Wie sieben Jugendliche aus Hawaii den samoanischen Feuermessertanz mit dem Evangelium Jesu Christi verbinden
Fotos von Leslie Nilsson und Marissa Couto
Manche Leute spielen Klavier. Manche lesen gern Bücher. Andere turnen, spielen Fußball oder Schach. Es ist ungewöhnlich und kaum zu glauben, doch es gibt auch Menschen, die gern tanzen und dabei brennende Messer durch die Luft wirbeln!
Die Geschichte des Feuermessertanzes
Der samoanische Feuermessertanz, auch Ailao Afi genannt, ist die moderne Variante eines traditionellen Kriegstanzes. Er erfordert besonderes Geschick, ist eine Kunst- und Ausdrucksform, und viele Menschen ehren durch den Tanz ihre Kultur.
Drei Jugendliche aus Hawaii erklären den Feuermessertanz wie folgt:
Vivian, 18: „Traditionell tanzten Krieger nur mit einem Messer. Später kamen das Feuer und das Herumwirbeln dazu. Es ist dem Twirling recht ähnlich, einer Form des Jonglierens – nur dass da an beiden Enden noch Feuer ist!“
Tui, 12: „Beim Feuermessertanz geht es buchstäblich heiß zu. Man muss das Messer viel herumwirbeln. Man wirft es sogar und bewegt sich damit, während es sich dreht.“
Joseph, 18: „Wenn sich das Feuer bewegt, der Wind pfeift und die Trommeln spielen, ist es ziemlich laut. Aber um ehrlich zu sein, ist das für mich ein stiller geistiger Moment, weil er mir so viel bedeutet. Der Feuermessertanz ist eine Möglichkeit, wie ich mich mit meiner Familie und meiner Kultur verbunden fühlen kann.“
Für diese Jugendlichen ist die Aufführung des Feuermessertanzes nicht nur ein erstaunliches, seltenes Talent. Sie haben dadurch auch viele wertvolle Lektionen fürs Leben gelernt, etwa dass man dem Herrn nahe bleibt, wenn man das Evangelium lebt und seinen Mitmenschen hilft.
Auf den Herrn vertrauen
Joseph A., 18
Beim Feuermessertanz kann vieles schiefgehen. Benzin kann auf den Griff tropfen und ihn rutschig machen. Auch der Wind beeinflusst vieles und kann es schwieriger machen, das Messer zu fangen. Beim Tanzen auf den Herrn zu vertrauen, hilft mir sehr.
Eine meiner Lieblingsschriftstellen ist Sprichwörter 3:5. Darin geht es darum, mit ganzem Herzen auf den Herrn zu vertrauen. Ich glaube, dass das wichtig ist, denn wenn man auftritt, merkt man zwar, dass man viel geübt hat, aber dass es letzten Endes auf einen selbst, das Feuermesser und den Vater im Himmel ankommt.
Ich sage dem Vater im Himmel gern im Gebet: „Du weißt, ich habe viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt, bitte führe du jetzt meine Hände.“
Sich für den Herrn Zeit nehmen
Gary K., 16
In die Feuermesser-Wettbewerbe fließt jede Menge Vorbereitung. Vor dem Wettkampf trainiere ich etwa sechs Monate lang jeden Tag.
Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil mein Terminkalender echt voll ist. Aber ich nehme mir immer Zeit für den Herrn, indem ich in die Kirche, zu den Aktivitäten der Jungen Männer und zum Seminar gehe, in den heiligen Schriften lese und bete. Wenn ich das tue, bemerke ich, dass der Tag gleich ganz anders verläuft. Alles findet sich dann.
Ich spüre zweifellos, dass Christus für mich da ist. Wenn wir auf den Herrn vertrauen und uns bemühen, ihn an die erste Stelle zu setzen, hilft er uns bei all unseren Aufgaben und Pflichten.
Selbstvertrauen gewinnen und andere inspirieren
Vivian K., 18
Als Kind habe ich meinen Onkeln und meinen Cousins immer beim Feuermessertanz zugesehen. Ich fand das wirklich cool, war mir aber unsicher, ob ich das auch hinbekommen würde. In der Highschool habe ich mir unter anderem zum Ziel gesetzt, den Tanz zu lernen. Nachdem ich das konnte, setzte ich mir ein noch konkreteres Ziel: Ich wollte an einem Feuermesser-Wettbewerb teilnehmen.
Der Feuermessertanz hat mir geholfen, größeres Selbstvertrauen zu entwickeln. Beim Tanzen sind bestimmte Bewegungen erforderlich, wenn man das Messer hochwirft, es in der Luft beobachtet und dann wieder fängt. Früher bin ich lieber schnell zur Seite gegangen, nachdem ich das Messer hochgeworfen hatte. Mein Vater brachte mir bei, dass ich mich auf die Bewegung einlassen und Selbstvertrauen haben musste.
Angespornt von ihren Angehörigen hat Vivian nun genug Selbstvertrauen, um selbst die Fackel zu tragen.
Mit der Zeit war ich bei Auftritten und in allen anderen Bereichen viel selbstbewusster. Es ist wirklich toll, wenn jetzt manchmal Mädchen nach einem Auftritt zu mir kommen und sagen, dass sie das inspirierend fanden und sich nun auch am Feuermessertanz versuchen wollen. Ich freue mich sehr, dass ich andere Menschen dazu inspirieren kann, etwas zu tun, was sie selbst vielleicht für gar nicht möglich gehalten hatten.
„Das Gebet schützt mich und hilft mir, gut zu tanzen“, sagt Tui.
Durch das Gebet Angst überwinden
Tui M., 12
Beim Auftritt bin ich nicht nervös. Ich spüre einen Nervenkitzel. Ich habe gelernt: Selbst wenn ich mal etwas falsch mache, kann ich etwas Schönes daraus machen. Es ist ähnlich wie bei einem Gemälde. Wenn ein Maler einen Fehler macht, kann er etwas Neues daraus machen. Manchmal fällt mir das Feuermesser herunter, aber dann hebe ich es wieder auf und tanze weiter.
Mir selbst Mut zuzusprechen hat mir bei meinen Ängsten sehr geholfen. Anstatt zu denken: „Was, wenn ich es vermassle?“, versuche ich, öfter etwas zu denken wie: „Was, wenn ich es gut mache?“
Ich habe mir auch angewöhnt, vor jeder Vorführung kurz zu beten. Das Gebet schützt mich und hilft mir, gut zu tanzen. Wenn ich bete, bin ich zuversichtlich, dass ich meine Sache gut machen werde.
Manasseh T., 12
Vor einem Feuermesser-Auftritt bin ich normalerweise nervös. Vor jedem Auftritt spreche ich ein Gebet. Einmal habe ich in so einer Situation gebetet und verspürte dann Wärme und gar keine Angst. Beim Tanzen hatte ich das Gefühl, dass da jemand neben mir stand.
Das Gebet hilft mir wirklich, Nervosität zu besiegen. Nach dem Beten merke ich, dass ich einfach nur Spaß habe!
Eine Botschaft der Liebe verkünden
Kawiki A., 15
Letzten Sommer haben wir Feuermessertänze in Rumänien und Bulgarien aufgeführt. Mein Vater bringt uns immer das Lied „Wo die Liebe wohnt“ (Gesangbuch, Nr. 198) in der Sprache des Landes bei, das wir besuchen. Wir singen das Lied dann nach dem Auftritt gemeinsam als Familie.
Ich finde die Botschaft, ein liebevolles Zuhause zu haben, wichtig, denn sie erinnert uns daran, dass wir überall, wo wir sind, Liebe ausstrahlen wollen. Ich kann spüren, dass ich andere Menschen aufbaue und glücklich mache. Auch wenn sie manchmal meine Sprache nicht sprechen, weiß ich, sie spüren, dass wir durch unsere Talente das Evangelium weitergeben.
Nainoa A., 13
Die Botschaft, ein liebevolles Zuhause zu haben, ist wichtig, denn wenn man nicht weiß, dass man von Liebe umgeben ist, ist man vielleicht unglücklich. Wenn bei mir zuhause Liebe herrscht, verspüre ich Frieden und Ruhe.
Durch Talente Licht verbreiten
Der Feuermessertanz ist für diese Jugendlichen eine schöne Möglichkeit, ihr Licht leuchten und andere an ihrem Talent teilhaben zu lassen. „Ich kann mit meiner Familie auf der ganzen Welt auftreten und meine Talente zum Besten geben. Es macht mich glücklich zu wissen, dass ich die Menschen durch meine Talente erbauen kann“, sagt Nainoa.
Nainoas älterer Bruder Kawiki wird durch den Tanz mit dem Feuermesser immer daran erinnert, dass das Licht die Dunkelheit vertreibt. Er findet, dass er sein Licht ja gerade dadurch weitergibt, dass er seine Talente zum Einsatz bringt.
Joseph erklärt: Wenn wir unser Licht leuchten lassen, leuchten wir für den Vater im Himmel. „Wenn wir etwas von dem geben, was wir haben, ist es nicht nur für uns selbst segensreich oder für diejenigen, die unser Talent sehen, sondern wir preisen damit auch unseren Vater im Himmel.“
Vivian erzählt, dass ihr Opa gern Matthäus 5:16 zitiert, wo es darum geht, unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen. „Mir gefällt diese Schriftstelle, denn man muss ja nicht unbedingt ein guter Feuermessertänzer sein, um das Evangelium zu verbreiten. Man kann in allen möglichen Bereichen gut sein und seine Talente nutzen, um so das Evangelium zu verbreiten.“