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Gott liebt alle Menschen gleichermaßen
Unser Vater im Himmel schätzt und liebt jeden Einzelnen von uns, ob wir nun verheiratet oder alleinstehend sind
Darstellung von Minerva Teichert
Mein ganzes Leben lang hat mir ungeachtet der jeweiligen Lebensumstände ein bestimmter Grundsatz geholfen, glücklich zu sein – die Gewissheit nämlich, dass Gott mich liebt und das Beste für mich möchte. Darauf möchte ich nun näher eingehen.
Als meine beiden Schwestern und ich noch klein waren, haben meine Eltern viel Zeit mit uns Kindern verbracht. Jetzt, wo wir erwachsen sind, gehört das familiäre Zusammensein ebenfalls zu unseren Familientraditionen. Die Zeit, die wir miteinander verbringen, macht Spaß und umfasst jede Menge Familienbräuche – Wettrennen, Spiele, Tortilla-Werfen oder unseren Seifenblasenwettbewerb.
Durch die Zeit mit der Familie gewann ich in meiner Jugend Selbstvertrauen und spürte, dass ich in der Familie wichtig war. Ich konnte merken, dass meine Beiträge erwünscht waren und gebraucht wurden. Kurz nach meiner Rückkehr von Mission änderte sich dies jedoch, denn meine ältere Schwester heiratete ein paar Monate vor meiner Heimkehr.
Ich freute mich für sie und war ganz gespannt darauf, zum ersten Mal einen Bruder zu haben. Mir fiel allerdings auf, dass meine Eltern meine jüngere Schwester und mich nun anders behandelten. Ich hatte das Gefühl, ich würde beiseitegeschoben und wie ein Kind behandelt, weil ich noch nicht verheiratet war. Irgendwann sprach ich meine Eltern auf die Veränderungen in unserer Familie an. Wir kamen zu dem Schluss, dass unsere Lebensumstände nichts mit unserem Wert zu tun haben. Jeder ist in unserer Familie unentbehrlich, und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht, finanzieller Situation, Talenten oder Familienstand.
Mir wurde bewusst, dass der Vater im Himmel jeden von uns liebt und schätzt. Er möchte, dass wir innerhalb der Familie starke Beziehungen aufbauen und pflegen, doch unser Wert hängt nicht von unserer Familie ab. Weil wir geliebte Kinder Gottes und Teil seiner Familie sind, ist unser Wert unbegrenzt und ewig. Jesus Christus hat dies dadurch bewiesen, dass er für jeden von uns sein Leben hingegeben hat (siehe Lehre und Bündnisse 18:10,11).
Elder Alan T. Phillips von den Siebzigern hat uns eindringlich aufgefordert: „Erkennen Sie, wer Sie sind! Erkennen Sie Ihre wahre, göttliche Identität! In Gottes Plan des Glücklichseins geht es um Sie. Sie sind sein kostbares Kind und von großem Wert. Er kennt Sie und er liebt Sie.“
Als im Laufe der Jahre meine Lebenserfahrung zunahm, erkannte ich wohl Beweise für Gottes Liebe zu allen meinen Mitmenschen, aber ich erwartete oder erkannte nicht immer, dass er mich ja ebenso liebt. Ich stellte meinen Wert als Mensch in Frage.
Verdiente ich denn weniger Segnungen?
Im Juli 2008 hatte ich das starke Gefühl, ich solle meine Arbeitsstelle aufgeben, da sie nicht mehr gut für mich war. Ich hatte noch keine neue Stelle, aber ich stand ja noch am Anfang meines Berufslebens, und meine Möglichkeiten schienen daher grenzenlos zu sein. Außerdem war ich aufgrund jener Eingebung zuversichtlich, dass mir der Vater im Himmel helfen werde, die richtige Stelle zu finden.
Wochen später stürzte die Welt in eine Finanzkrise, und die Arbeitslosenzahlen schossen in die Höhe. Wochen und Monate vergingen, und ich geriet in Panik. Ich hörte herzzerreißende Geschichten von Vätern und Müttern, die ihre Arbeit verloren hatten. Ich war Single und hatte niemanden, der auf mich angewiesen war, also fragte ich mich, ob andere wohl eher eine Arbeitsstelle brauchten und verdienten als ich.
Eines Abends trug ich dem Herrn meine Sorge vor. Ich sagte ihm, dass ich eine Arbeit brauchte, um für mich sorgen zu können, aber dass ich auch einsah, dass es Familien gab, die dies noch nötiger hatten. Ich konnte mir regelrecht vorstellen, wie alle Schlange standen, um Segnungen vom Herrn zu empfangen, und weil ich unverheiratet war, wurde wohl von mir erwartet, Familien den Vortritt zu lassen.
Als ich betete, ließ mich der Heilige Geist wissen, dass dies jedoch überhaupt nicht von mir erwartet wurde. Man muss sich nicht anstellen, um zum Vater im Himmel zu kommen. Er lädt alle seine Kinder ein, zu ihm zu kommen, denn „alle sind vor [ihm] gleich“ (2 Nephi 26:33). Mir kam ganz deutlich der Gedanke in den Sinn, dass der Vater im Himmel durch nichts in der Welt eingeschränkt ist und dass er jedem helfen wird, der zu ihm und Jesus Christus kommt.
In diesem Moment wurde mir klar, dass es unter den Kindern des himmlischen Vaters kein Klassensystem gibt. Er segnet uns, wenn wir uns dafür entscheiden, mit ihm und Jesus Christus Bündnisse einzugehen und diese zu halten. Er liebt uns alle, und wir sind ihm wichtig – ganz gleich, wo wir uns auf dem Weg der Bündnisse befinden.
Kurz darauf wurde mir eine Stelle angeboten, die meine Laufbahn auf den Weg brachte, auf dem ich mich beruflich jetzt befinde.
„Wir sind Gott nicht wegen unseres Lebenslaufs wichtig, sondern weil wir seine Kinder sind“, bekräftigte Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel. „Er liebt einen jeden von uns; auch diejenigen, die Fehler haben, abgelehnt werden, unbeholfen, bekümmert oder gebrochen sind.“
Ich versuche, auf Umstände zu achten, mir Gefühle bewusstzumachen und mich an Erlebnisse zu erinnern, die mir in Erinnerung rufen, dass Gott mich liebt. In dieser Welt ist das schwierig, und jeder Tag scheint neue Herausforderungen bereitzuhalten. Wenn ich mich auf Gottes Liebe zu mir konzentriere, kann ich ungeachtet meiner Lebensumstände glücklich sein. Beim Radfahren steuert man in die Richtung, in die man schaut. Ich entscheide mich dafür, mich auf Gottes Liebe zu konzentrieren und mein Leben darauf auszurichten, weil ich weiß, dass ich seine geliebte Tochter bin.