„Bürgerpflichten“, Themen und Fragen, 2023
Überblick
Bürgerpflichten
Die Mitglieder der Kirche schätzen die staatlichen Stellen und die Ordnung, die unter einer guten Regierung herrschen, und sind aus Überzeugung verantwortungsbewusste Bürger des Landes und der Gesellschaft, denen sie angehören. Unter Bürgerpflichten versteht man die Obliegenheit der Mitglieder der Kirche, ihrem Land und ihrem Gemeinwesen gegenüber ihre Pflichten zu erfüllen, und zwar auf gesetzestreue, mit „ihren angeborenen und unveräußerlichen Rechten“ vereinbare Weise.
Staat und Bürger
Regierungen sind von Gott zum Nutzen des Menschen eingerichtet, und er zieht die Menschen für ihr Verhalten in Bezug auf sie zur Rechenschaft, sei es im Erlassen von Gesetzen oder in deren Anwendung zum Wohl und zur Sicherheit der Gesellschaft. Regierungen sind dafür zuständig, Gesetze zu erlassen, die unangetastet bleiben und „jedem Einzelnen die Wahrnehmung seiner Gewissensfreiheit, das Recht auf Eigentum und freie Verfügung darüber und den Schutz des Lebens gewährleisten“. In puncto Religionsfreiheit dürfen Regierungen keine „Regeln für die Gottesverehrung [vorschreiben], um Gewissenszwang auszuüben oder Formen öffentlicher oder privater Gottesverehrung zu diktieren“, und sie dürfen „niemals die Freiheit der Seele unterdrücken“. Ja, die Mitglieder der Kirche glauben daran, dass „Regierungen das Recht haben und verpflichtet sind, Gesetze anzuwenden, die alle Bürger bei der freien Ausübung ihres religiösen Glaubens schützen“.
Wann immer Herrscher und Regierungen ihrer Pflicht zum Schutz dieser Grundrechte nachkommen, segnet sie der Herr. Er hat jedoch wiederholt vor dem Unheil gewarnt, das entsteht, wenn Regierungsverantwortliche diese Rechte nicht schützen. Eine Regierung, die ihre Angelegenheiten durch die „Stimme des Volkes“ regelt, schützt die Rechte ihrer Bürger in der Regel besser, da „es nicht üblich [ist], dass die Stimme des Volkes etwas begehrt, was im Gegensatz zu dem steht, was recht ist“. Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, glaubte an die Stimme des Volkes und sagte: „Selten entscheidet die öffentliche Meinung unmoralisch oder unklug, und wer anderer Meinung ist, sollte sein eigenes Urteil misstrauisch prüfen.“ Mitglieder der Kirche, die Bürger eines Landes sind, das seine „Angelegenheiten durch die Stimme des Volkes“ regelt, tragen als Staatsbürger die besonders ausschlaggebende und heilige Verantwortung, sich für gute und richtige Zwecke starkzumachen, darunter auch für die grundlegende Gewissens- und Religionsfreiheit.
Sittliche Werte und das Ausüben von Bürgerrechten
Die Mitglieder der Kirche sind bestrebt, nach den von Jesus Christus und seinen Dienern gelehrten sittlichen Werten zu leben und in Gesellschaft und Regierung für tragfähige sittliche Werte einzutreten. John Adams, ein weiterer Gründervater der Vereinigten Staaten, erklärte einst: „Unsere Verfassung ist ausschließlich auf ein religiös geprägtes Volk zugeschnitten, das Sitte und Moral hochhält. Für die Regierung eines anderen Volkes ist sie vollkommen ungeeignet.“ Freiheit hängt untrennbar mit unserem sittlichen Verhalten zusammen, und für die Bewahrung von Sitte und Moral sind Gläubige sowie religiöse Institutionen unerlässlich.
Keine Nation – das gilt in heutiger Zeit genauso, wie es früher gegolten hat – kann ohne moralische Grundlage ihre Grundrechte bewahren und die Sicherheit des Volkes schützen. Präsident Thomas S. Monson hat festgestellt: „Ein Verhalten, das einmal als ungehörig und unmoralisch angesehen wurde, wird jetzt nicht nur geduldet, sondern von sehr vielen als akzeptabel betrachtet.“ „Der moralische Kompass der Masse“, verkündete er, „hat sich nach und nach auf die Position ‚fast alles ist erlaubt‘ eingestellt.“ Die sittlichen Entscheidungen des Einzelnen wirken sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Elder Jeffrey R. Holland merkte einst an: „Der Plan des Vaters und das Geschenk seines geliebten Sohnes verleihen dem Menschen im besten Fall sowohl die Fähigkeit als auch das Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungen zu treffen in der Hoffnung … und im Glauben, dass ein freies Volk seine Freiheit nutzen werde, um das Gute dem Bösen, das Richtige dem Falschen, die Tugend dem Laster vorzuziehen.“
Ein guter Staatsbürger engagiert sich
Damit wir als Volk frei sind und in Sicherheit und Frieden leben können, muss sich ein jeder informieren und engagieren. „Das … Glück einer jeden Gesellschaft“, betonte der Prophet Joseph Smith, „hängt eng mit der Erkenntnis zusammen, die sich das Volk zu eigen gemacht hat.“ Wenn die Mitglieder der Kirche beten und sich mit den Themen und Entscheidungen befassen, denen sich Gesellschaften und Nationen heutzutage stellen müssen, können sie beurteilen und erkennen, wie sich bei dem, was von Politikern und Amtsträgern debattiert wird, ewige Grundsätze anwenden lassen.
Den Mitgliedern der Kirche wird ans Herz gelegt, sich zu informieren und sich am gesellschaftlichen und politischen Leben zu beteiligen und sich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten ihres Heimatlandes „für unterstützenswerte Ziele einzusetzen, um ihr unmittelbares Umfeld zu einem angenehmen Ort zu machen, wo man gut leben und Kinder großziehen kann“. Wo immer möglich schließt dies die besondere Verpflichtung ein, nach Führungspersönlichkeiten Ausschau zu halten, die ehrliche, gute und weise Menschen sind, diese zu wählen und im Amt zu unterstützen. Auch wird „den Mitgliedern der Kirche … ans Herz gelegt, sich am politischen Leben aktiv zu beteiligen. In vielen Ländern kann dazu Folgendes gehören: … in einem Amt auf lokaler oder nationaler Ebene dienen, in das man gewählt oder für das man ernannt wurde.“
Darüber hinaus kann ihr Interesse am Gemeinwohl die Mitglieder der Kirche dazu anregen, sich an einer Vielzahl von Aktionen zu beteiligen, die ihrer Nachbarschaft und ihrem Heimatland zugutekommen. Der Erretter zog in der Gegend von Judäa, Samaria und Galiläa umher und tat Gutes. Er kümmerte sich um die Armen und Bedürftigen. Er spendete den Trauernden und Menschen mit einer Behinderung Trost. Er war bei gesellschaftlichen Anlässen und religiösen Feierlichkeiten zugegen. Er pflegte Umgang mit Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft und Kultur und zeigte ihnen Respekt. Er verkehrte mit Würdenträgern und der herrschenden Klasse genauso wie mit denen, die von der Gesellschaft ausgestoßen waren. Ein engagierter und aktiver Bürger könnte heutzutage etwa ehrenamtlich bei einer örtlichen Tafel arbeiten, Blut spenden oder Nachbarschaftstreffen und Veranstaltungen organisieren. Einfache Dienste oder fürsorgliche Taten für die Nachbarn oder für das Gemeinwesen – etwa die ehrenamtliche Beteiligung an Aufräumarbeiten oder Hilfeleistungen in Krankenhaus, Pflegeheim oder Reha-Einrichtung – machen das Umfeld lebenswerter. Jeder, der dazu in der Lage ist, soll bei Wahlen auf nationaler und kommunaler Ebene sein Wahlrecht ausüben und der Aufforderung des Apostels Paulus zur Fürbitte für die Regierungsbeamten nachkommen, nämlich „für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“.
Elder Quentin L. Cook hat erläutert: „Es wird schwer sein, die ganze Gesellschaft zu verändern, aber wir müssen daran arbeiten, die sittliche Kultur in unserer Umgebung zu verbessern. Die Mitglieder der Kirche sollen in jedem Land gute Bürger sein, sich im Gemeinwesen engagieren, sich über alle Themen informieren und zur Wahl gehen.“ Präsident Thomas S. Monson hat uns allen nahegelegt, „in unserem Heimatland ein guter Staatsbürger und an unserem Wohnort ein guter Nachbar [zu] sein, der auf Andersgläubige ebenso zugeht wie auf seine Glaubensbrüder“, und Menschen zu „sein, die in allem, was sie tun, ehrlich und redlich sind“.
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