Liahona
Im Graben gefangen
Liahona, Februar 2026


„Im Graben gefangen“, Liahona, Februar 2026

Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Im Graben gefangen

Das Fohlen wollte unter keinen Umständen zu seiner Mutter hin, doch dann geschah etwas Bemerkenswertes.

Darstellung eines Mannes, der ein Fohlen streichelt

Illustration von David Green

Als ich vor einigen Jahren in Arizona südlich von Casa Grande als Berater auf einer Farm arbeitete, sah ich mitten auf einem Luzernenfeld eine Stute stehen.

„Hier sollten eigentlich keine Pferde sein“, dachte ich mir. Beim Näherkommen entdeckte ich ein Fohlen, das neben dem Feld in einem betonierten Bewässerungsgraben feststeckte. Das Fohlen war wohl erst ein, zwei Tage alt – zu klein, um selber aus dem Graben zu springen. Es saß in der Falle.

Als ich mich ihm näherte, wurde die Stute auf dem Feld nervös. Ich sprang in den trockenen Graben, sprach sanft mit dem Fohlen, streichelte es, hob es hoch und stellte es auf die Böschung.

Doch anstatt zu seiner Mutter zu laufen, sprang es zurück in den Graben. Ich nahm es am rechten Hinterbein, hob es wieder aus dem Graben und schob es Richtung Muttertier. Doch flugs drehte es sich wieder um und wollte in den Graben hinein.

Ich hob es ein drittes Mal hoch und redete wiederum sanft auf es ein, während ich es zu seiner Mutter trug. Als mich umdrehte und schon im Begriff war, wegzugehen, lief es mir hinterher!

„Nein“, sagte ich und schob es auf seine Mutter zu, „du musst zu deiner Mutter zurück.“

Da geschah etwas Bemerkenswertes. Das Muttertier wieherte. Das Fohlen erkannte die Stimme und rannte sogleich auf die Stute zu. Dann galoppierten die beiden aus dem Feld hinaus Richtung Wüste.

Als ich über dieses Erlebnis nachsann, fragte ich mich, wie viele von uns schon mal in einen Graben gefallen sind, aus dem wir nicht mehr herauskommen konnten oder in den wir immer wieder zurückfielen. Vielleicht ist unser Graben eine Sünde, eine Sucht oder Zweifel.

Präsident Russell M. Nelson hat uns aufgefordert: „Wir sollen die Worte des Herrn hören, auf sie horchen und dann befolgen, was er uns gesagt hat!“ Er erklärte weiter, dass wir in den heiligen Schriften, im Tempel, in den Worten der neuzeitlichen Propheten und Apostel und in den Einflüsterungen des Heiligen Geistes die Stimme des Herrn vernehmen.

Das Fohlen wurde gerettet, als seine Mutter nach ihm rief. Es erkannte ihre Stimme und folgte ihr.

Der gute Hirte ruft nach uns. Wenn wir auf seine Stimme hören und ihm nachfolgen (siehe Alma 5:37,41), richtet er uns auf, wenn wir hinfallen, heilt uns und führt uns nach Hause.

Anmerkung

  1. Siehe Russell M. Nelson, „Ihn höre!“, Liahona, Mai 2020, S. 89f.