2025
Selbstbeherrschung – ein Kreislauf von Versuch und Misserfolg
August 2025


Selbstbeherrschung – ein Kreislauf von Versuch und Misserfolg

Hatten Sie schon mal Probleme damit, mit etwas anzufangen – oder aufzuhören –, obwohl Sie es sich eigentlich fest vorgenommen hatten? Hier sind fünf Tipps, wie man mehr Selbstbeherrschung entwickelt.

Darstellung unseres Fortschritts

„Ach Mensch, jetzt ist mir das schon wieder passiert!“

Haben Sie sich das schon mal gesagt, nachdem Sie das Stück Kuchen gefuttert haben, das Sie auf keinen Fall anrühren wollten? Oder als Sie immer noch im Internet gesurft haben, obwohl Sie doch längst schlafen wollten? Oder nachdem Sie wieder mal ausgerastet sind, obwohl Sie dachten, Sie hätten Ihre Gefühle doch unter Kontrolle? Wahrscheinlich haben wir alle – auch wenn wir wirklich von einer Sache loskommen wollen – ein Problem damit, etwas bleibenzulassen.

Selbstbeherrschung ist jedenfalls einer der Teilbereiche der Nachfolge Christi. Im Buch Mormon riet Alma seinem Sohn Schiblon, er solle alle seine Leidenschaften zügeln, damit er von Liebe erfüllt sei (siehe Alma 38:12). So wie das Zaumzeug die Kraft eines Pferdes bändigt, hilft uns das Beherrschen unserer Emotionen und Leidenschaften, in reicherem Maß den Geist mit uns zu haben.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, sich Selbstbeherrschung anzueignen. Oftmals wiederholt sich erst mal der Kreislauf von Versuch und Misserfolg, bis wir es endlich schaffen. Hier sind jedoch einige Tipps, die beim Bemühen um mehr Selbstbeherrschung helfen können.

Den Blick auf den Erretter richten

Auch wenn wir eigentlich unser Bestes geben möchten, machen wir Fehler. Das geht jedem so. Wenn das passiert, verliert man vielleicht den Mut und fragt sich, ob man die Sache denn wirklich jemals hinkriegt. Elder Michael A. Dunn von den Siebzigern sagt, dass einem das Leben zuweilen so vorkommt, „als ginge man ein Prozent vorwärts und zwei Prozent rückwärts“.

Aber der Erretter bittet uns liebevoll, es immer weiter zu versuchen. Er macht uns stark und steht uns bei. Er verändert uns Herz und Leben. Und da wir durch Bündnisse mit ihm verbunden sind, haben wir mehr Zugang zu seiner Macht. „Wenn wir jedoch in unserer Entschlossenheit, diese Ein-Prozent-Steigerung zu erkämpfen, nicht nachlassen, wird er, der ‚unsere Schmerzen auf sich geladen‘ hat [Jesaja 53:4], ganz sicher auch uns tragen.“

Nicht den Mut verlieren

Ich möchte das anhand einer Geschichte veranschaulichen. Eine Familie hat einen gemeinsamen Ausflug geplant. Alle freuen sich darauf, ein neues Ziel zu erkunden und tolle Abenteuer zu erleben.

Etwa auf halber Strecke haben sie eine Autopanne. Alle sind nun traurig und mutlos. Sie haben das Gefühl, alle ihre Bemühungen seien umsonst gewesen, und beschließen, nach Hause zurückzukehren und den Ausflug ganz von Anfang an neu anzugehen.

Jetzt sagen Sie vielleicht, das sei doch lächerlich – warum sollten sie wieder ganz von vorne anfangen? Aber sind wir nicht manchmal genauso? Wir lassen uns entmutigen oder meinen fälschlicherweise, ein kleiner Fehler mache allen Fortschritt zunichte, den wir bereits verbuchen konnten. Aber Fehler löschen keineswegs den Fortschritt aus, den wir bereits bei unserem Bemühen gemacht haben, mehr wie Jesus Christus zu werden. Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt: „Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist gestorben, damit uns unsere Fehler nicht zur Verdammnis führen und unseren Fortschritt für immer aufhalten. Dank ihm können wir umkehren, und unsere Fehler können Trittsteine zu größerer Herrlichkeit werden.“ Wir müssen Geduld mit uns selbst haben und dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.

Kleine Ziele setzen

Es gibt Zeiten, da sehen wir nichts anderes, als dass wir wiederum versagen. Wir fragen uns, ob wir denn jemals den Grad an Selbstbeherrschung erreichen, der uns vorschwebt. Vielleicht erwarten wir in diesem Fall jedoch zu viel von uns (siehe Mosia 4:27).

Das bedeutet nicht, dass wir unsere Bemühungen um Selbstbeherrschung aufgeben sollten, sondern dass wir uns auf das konzentrieren sollen, was wir momentan erreichen können. Präsident M. Russell Ballard (1928–2023) rät uns: „Setzt euch kurzfristige Ziele, die ihr erreichen könnt. Setzt euch wohlausgewogene Ziele – nicht zu viele und nicht zu wenige, nicht zu hohe und nicht zu niedrige. … Betet, dass der Herr euch führt, wenn ihr euch Ziele setzt.“

Wenn wir uns nur auf den nächsten Schritt – statt gleich auf die Ziellinie – konzentrieren und ein kleines Zwischenziel nach dem anderen erreichen, stellen wir mit der Zeit fest, wie erstaunlich viel unseres Weges wir insgesamt bereits geschafft haben.

Sich gesunde Bewältigungsstrategien zu eigen machen

Manchmal betäuben wir Gefühle dadurch, dass wir etwas tun, was in uns ein anderes Gefühl wachruft. Wenn ich zum Beispiel sehr gestresst bin, futtere ich „Nervennahrung“. Aber manchmal kann so ein Verhalten zu einer schlechten Gewohnheit führen, die man nur schwer wieder loswird.

Es ist hilfreich, darüber nachzudenken, ob hier wiederkehrende Verhaltensmuster vorliegen, und diese zu durchschauen. Wenn ich mir angewöhnt habe, bei Langeweile auf dem Handy zu spielen, könnte ich mir etwa die Frage stellen, wieso ich mich eigentlich langweile. Wenn ich mir die Langeweile mit anderen, produktiveren Tätigkeiten vertreibe, ist es leichter, bei der Handynutzung Selbstkontrolle zu entwickeln.

Der Erretter hat verheißen, er werde für uns Schwaches stark werden lassen, wenn wir zu ihm kommen und um seinen göttlichen Beistand bitten (siehe Ether 12:27).

Mitgefühl mit sich selbst

In unserem Bemühen, mehr wie der Erretter zu werden, fühlen wir uns hin und wieder vielleicht schlecht, weil wir seinem Vorbild nicht gerecht werden. Manchmal führen wir negative Selbstgespräche wie „Ich werde nie gut genug sein“ oder „Ich bin doch so ein Idiot!“. Manch einer meint vielleicht, das sei eine angemessene Bestrafung oder ein Anreiz zur Motivation. Solche Gedanken ziehen uns jedoch nur hinunter und machen alles noch schwieriger – und sie kommen niemals von Gott!

Käme ein guter Freund zu uns und würde von seinem Wunsch und seinen Bemühungen berichten, sich zu verbessern, aber auch von seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten – was würden wir ihm sagen? Wir würden ihn doch ermutigen, ihm sagen, wie stolz wir auf ihn sind, und all seine kleinen Erfolge feiern!

So sollten wir auch mit uns selbst umgehen. Anstatt uns zu bestrafen, sollten wir das Gute, was wir tun, wertschätzen und unsere Fehler als Chance sehen, besser zu werden.

Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Und wir können uns auf unsere göttliche Identität besinnen, anstatt uns durch unsere Gewohnheiten oder Probleme zu definieren. Der Vater im Himmel bietet uns so viele zweite Chancen, wie wir brauchen (siehe Jesaja 55:7). Auch wir selbst sollten so mit uns umgehen.

Hochrelief von Jesus Christus

Der Erretter ist unser Stärke

Auch wenn es heute unmöglich erscheint, können wir uns mit der Zeit verbessern. Der Erretter hat uns verheißen, dass seine Gnade für uns ausreichend ist, wenn wir unseren Teil tun, auf dem Weg der Bündnisse bleiben und bis ans Ende ausharren (siehe Ether 12:27). Wir dürfen nicht aufgeben und müssen weiterhin glauben und geduldig „auf den Herrn hoffen“ (Jesaja 40:31). Mich beruhigt dieser Gedanke ungemein. Bei unserem Bemühen, uns zu verbessern, stärkt und leitet uns der Herr in der Tat.