Liahona
Präsident Jeffrey R. Holland: Lehrer, Jünger, Zeuge
Zum Gedenken: Präsident Jeffrey R. Holland


Zum Gedenken

Präsident Jeffrey R. Holland: Lehrer, Jünger, Zeuge

„Jesus Christus, der einziggezeugte Sohn Gottes, litt, starb und stand von den Toten auf, damit er uns, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ergreifen und unseren Fall aufhalten kann und damit er uns mit seiner Macht und durch unseren Gehorsam gegenüber seinen Geboten festhalten und zu ewigem Leben erheben kann.“

Präsident Holland spricht bei einer Versammlung

Foto von Francesco Galiano Abanto

Mit dem Tod von Jeffrey R. Holland, Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, ist die Stimme eines machtvollen Lehrers des Evangeliums und Zeugen des Herrn Jesus Christus verstummt.

Seine inspirierten Worte werden über viele Zeitalter widerhallen. Sie entsprangen seinem beständigen Zeugnis vom Herrn Jesus Christus, das im Himmel aufgezeichnet ist (siehe Lehre und Bündnisse 62:3). Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten werden es vermissen, seine herzlichen, tröstlichen Bekräftigungen göttlicher, ewiger Wahrheiten zu vernehmen und zu spüren.

Präsident Holland schien eine angeborene Befähigung als Lehrer zu haben. Alles, was er sagte oder schrieb, war davon beseelt. In seiner Rolle als Zeuge für Jesus Christus forderte er alle Kinder Gottes – innerhalb und außerhalb der Kirche – beständig dazu auf, das Sühnopfer des Erretters ihr Leben prägen zu lassen und empfänglich für die Liebe Gottes zu sein.

Bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2016 gab er den Mitgliedern der Kirche folgenden Rat:

„Bitte denken Sie … morgen und alle künftigen Tage daran, dass der Herr diejenigen segnet, die sich verbessern wollen, die seine Gebote als notwendig annehmen und sich bemühen, sie zu halten, die christliche Eigenschaften schätzen und nach besten Kräften danach trachten, sich diese anzueignen. Wenn Sie in Ihrem Bemühen stolpern, dann denken Sie daran, dass es uns allen so geht. Der Erlöser hilft Ihnen dabei, weiterzumachen. Wenn Sie fallen, dann flehen Sie ihn um Kraft an. Rufen Sie wie Alma aus: ‚O Jesus, … sei barmherzig zu mir.‘ [Alma 36:18.] Er hilft Ihnen, wieder aufzustehen. Er hilft Ihnen, umzukehren, den Schaden zu beheben, die nötigen Verbesserungen vorzunehmen und weiterzumachen. …

Halten Sie also an der Liebe fest. Bemühen Sie sich weiterhin. Vertrauen Sie weiterhin. Glauben Sie weiterhin. Machen Sie weiterhin Fortschritt. Im Himmel spornt man Sie an – heute, morgen und immerzu.“

In jeder Phase seines Lebens wurde Jeffrey R. Holland vom Herrn für die wichtigen Aufgaben geschult, die er im Reich Gottes übernehmen sollte – ob als Kind, als Jugendlicher oder als junger Mann, der sich für den Lehrerberuf entschied. Diese geistige Schulung wurde noch intensiver, nachdem er durch Offenbarung als einer der besonderen Zeugen des Herrn Jesus Christus (siehe Lehre und Bündnisse 27:12) berufen wurde.

Jeffrey R. Holland als Junge

Ein gehorsamer Junge

Jeffrey Roy Holland wurde am 3. Dezember 1940 im äußersten Südwesten des US-Bundesstaats Utah in St. George geboren, einer damals relativ unbekannten, ländlich geprägten Stadt.

„Ich hatte eine glückliche Kindheit“, sagte er. „Mir wurde so viel Geborgenheit und uneingeschränkte Liebe zuteil, wie es sich ein Kind nur wünschen kann.“

Seine Mutter Alice stammte von zähen Pionieren ab, die die Gegend um St. George mit besiedelt hatten. Sein Vater Frank war die Art Pionier, die man heute als Selfmademan bezeichnen würde. Er engagierte sich in der Kommunalpolitik und gewann großen Einfluss.

Deborah Millett, geb. Holland, erzählt, ihre beiden Brüder Jeff und Dennis hätten von ihrem Vater dessen scharfsinnige und charmante irische Art geerbt. Von ihrer Mutter, ergänzt sie, habe Jeff gelernt, „immer uneigennützig zu geben, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, etwas im Gegenzug hierfür zu erwarten“.

Jeffrey R. Holland mit seinen Eltern und seinem Bruder

Jeffrey R. Holland (im Bild oben mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem älteren Bruder) wurde in St. George in Utah geboren. Seine Scharfsinnigkeit erbte er von seinem Vater und seine Selbstlosigkeit von seiner Mutter.

Seine Mutter beschrieb Jeff als gehorsamen Jungen. „Er ging immer in die Kirche, und er kam stets seinen Priestertumspflichten nach“, erzählte sie.

Einmal gab sie ihm die Erlaubnis, zu einer Party zu gehen. Um spätestens 22 Uhr sollte er wieder zuhause sein. Auf der Party sah er zu vorgerückter Stunde auf die Uhr. Als ihm klar wurde, dass ihm nur noch 15 Minuten Zeit für den Heimweg blieben, rannte er den ganzen Weg, um es pünktlich nach Hause zu schaffen. Er hatte sein Wort gehalten. Dies wurde für ihn zu einer hervorstechenden Charaktereigenschaft.

Jeffrey R. Holland mit einem Basketball

In seiner Jugend drehte sich für Jeff Holland alles um den Sport.

In seiner Jugend drehte sich für Jeff alles um den Sport. 1958 gehörte er sowohl dem American-Football- als auch dem Basketballteam der Dixie High School an und gewann mit beiden die Meisterschaft des Bundesstaats. Auch Baseball und Leichtathletik standen bei ihm auf dem Programm. Später stieg er zum stellvertretenden Spielführer des Basketballteams am Dixie College (der heutigen Utah Tech University) auf und wurde mit seinem Team Ligameister.

Ich musste Lehrer werden, weil Gott das so wollte

Nach dem Schulabschluss wurde er in die Britische Mission berufen. Seine Mission stellte für ihn den großen geistigen Wendepunkt in seinem Leben dar, den Anfang von allem, was seine Sattelfestigkeit im Evangelium anging. Sein zweiter Missionspräsident war Elder Marion D. Hanks von den Siebzigern. „Er lehrte mich, die heiligen Schriften – insbesondere das Buch Mormon – zu schätzen“, erinnerte sich Präsident Holland. „Er hatte einen nachhaltigen Einfluss auf mich.“

Jeffrey R. Holland als Missionar mit anderen Missionaren

Für Präsident Holland (ganz rechts) war sein Dienst in der Britischen Mission der große geistige Wendepunkt in seinem Leben.

Vor seiner Mission wollte Präsident Holland unbedingt Arzt werden. „Aber als ich von Mission zurückkam“, erzählte er, „glaubte ich fest daran, dass ich Lehrer werden musste, weil Gott das so wollte.“

Viele Jahre später wurde Elder Holland ins Kollegium der Zwölf Apostel berufen. Für seinen Bruder Dennis kam die Berufung nicht überraschend. „Jeff hat sich niemals etwas anderes gewünscht, als Schülern in einem Klassenzimmer das Evangelium nahezubringen“, erzählte er. „Ich habe immer gewusst, dass der Herr dasselbe Ziel mit ihm verfolgte, aber die Größe des Klassenzimmers und die Anzahl der Schüler sollten viel größer ausfallen, als er sich das damals vorgestellt hatte.“

Jeffrey Holland und Patricia Holland in jungen Jahren

Die richtige Gefährtin

Jeff lernte Patricia Terry durch den Sport kennen. Sie besuchte dieselbe Schule und war Cheerleaderin. Sie gingen während der letzten beiden Schuljahre miteinander aus und nahmen die Beziehung nach seiner Mission wieder auf.

Jeffrey Holland und Patricia Terry wurden am 7. Juni 1963 im Tempel in St. George getraut. Patricias Glaube, ihre Geistigkeit und ihre große Nächstenliebe zählten für ihn stets zu den festigenden Einflüssen in seinem Leben. „Sie hatte einen reineren, machtvolleren und stärkeren Glauben als irgendjemand sonst, den ich kannte“, sagte er.

Anderen fiel auf, wie wunderbar sich die geistige Stärke der beiden ergänzte.

Jeffrey und Patricia Holland

Für Präsident Holland zählten der Glaube, die Geistigkeit und die Nächstenliebe seiner Frau Patricia zu den festigenden Einflüssen in seinem Leben.

Präsident James E. Faust (1920–2007), Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, stand ihm sehr nah. Er bescheinigte Präsident Holland einmal „tiefe Geistigkeit gepaart mit außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen“. Dies ermögliche ihm zu sehen oder zu spüren, was andere vielleicht nicht wahrnehmen. Präsident Holland baue seine Mitmenschen stets auf, richte sie auf und ziehe sie zu sich. „Er hat die wunderbare Fähigkeit, jedem das Gefühl zu geben, sein allerbester Freund zu sein.“

Präsident Faust fügte noch an: „Elder Holland gibt es nur im Doppelpack. Seine Frau ist genau die richtige Gefährtin für ihn. Sie sind ein vorbildliches Ehepaar.“

Als Jeff Holland 1965 kurz vor seinem Abschluss an der Brigham-Young-Universität stand, wurde ihm angeboten, im Jahr darauf halbtags an der Universität zu unterrichten und gleichzeitig an seinem Master zu arbeiten. Nach einem Jahr Unterrichtserfahrung nahm er eine Stelle beim Bildungswesen der Kirche (CES) als Institutslehrer im Raum Hayward in Kalifornien an. Wieder ein Jahr später wurde er zum Institutsdirektor in Seattle im US-Bundesstaat Washington ernannt. Dort motivierte er erfolgreich junge Menschen für das Institutsprogramm.

Im Verlauf seiner Lehrtätigkeit wurde ihm schnell klar, dass eine langfristige Tätigkeit als Pädagoge nur über eine Promotion möglich sein würde. Daraufhin zog Familie Holland nach New Haven im Bundesstaat Connecticut, und Jeff schrieb sich an der Yale-Universität ein. In späteren Jahren berichtete er oft von Lebenserfahrungen und Erkenntnissen, die er dort gewonnen hatte – und die meisten davon waren nicht akademischer Natur. Als der meisterhafte Pädagoge und inspirierte Lehrer, der er war, zeigte er anhand dieser Lebenserfahrungen und Erkenntnisse Evangeliumsgrundsätze auf.

In einer Ansprache bei der Herbst-Generalkonferenz 1999 dachte Präsident Holland an den mühsamen Beginn jener Reise nach Connecticut 30 Jahre zuvor zurück. Beinahe mittellos war Familie Holland in St. George damals mit den zwei kleinen Kindern – eines davon erst drei Monate alt – in ihr altes Auto gestiegen, ihr gesamtes Hab und Gut in einem kleinen Anhänger hinter sich. Zwei Mal hintereinander blieb das Auto an haargenau der gleichen Stelle, gut 50 Kilometer hinter St. George, stehen. Zwei Mal musste er zu Fuß in eine nahegelegene Stadt gehen und Hilfe holen, bis er schließlich erkennen musste, dass die Reise nicht mit diesem Auto stattfinden würde.

Rückblickend stellte sich Präsident Holland vor, was er seinem entmutigten jüngeren Ich, das mit hängenden Schultern den Highway entlangtrottete, vielleicht hätte zurufen können: „Gib nicht auf. … Bemüh dich. Es wird Hilfe kommen, es wird Glück geben. … Alles wird am Ende gut. Vertraue Gott und glaub an das Gute, was noch kommt.“

All jenen, die sich abmühen, die sich Hilfe vom Herrn oder seinen Segen erbitten und sich fragen, ob sie beides wohl jemals empfangen werden, versicherte er dann: „Manche Segnungen kommen bald, manche spät und manche gar erst im Himmel, aber sie kommen zu einem jeden, der das Evangelium Jesu Christi annimmt. Davon kann ich selbst Zeugnis geben.“

Präsident Holland betrachtete die Zeit, die er mit seiner Frau an der Yale-Universität verbrachte, in akademischer wie auch in kirchlicher Hinsicht als eine Phase intensiven Lernens. Schon bald nach ihrer Ankunft in Neuengland wurde er in eine Pfahlpräsidentschaft berufen. Pat war zuvor in ihrer Studentengemeinde FHV-Präsidentin gewesen. Die gleiche Berufung erhielt sie nun in der neuen Gemeinde. Was Jeffrey in dieser Zeit lernte, sollte ihm später von großem Nutzen sein, denn er wurde noch in zwei weitere Pfahlpräsidentschaften und dann als Regionalrepräsentant berufen.

„Was ich dort eigentlich erhielt, war eine Ausbildung in Führung und Verwaltung der Kirche“, erzählte er.

Die BYU – ein Ort, den er liebgewonnen hatte

1972 kehrte Familie Holland nach Utah zurück. Jeffrey wurde als Leiter der neu ins Leben gerufenen Gemeinschaftlichen Fortbildungsvereinigung für Träger des Melchisedekischen Priestertums berufen. Dort arbeitete er eng mit Elder James E. Faust und Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf Apostel sowie mit Elder Hanks zusammen. 1974 wurde Bruder Holland zum Dekan der Fakultät für Religionsunterricht an der Brigham-Young-Universität ernannt. Zwei Jahre später wurde er Bildungsbeauftragter der Kirche. 1980 beauftragte man ihn, in dieser Funktion ein Auswahlkomitee zu leiten, das einen Nachfolger für Dallin H. Oaks bestimmen sollte, den damaligen Präsidenten der BYU.

Einige Tage darauf hatte Bruder Holland einen Termin bei der Ersten Präsidentschaft. Er nahm an, dieser Termin hänge mit seiner Tätigkeit in diesem Komitee zusammen. Er war verblüfft, als er erfuhr, dass er Präsident Oaks als Präsident der BYU nachfolgen sollte.

Die Universität war „ein Ort, den ich liebgewonnen hatte“, äußerte sich Präsident Holland später. Die BYU habe sein Leben stark beeinflusst, und er habe dort immer einen guten Geist gespürt.

Präsident Holland sitzt am Schreibtisch

Präsident Holland, kurz nachdem er 1980 zum Präsidenten der BYU ernannt worden war. Er schrieb die eigentliche Stärke der Universität den Menschen dort zu.

Der Lehrkörper, die Mitarbeiter und die Studenten schlossen das Ehepaar Holland schnell ins Herz. Schwester Holland brachte viel Erfahrung im Evangelium mit und strahlte große Nächstenliebe aus. Dies erwies sich in den Jahren, in denen das Ehepaar Holland als Team an der BYU war, als große Hilfe. Auf dem Campus sprach man liebevoll von der „Jeff-und-Pat-Show“, wenn die beiden jedes Jahr zum Vorlesungsauftakt von Herzen kommende und fundierte geistige Ratschläge erteilten, die viele nachhaltig beeinflusst haben. Einige dieser Ansprachen an der BYU wurden zu Meilensteinen in Präsident Hollands umfangreichem Wirken als Evangeliumslehrer.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Präsident der BYU sprach er in einem Interview davon, wie viele wunderbare Facetten er an dieser Universität entdecke, die man wie einen kostbaren Edelstein schleifen könne. Er merkte jedoch an, der Feinschliff müsse mit dem Ziel vor Augen erfolgen, an breiter Front Vortreffliches zu leisten. Sittliche Vortrefflichkeit, so Präsident Holland, müsse ein integraler Bestandteil von Erziehung und Bildung sein. Vielleicht kann kein Universitätspräsident sonst behaupten, zum Leitbild seiner Uni habe gehört, zur „Erhöhung und zum ewigen Leben aller beizutragen, die hierherkommen“. Jahre später merkte er an, ihre eigentliche Stärke schöpfe die BYU weniger aus den ausgezeichneten Anlagen, ihrem akademischen Format oder aus dem Hochschulsport, sondern vielmehr aus den Menschen dort.

Als Präsident der BYU erlebte Jeffrey Holland Prüfungen und Herausforderungen. Er war das Aushängeschild einer Spendenkampagne über 100 Millionen Dollar für die Universität und somit häufiges Ziel von Verunglimpfungen und Kritik seitens der Gegner des Jerusalem-Zentrums der BYU, das in der zweiten Hälfte der 80er Jahre errichtet wurde. Doch das Projekt sorgte auch dafür, dass er sowohl mit Präsident Howard W. Hunter (1907–1995), seinerzeit Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, als auch wiederum mit Elder Faust „eng zusammenarbeitete“ und sich ihnen „liebevoll verbunden“ fühlte. Die sich ihm dadurch eröffnenden Möglichkeiten, auf geistiger Ebene dazuzulernen, waren von unschätzbarem Wert.

Foto der Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel

„Es kann gewiss keinen höheren Zweck oder größeren Vorzug geben als den, ein besonderer Zeuge des Namens Christi in aller Welt zu sein“, sagte Präsident Holland über seine Berufung ins Kollegium der Zwölf Apostel im Jahr 1994.

Berufung als Apostel

Schließlich wurde es für Jeffrey Holland Zeit, aus seinem Dienst als Präsident der BYU entlassen zu werden. Am 1. April 1989 wurde er in das Erste Kollegium der Siebziger berufen. Fünf Jahre darauf, am 23. Juni 1994, erhielt er die Berufung ins Kollegium der Zwölf Apostel. Diese Berufung hinterließ in ihm ein Gefühl tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit.

Bei der Herbst-Generalkonferenz 1994 sagte er: „Meine größte Begeisterung und die freudigste aller Vorstellungen besteht zweifellos darin, dass ich – wie Nephi sagt – von Christus reden, mich über Christus freuen, von Christus predigen und von Christus prophezeien darf (siehe 2 Nephi 25:26), und zwar wo immer ich bin und mit wem ich auch zusammen sein mag, bis mir der letzte Lebenshauch entwichen ist. Es kann gewiss keinen höheren Zweck oder größeren Vorzug geben als den, ein besonderer Zeuge des Namens Christi in aller Welt zu sein (siehe Lehre und Bündnisse 107:23).“

Seiner neuen Berufung hatte Präsident Holland einige Lernerfahrungen zu verdanken. Eine davon bestand in einer einzigartigen Aufgabe, die er zeitgleich mit Präsident Dallin H. Oaks erhielt.

Im August 2002 trug der damalige Elder Holland sein Zeugnis als Apostel im Sonderauftrag der Ersten Präsidentschaft nach Chile, um dort zwei Jahre lang führend und schulend tätig zu sein. Zur selben Zeit erfüllte der damalige Elder Oaks den gleichen Auftrag in den Philippinen.

„Elder Hollands Hauptanliegen bestand darin, beispielhaft zu zeigen, wie man auf die Weise des Herrn führt“, heißt es in einem Geschichtsbericht über diese Zeit. „Er half bei der Schulung neu berufener Führer und beaufsichtigte die Umstrukturierung, Schließung und Zusammenlegung hunderter Gemeinden und dutzender Pfähle. Diese Umstrukturierungen und Schulungen waren erforderlich, weil die Kirche in Chile so rapide wuchs. Unter seiner Führung wurden die Einheiten gestärkt und die Kirche in Chile wurde auf die Zukunft vorbereitet.“

Er knüpfte für die Kirche auch einige wichtige Kontakte, indem er sich mit ranghohen Vertretern des chilenischen Staates anfreundete, unter anderem mit dem Staatspräsidenten und dessen Frau. Gemeinsam mit ihnen führte die Kirche humanitäre Hilfsprojekte durch. Als sein Auftrag in Chile sich dem Ende zuneigte, fiel ihm der Abschied schwer.

„Dieser Augenblick – diese Konferenz – ist sehr schwierig für mich“, leitete er seine Abschiedsrede auf einer Regionalkonferenz am 11. Juli 2004 ein. Auf Spanisch – mit dieser Sprache hatte er sich zwei Jahre lang abgemüht – gestand er den chilenischen Mitgliedern der Kirche: „Mir war nicht klar, dass ich Sie so sehr ins Herz schließen würde. … Sie werden dort stets einen Platz haben.“

Dann erzählte er den Mitgliedern mithilfe eines Dolmetschers auf Englisch von seiner Vision für die Zukunft der Kirche in diesem Land, und zwar „nicht als Besucher“, wie er betonte, denn „ich bin Chilene“. Er sprach von dem „Wunder“, das sich „in den Familien“ im Chile der Zukunft zutragen werde – eine Zukunft, die von geistiger Stärke geprägt sei, vorausgesetzt, rechtschaffene chilenische Priestertumsträger, Schwestern und Jugendliche richteten sich stets an den Grundsätzen des Evangeliums aus.

„Wir sind nicht für uns selbst in der Kirche“, betonte er zudem. „Wir sind für diejenigen hier, die nach uns kommen.“

Jeffrey R. Hollands Familie

„Papa war am glücklichsten, wenn er zuhause bei seiner Familie war“, erinnert sich Matthew Holland.

Familienleben

Präsident Holland war ein lebhafter, positiv eingestellter, offener Mensch. Das zeigte sich in allem, was er tat. Dennoch ist es ihm gelungen, seine Familie weitestgehend aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Geschichten und Äußerungen, die von seinen Kinder stammen, legen nahe, dass er auch im familiären Umfeld als Lehrer sehr versiert war.

Das Ehepaar Holland bekam drei Kinder: Matthew, Mary Alice (verh. McCann) und David. Alle waren bereits erwachsen, als ihr Vater zum Apostel berufen wurde. Mary Alice und David erinnern sich daran, dass ihr Vater stets bereit war, für seine heranwachsenden Kinder Opfer zu bringen. Mary Alice meint, er habe immer sorgfältig darauf geachtet, dass ihr die Vater-Tochter-Unternehmungen gefielen, auch wenn sie ihm selbst nicht so sehr zusagten. David erinnert sich, dass sein Vater einmal trotz seines vollen Terminkalenders mehrere Tage freinahm, um mit seinem Jüngsten allein zu verreisen.

Bei der Unterweisung in der Familie schöpfte er immer aus seiner Erkenntnis und seinem Zeugnis vom Vater im Himmel und von dessen Plan.

Matthew erzählt von einem Erlebnis, das er einmal mit seinem Vater hatte und das ihm gezeigt habe, was Offenbarung bedeutet. Bei einem Ausflug seien sie auf dem Heimweg gewesen und hatten sich auf einer abgelegenen Landstraße verirrt. Es dämmerte bereits, als sie an eine Weggabelung kamen. Sie wussten nicht mehr, welcher Weg der richtige war. Präsident Holland schlug vor, sein Sohn solle ein Gebet sprechen. Anschließend fragte er Matt, welchen Weg sie seiner Meinung nach einschlagen sollten. Matt gab zur Antwort, sie sollten nach links fahren. Präsident Holland erwiderte, dass er ebenso empfand.

Also fuhren sie in die vereinbarte Richtung. Zehn Minuten später kamen sie zu einer Sackgasse und mussten zurück zur Gabelung; dort bogen sie diesmal dann nach rechts ab. Matt dachte darüber nach und fragte seinen Vater, warum der Herr ihnen eine Antwort gegeben hatte, die sie in die falsche Richtung schickte. Sein Vater antwortete, dies sei vielleicht die schnellste Methode gewesen, wie der Herr ihnen zeigen konnte, welcher Weg der falsche ist. Der zweite Weg war ihnen zwar unbekannt, aber sie konnten ihn zuversichtlich nehmen, weil sie ja wussten, dass es der richtige war.

Zu Matts liebsten Erinnerungen gehören die gemeinsamen Abendessen als Familie.

„Jeder Abend war wie ein Familienabend. Es wurde viel gelacht, es gab Lob, Aufmunterung, interessante Gespräche, Zeugnisse, Unterweisung. Wir zeigten, dass wir einander liebhaben“, berichtet er. „Wir wussten immer: Papa war am glücklichsten, wenn er zuhause bei seiner Familie war.“

Schwester Holland verstarb am 20. Juli 2023, was für Präsident Holland und seine Familie natürlich ein Grund zu großer Trauer war. Bei ihrer Beerdigung bezeichnete Präsident Holland sie als die großartigste Frau, die er je gekannt habe. Er fügte hinzu: „Sie verkörperte alles, was man sich von einer Gefährtin in dieser Welt nur erhoffen kann, und ich danke Gott, dass wir im nächsten Leben zusammen sein werden.“

Präsident Holland mit einer Gruppe Missionarinnen

Präsident Holland hatte die besondere Gabe, Menschen jeden Alters aufzurichten, zu stärken und sich mit ihnen anzufreunden.

Sein Zeugnis als Apostel

Unter den Mitgliedern der Kirche werden die Ansprachen, die Präsident Holland als Generalautorität hielt, als sehr warmherzig empfunden und erfreuen sich großer Beliebtheit. Jede einzelne ist von seinem festen Zeugnis vom Sühnopfer Jesu Christi und von der Liebe des Erretters durchdrungen.

Das „Vertrauen auf die barmherzige Natur Gottes ist der Mittelpunkt des Evangeliums, das Christus lehrte“, war er überzeugt. „Ich bezeuge, dass das Sühnopfer des Erretters uns nicht nur von der Last unserer Sünden befreit, sondern auch von der Last, die wir aufgrund von Enttäuschung und Leid, Kummer und Verzweiflung tragen.“

Bei anderer Gelegenheit riet er: „Mögen wir uns … fest entschließen, mit größerer Vollkommenheit Jünger des Herrn Jesus Christus zu sein; nicht nur in Worten und nicht nur in behaglichen Zeiten, sondern auch in Taten und mit Mut und Glauben, auch dann, wenn der Pfad einsam und unser Kreuz nur schwer zu tragen ist.“

Auch bezeugte er: „Unsere einzige Hoffnung auf wahre Vollkommenheit ist, dass wir sie als Geschenk vom Himmel empfangen. Wir können sie nicht ‚verdienen‘. Die Gnade Christi bietet uns also nicht nur die Befreiung von Leid und Sünde und Tod, sondern auch die Befreiung von unserer ständigen Selbstkritik.“

Präsident Hollands Absicht war stets, seinen Zuhörern die zentrale Rolle zu verdeutlichen, die der Erretter im Plan des Vaters einnimmt: „Wenn wir Jesus – seinen Namen, seine Lehre, sein Beispiel, seine Göttlichkeit – in den Mittelpunkt unserer Gottesverehrung stellen, untermauern wir die großartige Wahrheit, die Alma einst verkündete: ‚Es gibt vieles, was kommen wird; [doch] siehe, eines ist wichtiger als alles andere – [der Erlöser, der] lebt und zu seinem Volk kommt‘ [Alma 7:7].“

Präsident Holland mit einem Jungen

Sein Zeugnis von Jesus Christus war untrennbar mit seinem Zeugnis vom Propheten Joseph Smith und vom Buch Mormon verbunden. Die Macht dieses Buches hat seine Lehren und sein Leben geprägt:

„In [meiner] Rolle als Zeuge verkünde ich gerne, dass ich die geistigen Erlebnisse und heiligen Bestätigungen, die ich im Hinblick auf den Erretter und seine wiederhergestellte Kirche empfangen habe, erstmals verspürte, als ich als junger Mann das Buch Mormon las. …

Die Wahrheit des Buches Mormon – seines Ursprungs, seiner Lehren und der Umstände seines Hervorkommens – ist von zentraler Bedeutung für die Wahrheit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. …

Das Buch Mormon bestätigt unsere wichtigere und tiefergehende Überzeugung, dass Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes, der Erretter und Erlöser der Welt.“

Präsident Jeffrey R. Hollands Stimme ist nun verstummt. Doch alle, die jemals sein Zeugnis vom Herrn und Erretter Jesus Christus gehört oder gelesen haben, werden es nie vergessen – genauso gilt dies für seine eindringlichen Ansprachen.

Anmerkungen

  1. Jeffrey R. Holland, „Wo Lieb, Gerechtigkeit und Gnad aufeinandertreffen“, Liahona, Mai 2015, S. 106

  2. Jeffrey R. Holland, „Morgen wird der Herr mitten unter euch Wunder tun“, Liahona, Mai 2016, S. 126f.

  3. Zitiert in Don L. Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, Ensign, Dezember 1994, S. 10

  4. Zitiert in „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, News of the Church, Ensign, August 1994, S. 74

  5. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 10

  6. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 10

  7. Siehe Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 10

  8. Siehe Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 11

  9. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 12

  10. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 12

  11. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 15

  12. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 12

  13. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 10

  14. Siehe Jeffrey R. Holland, „Ein Hohepriester der künftigen Güter“, Liahona, Januar 2000, S. 45

  15. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 12

  16. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 14

  17. Siehe Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 14. Zwei der 15 Bücher von Präsident Holland hat er gemeinsam mit seiner Frau verfasst.

  18. Zitiert in „Holland Looks Ahead, Steers BYU of ʼ80s by Star of Excellence“, Y News, Newsletter für Lehrkörper und Mitarbeiter, Brigham-Young-Universität, 8. September 1981

  19. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 15

  20. Jeffrey R. Holland, „Miracles of the Restoration“, Ensign, November 1994, S. 31

  21. Néstor Curbelo, „Conversion and Change in Chile“, Ensign, Oktober 2014, S. 54

  22. „Conferencia Regional Area Chile: Elder Jeffrey R. Holland Se Despide de Chile“, 10. und 11. Juli 2004, Tonaufnahme, Historisches Archiv der Kirche, Salt Lake City

  23. Siehe Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 13

  24. Zitiert in Searle, „Elder Jeffrey R. Holland of the Quorum of the Twelve Apostles“, S. 15

  25. Jeffrey R. Holland, in: „Sister Patricia T. Holland Remembered as ‚an Elect Lady‘ during Funeral Services“, 28. Juli 2023, newsroom.ChurchofJesusChrist.org

  26. Jeffrey R. Holland, „Was zerbrochen ist, soll repariert werden“, Liahona, Mai 2006, S. 71

  27. Jeffrey R. Holland, „Niemand war bei ihm“, Liahona, Mai 2009, S. 88

  28. Jeffrey R. Holland, „‚Ihr sollt also vollkommen sein‘ – eines Tages“, Liahona, November 2017, S. 41

  29. Jeffrey R. Holland, „Die Botschaft, die Bedeutung und die Menschenmenge“, Liahona, November 2019, S. 7

  30. Jeffrey R. Holland, Christ and the New Covenant, 1997, S. 343, 345f.