„Da strahlt ein Licht mit Macht“
Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft 2025
Sonntag, 7. Dezember 2025
Ich bin zutiefst dankbar, mich mit Ihnen in dieser heiligen Weihnachtszeit über die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, des Erretters aller Menschen, zu freuen!
Heiligabend ist für mich der schönste Abend im Jahr. Wenn die Sonne untergeht, besinne ich mich in Ehrfurcht auf die Geburt des Erretters der Welt. Seit ich denken kann, kommt meine Familie an jedem Heiligabend zusammen, schlägt das Neue Testament auf und liest in Lukas 2 die bekannten Worte:
„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf … in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; … er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.“
Stellen wir uns die junge Frau Maria vor, die zusammen mit ihrem fürsorglichen Mann Josef auf den staubigen Straßen nach Betlehem reist. Sie weiß nicht, wo sie bleiben werden oder wann ihr Sohn geboren wird.
Fügen Sie diesem Bild nun hinzu, was sich auf der anderen Seite der Welt ereignet. Dort, im Land Zarahemla auf dem amerikanischen Kontinent, bangt eine Gruppe Gläubiger. Sie warten standhaft auf das Zeichen der Geburt des Erretters, das Samuel der Lamanit prophezeit hatte: den Tag und die Nacht und den Tag ohne Finsternis. Sollte nämlich das Zeichen nicht geschehen, würden alle Gläubigen hingerichtet werden.
Nephi, ihr Prophet, „beugte sich auf der Erde nieder und schrie mächtig zu seinem Gott für sein Volk. … Und es begab sich: …Die Stimme des Herrn erging an ihn, nämlich: Hebe dein Haupt empor und sei guten Mutes; denn siehe, die Zeit ist nahe, und in dieser Nacht wird das Zeichen gegeben werden, und morgen komme ich in die Welt.“
Jedes Mal, wenn ich diese Verse lese, halte ich inne und staune.
Ich staune darüber, dass Jesus Christus, der auf Weisung des Vaters die Erde erschaffen und im Laufe der Geschichte mit Propheten und rechtschaffenen Söhnen und Töchtern Gottes gesprochen und sie inspiriert hatte, sich bald herablassen würde, um als Säugling auf die Erde zu kommen.
Ich staune auch darüber, dass er, der Erretter der ganzen Menschheit, rechtzeitig in Betlehem geboren wurde, sodass das Zeichen gegeben werden konnte, das die nephitischen Gläubigen in Zarahemla rettete. In den Schriften heißt es: „Denn siehe, als die Sonne unterging, da wurde es nicht finster.“
Können Sie sich vorstellen, was das für die Gläubigen bedeutete, für diejenigen, die sich nach der Erfüllung dieser Prophezeiung gesehnt, dafür gelebt und darum gebetet hatten? Gewiss jubelten sie! Was war das doch für ein machtvolles Zeugnis dafür, dass Jesus Christus auf die Erde gekommen war, um alle zu erretten, die an seinen Namen glauben! Die Sonne war untergegangen, aber der Himmel war von Licht erfüllt.
Der Prophet Abinadi bezeugte: „Er ist das Licht und das Leben der Welt; ja, ein Licht, das endlos ist, das niemals verfinstert werden kann.“ Jesus Christus verkündete: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Im Laufe unseres Lebens wird es Zeiten geben, da die Sonne über unseren Hoffnungen und Träumen untergeht. Die Sonne kann untergehen, wenn wir einen Verlust oder körperliche oder seelische Schwierigkeiten erleben. Aber weil Jesus Christus auf die Erde gekommen und am dritten Tag auferstanden ist, als Sieger über Sünde und Tod, wird die Finsternis nicht andauern, wenn die Sonne untergeht. Wir können sein lebenspendendes Licht suchen und finden.
Der Nachthimmel über den demütigen Hirten war von Licht erfüllt, als der „Engel des Herrn zu ihnen [kam]“ und ihnen die frohe Botschaft verkündete: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ Manchmal können wir dem Licht des Erretters folgen und ihn schnell finden, wenn wir – wie die Hirten – der Weisung vom Himmel eilends nachkommen und selbst von seiner Göttlichkeit erfahren. Auch wir können dann unseres Weges gehen und Gott preisen für alles, was wir gehört und gesehen haben.
Ein andermal fühlen wir uns vielleicht eher wie die Sterndeuter, und die Suche nach ihm dauert Wochen, Monate oder sogar Jahre. Doch wenn wir dem Licht seines Leitsterns folgen, ganz gleich, wie schwach es flackert, kommen wir ihm mit jedem Schritt näher. Und dann können auch wir – wie die Sterndeuter – von großer Freude erfüllt werden, vor ihm niederfallen und ihn anbeten, wenn wir ihm unsere Gaben, nämlich Dankbarkeit und Liebe, darbringen.
Begleiten Sie mich gedanklich zum Weihnachtsabend 2010. Ich möchte Ihnen erzählen, wie das Licht und die Liebe Gottes für mich und meine Familie an zwei heiligen Abenden die Finsternis vertrieben haben.
Ich war in einem Krankenhaus, über 3000 Kilometer von zu Hause entfernt, und wachte bei meinem Mann Bruce, der nach einer erfolgreichen Operation um sein Leben kämpfte. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und seine Ärzte konnte nicht herausfinden, warum. Nachdem ich mit Angehörigen im ganzen Land gebetet und gefastet hatte, ging ich in eine Wohnung, um ein wenig zu schlafen. Mitten in der Nacht hörte eine Krankenschwester, die an Bruceʼ Tür vorbeikam, ihn husten – nur einmal. Ihr kam der Gedanke, einen Test für eine seltene Atemwegserkrankung anzuordnen. Der Test bestätigte ihre Vermutung, und innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Behandlung begann sich sein Gesundheitszustand zu verbessern. Wir wussten, dass das Licht Christi auf dieser Krankenschwester geruht und ihr den Weg zu Bruceʼ Genesung gewiesen hatte. An die Stelle von Finsternis traten Licht und Hoffnung.
Sechs Jahre später, am Weihnachtsabend 2016, war Bruce erneut im Krankenhaus: Seine Genesung von zwei schweren Krankheiten war durch einen weiteren ernsten Rückschlag unterbrochen worden. Innerhalb von 48 Stunden konnten die Ärzte die Ursache diagnostizieren. Sie erklärten uns, wie er diese dritte Krankheit möglicherweise überwinden konnte. Als sie ihre Ausführungen beendet hatten, bat Bruce sie höflich, den Raum zu verlassen, damit wir uns unterhalten konnten. Er sagte mir, der Heilige Geist habe ihm klar und deutlich zugeflüstert, dass die Ärzte nichts tun konnten, um sein Leben zu retten. Er sprach ruhig und vom Geist erfüllt. Zwei Tage später verstarb er friedlich zuhause im Kreis unserer Familie.
Auch wenn diese Weihnachtsabende unterschiedlich ausgingen, sind uns doch beide heilig. Vergossen wir Tränen, verspürten wir tiefen Kummer, Verlust und Einsamkeit? Ja. Verspürten wir auch das Licht der Liebe Gottes? Ja. Als wir uns fühlten, als ginge die Sonne in unserem Leben unter, schenkte er uns Licht und Erkenntnis.
Wenn wir unseren Blick jederzeit auf den Erretter der Welt richten, erleuchtet er uns den Weg zu Hoffnung und Heilung. Wie bei den Gläubigen in Zarahemla wird die Finsternis auch bei uns, wenn die Nacht über uns hereinbricht, nicht andauern, weil der Erretter über Sünde und Tod gesiegt hat.
Mir gefällt die tiefe Bedeutung dieser Worte aus dem Lied „Du kleines Städtchen Bethlehem“: „In die dunklen Gassen, da strahlt ein Licht mit Macht: Der Hoffnung Stern kam mit dem Herrn in dieser heilgen Nacht.“
Brüder und Schwestern, dieses Licht ist der Herr! Ich bezeuge, dass Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, um uns Freude und Hoffnung zu bringen. Sein Licht weist uns den Weg nach Hause. Ich liebe ihn. Ich verehre ihn. „Gott sei gedankt für diese unvergleichliche Gabe, nämlich dafür, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat.“ Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.