„Barmherzigkeit“, Themen und Fragen, 2023
Überblick
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit bedeutet, dass jemand mit mehr Mitgefühl behandelt wird, als er verdient. Sie wird durch das Sühnopfer Jesu Christi möglich gemacht. Der Vater im Himmel kennt unsere Schwächen und unsere Sünden. Er erweist uns dadurch Barmherzigkeit, dass er uns unsere Sünden vergibt und uns hilft, in seine Gegenwart zurückzukehren.
Gottes Mitgefühl scheint im Widerspruch zum Gesetz der Gerechtigkeit zu stehen, das verlangt, dass nichts Unreines bei Gott wohnen darf. Doch dank des Sühnopfers Jesu Christi kann Gott „ein vollkommener, gerechter Gott … und auch ein barmherziger Gott“ sein.
Der Erretter erfüllte die Forderungen der Gerechtigkeit, als er an unserer Stelle die Strafe für unsere Sünden litt. Dank dieser selbstlosen Tat kann uns der Vater im Himmel barmherzigerweise die Strafe erlassen und uns wieder in seine Gegenwart bringen. Damit uns der Herr vergeben kann, müssen wir aufrichtig von unseren Sünden umkehren. Der Prophet Alma hat klargestellt: „Die Gerechtigkeit macht alle ihre Forderungen geltend, und die Barmherzigkeit beansprucht auch all das Ihre; und so wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet.“
Vergebung der Sünden ist nicht die einzige barmherzige Gabe, die wir vom Vater im Himmel und von Jesus Christus empfangen. Jede Segnung, die wir erhalten, entspringt der Barmherzigkeit und ist mehr, als wir eigentlich verdienen. Mormon hat gesagt: „Alles, was gut ist, kommt von Christus; sonst wären die Menschen gefallen, und es könnte ihnen nichts Gutes zukommen.“ Wir kommen zum Beispiel in den Genuss der Barmherzigkeit Gottes, wenn der Vater im Himmel unsere Gebete hört und erhört, wenn wir vom Heiligen Geist geführt oder durch die Macht des Priestertums von einer Krankheit geheilt werden. Solche Segnungen beruhen zwar alle auf unserem Gehorsam, doch durch unsere eigenen Anstrengungen allein könnten wie sie nie erlangen. Sie sind barmherzige Gaben unseres liebevollen und mitfühlenden Vaters.
Der Erretter hat seinen Jüngern geboten: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Wir können dem Beispiel des himmlischen Vaters folgen und in zwischenmenschlichen Beziehungen Barmherzigkeit walten lassen. Wir können daran arbeiten, Überheblichkeit, Stolz und Hochmut abzulegen. Wir können uns darum bemühen, unseren Mitmenschen mitfühlend, respektvoll, versöhnlich, freundlich und geduldig zu begegnen – selbst wenn wir ihre Schwächen kennen.