„Wie sich in einer Beziehung am besten christliche Bindungen aufbauen lassen“, Liahona, Oktober 2025
Aus Neu für junge Erwachsene
Wie sich in einer Beziehung am besten christliche Bindungen aufbauen lassen
Wenn wir unsere Beziehungen auf Jesus Christus gründen, können wir größere Einigkeit erleben und mehr Freude finden
Junge Erwachsene stellen gerne auch schwierig zu beantwortende Fragen. Das finde ich gut!
Eine Frage, die ich von meinen jungen Freunden immer wieder zu hören bekomme, lautet: „Wie lassen sich authentische, christliche Beziehungen aufbauen?“ Heutzutage kann es für viele eine Herausforderung darstellen, zwischenmenschlich ehrliche, tiefe Bindungen anzustreben und aufzubauen.
Das menschliche Verlangen nach Verbundenheit ist ein natürlicher Teil unseres Erdenlebens. Der Vater im Himmel hat seinen Plan entwickelt, um zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern sowie allen weiteren Angehörigen ewige Beziehungen zu etablieren (siehe Maleachi 3:24; 1 Korinther 11:11).
Der Satan ist meisterlich im Trennen. Im Laufe der Zeit habe ich für viele junge Erwachsene eine Siegelung vollzogen, doch leider auch mitansehen müssen, wie so manche Ehe eines jungen Paares, das aneinander gesiegelt war, in die Brüche ging. Ich weiß also, welchen Kummer die Taktik des Widersachers bereitet.
Eine Ehe kann zerstört werden, wenn Missbrauch, Misshandlung, Untreue oder böswilliges Verlassen die bittere Realität sind. Allzu oft endet eine Beziehung jedoch – oder sie entsteht gar nicht erst –, weil es ihr an geistiger und seelischer Vertrautheit mangelt.
Manche jungen Leute fühlen sich abgekapselt und einsam, weil ihnen echter Kontakt zu anderen jungen Erwachsenen in ihrer Umgebung fehlt. Vielleicht meinen sie, ihre Probleme niemandem anvertrauen zu können, und finden sich daher mit ihrer Kontaktarmut ab. Eine tiefe Verbundenheit mit dem Erretter und miteinander schenkt die nötige Unterstützung, sodass wir uns von tiefsten Nöten erholen und zu unseren Mitmenschen eine erfüllende Beziehung finden können.
Für viele Beziehungen – von wahrer Freundschaft bis hin zu einer dauerhaften Ehe – ist seelische und geistige Vertrautheit eine wesentliche Voraussetzung. Allzu oft lassen wir uns jedoch ablenken, verlieren den Mut oder sind zu ängstlich und verschließen uns daher einer solchen Entwicklung. Wenn wir hingegen die Grundsätze wahrer Verbundenheit beherzigen und unsere Beziehungen auf Jesus Christus gründen, gelingen uns engere Bindungen, und wir erlangen mehr Einigkeit und Freude.
Stützt euch nicht auf vorgegaukelte Bindungen
Vertrautheit entsteht, wenn Menschen sich verstanden und um ihrer selbst willen geliebt fühlen und wenn unter ihnen eine tiefe, authentische Verbundenheit herrscht. Durch die vielen technischen Errungenschaften der heutigen Zeit sind wir scheinbar enger denn je miteinander verbunden. Bei genauerer Betrachtung kann jedoch die zunehmend vor dem Bildschirm verbrachte Zeit die reale Bindung zu unseren Mitmenschen beeinträchtigen.
Viele junge Erwachsene haben mit Pornografie zu kämpfen. Wird dagegen nichts unternommen, kann dies die Entwicklung wahrer Vertrautheit hemmen. Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich inzwischen nicht nur Informationen aufbereiten, sondern auch fingierte Bindungen schaffen. Einige junge Erwachsene gaukeln sich ein Zugehörigkeitsgefühl vor, indem sie ihre Zeit damit verbringen, sich mit Influencern in den sozialen Medien zu vergleichen oder mit den Beauty- und Lifestyle-Trends der Welt Schritt zu halten. Manche investieren übermäßig viel Zeit in Bücher, Videospiele oder Fernsehformate und bilden sich ein, auf diese Weise die Verbindung mit einer – allerdings realitätsfernen – Phantasiegestalt herstellen zu können. Andere wiederum ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, ersetzen wahre Vertrautheit durch weltliche Annehmlichkeiten und gehen ihren Mitmenschen in der Realität so weit wie möglich aus dem Weg.
Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel hat junge Erwachsene warnend darauf hingewiesen, welche Gefahren das Leben in einer digitalen Welt mit sich bringt: „Vorgetäuschte emotionale Intimität kann echte emotionale Intimität verdrängen – das, was zwei Menschen zusammenschweißt.“
Leider lässt der Widersacher Abschottung in sehr viel attraktiverem Licht erscheinen als zwischenmenschliche Bindungen. An alten Gewohnheiten festzuhalten ist eben einfacher, als an sich zu arbeiten und Beziehungen aufzubauen. Er weiß, dass die einfühlsame, authentische Beziehung zu Freunden, Angehörigen, Führungsverantwortlichen und zum Ehepartner dazu beiträgt, dass wir uns mehr miteinander und mit der reinen Liebe Jesu Christi verbunden fühlen.
Elder David L. Buckner von den Siebzigern hat bezeugt: „Brüder und Schwestern, wir müssen aufhören, nach Gründen zu suchen, die uns entzweien, und stattdessen nach Gelegenheiten suchen, eins zu sein. [Siehe Lehre und Bündnisse 38:27.] Der Erretter hat uns mit einzigartigen Talenten und Eigenschaften gesegnet, die dazu einladen, dass wir voneinander lernen und persönlich Fortschritt machen. … ‚Entzweien und unterwerfen‘ ist der Plan des Widersachers, um Freundschaften, Familien und den Glauben zu zerstören. Was uns eint, ist der Erretter.“
Überlegt doch, wie es euch geht!
Wofür wir unsere Zeit und Energie einsetzen und worauf wir uns konzentrieren, bestimmt, welche Früchte wir ernten.
Im Alten Testament erläutert der Prophet Haggai: „Ihr sät viel und erntet wenig; ihr esst und werdet nicht satt; ihr trinkt, aber zum Betrinken reicht es euch nicht; ihr zieht Kleider an, aber sie halten nicht warm, und wer etwas verdient, verdient es für einen löcherigen Beutel.“ (Haggai 1:6.)
Wenn wir viel Zeit in etwas investieren, was nur zu einer unechten Bindung führt, ist das in etwa so, als würden wir zwar etwas verdienen, es dann aber in einen löchrigen Beutel stecken. Es bringt uns nichts. Es wird keinerlei Frucht hervorgebracht. Wir mühen uns damit ab, zu etwas oder zu jemandem eine enge Beziehung aufzubauen, obwohl der Mensch oder die Sache nur in unserer Phantasie existiert. Das hindert uns am Aufbau echter Vertrautheit und tragfähiger Beziehungen.
Der Herr nennt uns – nicht nur einmal, sondern gleich zweimal! – eine mögliche Abhilfe: „Überlegt doch, wie es euch geht!“ (Haggai 1:5; siehe auch Vers 7.)
Setzt euch anfangs kleine Ziele. Lasst den Computer sein, legt Spielekonsole und Handy weg und befasst euch jeden Tag mit dem Wort! Johannes hat bestätigt: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ (Johannes 1:1.) Umgebt euch also mit Jesus Christus. Er ist das Wort!
Nachdem der Herr seinem Volk den Rat gegeben hatte, sich zu überlegen, wie es ihm gehe, forderte er es darüber hinaus auf, ein Haus des Herrn zu bauen: „Geht ins Gebirge, schafft Holz herbei und baut den Tempel wieder auf! Das würde mir gefallen und mich ehren, spricht der Herr.“ (Haggai 1:8.)
Wenn ihr Motivation benötigt, um mit Gott und mit euren Mitmenschen in Verbindung zu treten, so bittet den Vater im Himmel um Hilfe. Je stärker die Vertrautheit und Verbindung mit Gott wird, desto mehr entwickelt sich auch eure Fähigkeit, im Alltag und in euren Beziehungen Nächstenliebe zu erleben.
Von Hochmut zu Demut
Um in einer Beziehung zu seelischer und geistiger Vertrautheit zu gelangen, müssen wir ein möglicherweise schwieriges Thema ehrlich ansprechen – das eigene Innenleben nämlich.
Gespräche über unsere Probleme, Schwächen, Wünsche, Interessen und Gefühle machen uns angreifbar, und das erfordert Mut. Vor allem eines hindert uns jedoch daran, solche Themen im Detail anzusprechen:
Stolz.
Wir haben das Gefühl, unser wahres Ich nicht zeigen zu können, denn jemand könnte ja die Nase über uns rümpfen. Schlägt uns Zuneigung oder Ablehnung entgegen? Sich mit anderen zu vergleichen kann einem jegliche Freude rauben.
Verletzlichkeit, Sanftmut und Offenheit führen zu mehr Vertrauen, größerer Nähe und einer engeren, innigeren Beziehung. Über sensible Gefühle zu reden mag uns riskant erscheinen. Wenn wir aber in einer Beziehung unsere Gefühle nur für uns behalten, hüten wir eigentlich unseren Stolz.
Wir müssen also demütig werden.
Wie lässt sich das praktisch bewerkstelligen?
Steht an heiligen Stätten. Seid mit heiligen Menschen zusammen. Eignet euch heilige Gewohnheiten an.
Manche der besten und verbindendsten Gespräche mit meiner Frau Amy habe ich im celestialen Saal des Tempels geführt. Wenn ich mich dort aufhalte, wo der Geist wohnen kann, bin ich eher bereit, mich emotional zu öffnen.
Präsident Russell M. Nelson hat verheißen: „Jeder, der Jesus Christus aufrichtig sucht, findet ihn im Tempel. Sie werden seine Barmherzigkeit spüren. Sie werden Antworten auf die Fragen erhalten, die Sie am meisten irritieren. Sie werden die Freude an seinem Evangelium besser erfassen.“
Wenn wir uns vermehrt dort aufhalten, wo der Heilige Geist uns das Herz berührt – also etwa im Tempel, beim Institut oder in der Abendmahlsversammlung –, regt sich in uns der Wunsch, demütig und Gott nahe zu sein und verbindende Gespräche mit mehr Tiefgang zu führen.
Ich verspreche euch: Wenn ihr mit jemandem ausgeht, mit dem ihr ernsthafte Absichten verfolgt, wird Gott euch die Kraft schenken, frühere Schwierigkeiten oder problematische Gewohnheiten, Pornografiekonsum oder schlechten Umgang mit Geld, traumatische Erlebnisse, Missbrauch oder Misshandlung offen und ehrlich anzusprechen. Er wird euch zu Freunden und Vertrauenspersonen führen, die euch unterstützen und denen ihr eure Fragen zum Evangelium, eure psychischen Probleme oder euer Gefühl, einsam zu sein, anvertrauen könnt.
Elder Joseph W. Sitati – ein emeritierter Generalautorität-Siebziger – hat gesagt: „[Christus] hat durch sein Beispiel gezeigt, dass es mit einer demütigen Haltung tatsächlich möglich ist, Gottvater zu kennen und mit all unserem Sein zu lieben sowie andere so zu lieben wie uns selbst und nichts zurückzuhalten.“
Bemüht euch um ganzheitliche Ausgewogenheit
Nach meiner Beobachtung befürchten junge Alleinstehende häufig, womöglich unverheiratet zu bleiben. Das führt dazu, dass sonstige Ziele in Bezug auf die geistige, intellektuelle, körperliche und soziale Entwicklung in den Hintergrund treten. Viele stürzen sich dann Hals über Kopf in eine Beziehung oder in die Ehe, ohne sich die Zeit zu nehmen, das Gegenüber wirklich kennenzulernen und zu geistiger und emotionaler Vertrautheit zu gelangen.
Seid ihr schon einmal genau aus dieser Befürchtung mit jemandem ausgegangen? Mir ist klar, wie beängstigend die Zukunft sein kann. Niemand weiß, was sie bringt. Denen, die Angst haben, hat Jakobus geraten:
„Haltet es für lauter Freude, wenn ihr in viele Bedrängnisse geratet.
Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt.
Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.“ (Joseph-Smith-Übersetzung, Jakobus 1:2 in den Studienhilfen; Jakobus 1:3,4.)
Das hier aus dem Griechischen mit vollkommen übersetzte Wort kann auch mit „heil“ oder „vollständig“ wiedergegeben werden. So verstanden würde die Schriftstelle lauten: Die Geduld soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr heil und vollständig seid.
Wir können also alles loslassen, was außerhalb unseres Einflussbereichs liegt, und darauf vertrauen, dass Geduld letztlich zu einem vollkommenen Werk führt.
Im Tempel zu heiraten und eine Familie zu gründen sind lohnende Ziele. Unabhängig davon solltet ihr aber auch jenseits einer Liebesbeziehung Ziele und Pläne verfolgen. Eine Beziehung nimmt an Heiligkeit zu, wenn ihr weitere Lebensziele verfolgt. Zu diesen gehören vor allem auch engere Bindungen und die Fähigkeit zu seelischer Vertrautheit mit Freunden und Angehörigen sowie mit dem Vater im Himmel und Jesus Christus.
Setzt Gott an erste Stelle
In der Bibel wird Jesus mit den Worten zitiert: „Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Matthäus 6:33.)
Diese Verheißung wird bisweilen unterschätzt.
Zuerst müssen wir Gott suchen. Wenn wir ihn suchen, fühlen wir uns zu denen hingezogen, die ihn gleichfalls suchen. Das ist wesentlich für starke, dauerhafte Freundschaften und eine ebensolche Ehe.
Geistiges sollte in unserem Sinn stets an oberster Stelle stehen und der Name des Erretters sollte uns auf den Lippen liegen.
Präsident M. Russell Ballard (1928–2023) hat bezeugt: „Im Lauf meines geistlichen Dienstes habe ich gelernt, was am wichtigsten ist, nämlich unsere Beziehung zum Vater im Himmel und zu seinem geliebten Sohn, unsere Beziehungen in der Familie und zu unseren Mitmenschen und dass wir uns in diesen Beziehungen vom Geist des Herrn führen lassen, damit wir Zeugnis für das ablegen können, was am wichtigsten ist und am längsten währt.“
Wir brauchen einander. Dank unserer gegenseitigen Bindungen können wir einander helfen, uns Jesus Christus zuzuwenden.
Unsere Bindung an Jesus Christus ist der Schlüssel dazu, dass wir Gewohnheiten und Haltungen ändern und willens sind, zu unseren Mitmenschen eine tiefe Verbindung herzustellen. Wenn wir unsere Beziehung zum Herrn an die erste Stelle setzen, können wir uneingeschränkt authentisch auftreten, zu wahrer Vertrautheit finden und echte Beziehungen aufbauen, die unser Leben mit dauerhafter Freude und Liebe bereichern.