Aus Neu für junge Erwachsene
Wie kann ich als Single auf dem Weg der Bündnisse vorankommen?
Als ich meinte, ich käme auf dem Weg der Bündnisse einfach nicht voran, ging ich noch mehr auf Christus zu
Ich arbeite total gern mit Checklisten. Ich liebe es, Kästchen zu zeichnen und sie abzuhaken.
Meine Checklisten sind nützlich, wenn ich für den Urlaub packen, das Haus putzen oder den Überblick über Hausaufgaben behalten muss. Aber eine Checkliste für meinen geistigen Fortschritt aufzustellen, macht mir große Angst.
Es gibt nämlich ein Kästchen, das ich einfach noch nicht abhaken kann: „Im Tempel heiraten“.
Als Unverheiratete habe ich oft das Gefühl, zwischen dem Endowment und der Siegelung „festzustecken“. Die Formulierung „Weg der Bündnisse“ klingt, als müsse man diesen Weg einschlagen und dann immer weiter voranschreiten.
Der Aufruf von Präsident Russell M. Nelson (1924–2025), sich „einen positiven geistigen Schwung [zu] erhalten“, ruft eine ähnliche Vorstellung von Vorwärtsbewegung hervor.
Aber weil die Entscheidung, sich im Tempel siegeln zu lassen, nun mal von ZWEI Menschen abhängt, kommt es mir manchmal so vor, als stünde ich vor einem verschlossenen Tor. Ich habe Angst, dass mir der geistige Schwung ausgeht, während ich darauf warte, dass sich das Tor öffnet. Kann ich denn auf dem Weg der Bündnisse vorangehen, obwohl ich mein nächstes Bündnis gerade nicht schließen kann?
Die Antwort auf meine sorgenvollen Fragen kam, als ich den Weg der Bündnisse besser zu verstehen begann.
In der Aufwärtsbewegung bleiben
Als ich den Weg als Checkliste oder gerade Linie aus Trittsteinen betrachtete – Taufe, Konfirmierung, Vorverordnungen, Endowment, Siegelung –, hatte ich das Gefühl, zwischen den Schritten nichts unternehmen zu können.
Doch meine Sichtweise änderte sich, als Elder Dale G. Renlund vom Kollegium der Zwölf Apostel den Weg noch einmal wie folgt umschrieb: „Am besten stellt man sich diesen Vorgang als eine lange Straße vor, die sich einen Berg hinaufwindet. Wenn man diese Straße von oben betrachtet, sieht sie aus wie eine flache Spirale. Doch von der Seite betrachtet erkennt man eine aufsteigende Spirale.“
Mit anderen Worten: Das Evangelium zu leben bedeutet nicht, sich im Kreis zu drehen oder einfach nur geradeaus zu gehen. Es bedeutet, sich aufwärts zu bewegen – dem Himmel entgegen. Jeder Schritt nach vorn, ob groß oder klein, bringt dich dem Erretter näher.
Später beschrieb Elder Renlund geistigen Fortschritt als einen sich wiederholenden, iterativen Prozess: Wir richten unser Leben immer wieder nach dem Evangelium Christi aus, verbessern uns und kommen mit jeder neuen Runde dem Erretter näher.
Beachte, welches Wort er dabei nicht verwendet hat: Checkliste. Das Evangelium Jesu Christi ist nichts, was man einmal tut und dann abhakt. Man lebt jeden Tag als Jünger Christi.
Und ganz gleich, wo du dich auf dem Weg der Bündnisse befindest – du kannst Christus immer näherkommen. Es gibt keine Hindernisse, die dich von seiner Liebe fernhalten könnten.
Christus näherkommen
Während ich hoffnungsvoll darauf warte, im Tempel heiraten zu können, schöpfe ich Kraft aus der Geschichte von Elder Renlunds Großmutter. Sie lebte in Finnland − lange bevor dort ein Tempel gebaut wurde − und konnte zu Lebzeiten weder das Endowment empfangen noch an ihre Familie gesiegelt werden. Dennoch lebte sie so, „als hätte sie diese Bündnisse bereits … geschlossen“, was ihr die Kraft gab, Schicksalsschläge zu überstehen.
Auch wenn ich den Bund der Siegelung noch nicht schließen kann, kann ich doch so leben, als hätte ich ihn bereits geschlossen. Ich kann darauf hinarbeiten, christliche Eigenschaften zu entwickeln. Ich kann so oft wie möglich in den Tempel gehen und meine Bündnisse erneuern, indem ich jede Woche vom Abendmahl nehme. Ich kann eine wahre Jüngerin Christi sein – durch das, was ich bin, und nicht durch das, was ich tue, um bloß eine Aufgabenliste abzuarbeiten.
Das ganz Besondere an dem Bund der Siegelung ist zudem, dass man schon vor der eigenen Siegelung an stellvertretenden Siegelungen teilnehmen kann. Ich finde es schön, dass ich diese heilige Handlung bereits miterleben und den Wortlaut hören kann, damit ich genau weiß, was dieser Bund beinhaltet. Ebenso schön finde ich es, dass ich die Freude ewiger Familien spüren kann, wenn ich stellvertretend für meine Vorfahren am Altar knie. Während solcher Siegelungssessionen im Tempel hatte ich schon besonders geistige und eindrucksvolle Erlebnisse.
All dies hilft mir, eine enge Beziehung zu meinem Erretter zu pflegen, was ein kostbarer Segen und ganz unabhängig davon ist, ob ich in diesem Leben den Bund der Siegelung schließen kann oder nicht. Mich ihm zuzuwenden bedeutet, positiven geistigen Schwung zu erhalten. Und solange ich mich auf ihn zubewege − auf welche Weise auch immer −, wird er mir seine Liebe niemals vorenthalten.