommen schafften das eine Zeit lang; siehe 4 Nephi 1:3). In heutiger Zeit können wir jedoch danach streben, diesem Bündnis gemäß zu leben, indem wir ein williges Herz haben, uns dort um andere kümmern, wo wir gebraucht werden, täglich umkehren und Gott unsere ganze Seele darbringen.
In unserer Evangeliumszeit
Der Herr bittet uns, diese FÜNF Bündnisse im Rahmen EINER Tempelzeremonie zu schließen. Wir brauchen uns vom Umfang dieser Versprechen aber nicht abschrecken zu lassen. Elder Dale G. Renlund vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt: „Gott hat diese Vielzahl an Bündnissen festgelegt, damit sie uns ein Segen sind, und nicht, um uns zu verurteilen. Wenn wir uns eifrig mit den Bündnissen befassen, die wir geschlossen haben, und uns auf das jeweils nächste vorbereiten, ist das die beste Art, uns darauf vorzubereiten, alles zu empfangen, was der Vater im Himmel hat.“
In jeder Evangeliumszeit hat Gott hat seine Kinder durch Bündnisse näher zu sich gezogen. Wir dürfen in einer segensreichen Zeit zu leben, in der diese Bündnisse im Haus des Herrn für uns leicht zugänglich sind. Wenn du das nächste Mal in den Tempel gehst, denk daran, dass auch unsere Vorfahren im Alten Testament die gleichen Bündnisse geschlossen haben.