Weihnachtsandachten
Güte ist ein Geschenk


12:31

Güte ist ein Geschenk

Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft 2025

Sonntag, 7. Dezember 2025

Meine lieben Brüder und Schwestern, es ist mir eine Ehre, zu Ihnen zu sprechen, wo auch immer Sie sich zu dieser Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft versammelt haben mögen. Wenn wir über die wundersame Geburt Jesu Christi, sein irdisches Wirken, sein herrliches Sühnopfer und seine Auferstehung nachdenken, fühlen wir uns ihm näher. Wir spüren seine Güte, Majestät und Liebe. Ich habe innig darum gebetet, dass meine heutige Botschaft jedem von Ihnen ein wenig helfen möge, in dieser heiligen Weihnachtszeit seine beständige Liebe noch tiefer zu empfinden.

Die Weihnachtszeit ist reich an Traditionen. Auch wenn diese je nach Familie, Kulturkreis und Wohnort ganz unterschiedlich sind, vereinen sie uns doch, wenn wir gemeinsam die Geburt unseres Erretters Jesus Christus feiern.

Ich erinnere mich an eine Tradition, die ich als junger Vater hatte: Brotbacken mit meinen beiden Töchtern. Wenn sie aus der Schule kamen, wartete ich in der Küche bereits mit den Zutaten für ein Vollkornbrot. Die Mädchen halfen beim Anrühren und Kneten des Teigs. Während sie warteten, dass der Teig aufgegangen und gebacken war, schnitzte ich Buchstaben in ein Holzbrettchen, das bereits zugeschnitten war, damit es als Geschenk dienen konnte. In jedes Brettchen schnitzte ich die französischen Worte JʼAime et JʼEspere, was „Ich liebe und ich hoffe“ bedeutet. Wenn das Brot frisch aus dem Ofen kam, brachten wir es samt Brettchen zu einem Bekannten oder einem Nachbarn, der gerade, sei es gesundheitlich oder seelisch, eine schwere Zeit durchmachte.

Als ich über diese Tradition nachsann, dachte ich über das Brotschneidebrett mit den eingeschnitzten Worten „Ich liebe und ich hoffe“ nach. Als lebendiger Zeuge für Jesus Christus verheiße ich Ihnen, dass wir dank ihm seine Liebe immer verspüren und Hoffnung in ihm finden können – ganz gleich, ob unsere Lebensumstände gut oder schlecht sind.

Weil der Erretter bereit war, „unter alles [hinabzufahren]“, wie es sein unbegrenztes Sühnopfer erforderte, machte Jesus Christus uns das vollkommene Geschenk – ein Ausdruck von Liebe und Hoffnung. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Und unser liebevoller Vater im Himmel hat es zugelassen, dass sein einziggezeugter Sohn ein solches Opfer brachte – als höchsten Ausdruck seiner Liebe und als Geschenk an alle seine übrigen Kinder.

Wenn wir über diese ewigen Gaben des Vaters und des Sohnes nachdenken, fragen wir uns vielleicht, wie unsere eigenen Geschenke in dieser Weihnachtszeit unsere Treue und Dankbarkeit ihnen gegenüber angemessen widerspiegeln können. Ich verkünde demütig, dass die vielleicht bedeutungsvollste Art und Weise, dieses edle Ziel zu erreichen, darin zu finden ist, dass wir einfache Geschenke der Güte jenen machen, die wir liebhaben. Wenn wir einander gütig begegnen und einander dienen, so wie der Heiland es täte – und sei es nur mit einer kleinen Geste –, können wir zu einem Kanal göttlicher Gnade werden und helfen damit den Menschen in unserem Umfeld, seine Liebe und Hoffnung zu spüren –JʼAime et JʼEspere!

Ich befasse mich fortwährend mit dem Leben des Herrn Jesus Christus und staune immer wieder über sein unvergleichliches Beispiel an Güte. Sinnen wir gemeinsam einen Moment lang über einige bewegende Begebenheiten und vertraute Worte aus den heiligen Schriften nach:

  • „Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.“

  • „Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

  • „Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

  • „Habt ihr welche unter euch, die krank sind? … Bringt sie her, und ich werde sie heilen, denn ich habe Mitleid mit euch; mein Inneres ist von Barmherzigkeit erfüllt.“

  • „Und er nahm ihre kleinen Kinder, eines nach dem anderen, und segnete sie und betete für sie zum Vater.“

Wenn wir in dieser besonderen Zeit dem Beispiel des Erretters folgen und gütig sind, kann dies auf vielerlei Weise geschehen – durch Dienen, Nächstenliebe, Liebe, Mitgefühl und Vergebung. Präsident Howard W. Hunter hat es einmal so ausgedrückt: „Legen Sie jetzt zu Weihnachten einen Streit bei. Besuchen Sie jemanden, den Sie aus den Augen verloren hatten. Legen Sie den Argwohn ab, und ersetzen Sie ihn durch Vertrauen. Schreiben Sie einen Brief. Geben Sie eine sanfte Antwort. Machen Sie einem Jugendlichen Mut. Beweisen Sie in Wort und Tat Ihre Treue. Halten Sie Ihr Versprechen. Legen Sie Ihren Groll ab. Vergeben Sie einem Feind. Entschuldigen Sie sich. Bemühen Sie sich, verständnisvoll zu sein. Hinterfragen Sie, wie viel Sie von Ihren Mitmenschen erwarten. Denken Sie zuerst an jemand anders. … Seien Sie einfühlsam. Lachen Sie mehr. Verleihen Sie Ihrer Dankbarkeit Ausdruck. Heißen Sie einen Fremden willkommen. Erfreuen Sie einem Kind das Herz. Genießen Sie die Schönheiten und Wunder dieser Erde. Geben Sie Ihrer Liebe Ausdruck – immer wieder.“

Ich weiß, dass der Geist uns auf vielerlei einfache Weise dabei anleiten kann, in dieser Zeit, da unser Herz jubelt, Liebe, Glauben und Freude weiterzugeben.

Zur Weihnachtszeit in meiner Kindheit versammelten wir uns als Familie immer um unser Winkler-Klavier, das heute über hundert Jahre alt wäre. Meine Eltern hatten Armut am eigenen Leib erfahren und lebten daher sparsam. Die Weihnachtsgeschenke, die wir bekamen, waren schlicht. Doch meine Mutter hatte eine wundervolle Sopranstimme. Sie spielte Klavier und stimmte mit uns vertraute Weihnachtslieder und kirchliche Lieder an.

Ich weiß nicht, ob sie uns damit bewusst ein Geschenk machen wollte, das die Jahre überdauern sollte. Aber schon als kleiner Junge empfand ich beim Singen dieser Lieder eine tiefe, unaussprechliche Freude. Die Musik erfüllte unser Häuschen mit einem Geist des Friedens. Ich spürte nicht nur die Liebe meiner Mutter, meines Vaters und meiner beiden Brüder, sondern auch die meines himmlischen Vaters und meines Erretters Jesus Christus.

Meine lieben Brüder und Schwestern, in dieser Weihnachtszeit warten auf jeden von uns Gelegenheiten, mit christlicher Liebe und mit Mitgefühl auf andere zuzugehen, Güte zu zeigen und Gutes zu bewirken. Ich verheiße: Wenn wir gebeterfüllt Herz und Sinn für die Einflüsterungen des Heiligen Geistes öffnen, wird der Herr uns zu jemandem führen, den er vollkommen liebt und der in dieser Weihnachtszeit unsere Güte braucht. Die Güte, die wir schenken, mag schlicht und ganz unspektakulär erscheinen, doch sie kann und wird in vielen Fällen eine bleibende Wirkung entfalten.

Ich möchte mit den Worten eines meiner Lieblings-PV-Lieder schließen:

Liebet einander, wie Jesus euch liebt.

Seid immer freundlich bei dem, was ihr tut.

Im Denken und Handeln seid liebevoll stets:

So hat es uns Jesus gelehrt.

Zu Beginn dieser wunderbaren Weihnachtszeit gebe ich Ihnen mein Zeugnis, dass Jesus Christus Liebe und Hoffnung ist –JʼAime et JʼEspere. Auch wir dürfen mit ihm gemeinsam wirken und seine Liebe und Hoffnung durch selbstlose Taten der Güte weitergeben.

Dies bezeuge ich im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.