Hoffnung und Hilfe durch Bildung
Mit ihren Bildungsinitiativen in Westafrika und anderen Ländern unterstützt die Kirche tausende Jugendliche und junge Alleinstehende.
Bischof Darmande Legbanon (links) wurde in seiner Jugend von einem Institutslehrer dabei unterstützt, Französisch zu lernen und sich auf eine Mission vorzubereiten. Heute ermutigt er in Westafrika junge Menschen wie Alexis Ahouayito (rechts), der derzeit in Sambia auf Mission ist, an Programmen wie „Erfolg in der Schule“ teilzunehmen. Ihm zufolge eröffnet dieses Programm den Teilnehmern vielerlei Möglichkeiten.
Als sich Darmande Legbanon der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anschloss, konnte er Französisch – die Landessprache Benins – weder lesen noch schreiben oder sprechen. Doch mit der Hilfe seines Pfahlpräsidenten erlernte er die Sprache im Institut, indem er das Buch Mormon las. Anschließend war er in einem französischsprachigen Gebiet auf Mission. Heute führt er eine erfolgreiche Schweißerei, in der er auch junge Leute anlernt, und ist Bischof seiner Gemeinde.
Nachdem Bischof Legbanon durch die Kirche Sprach- und Lebenskompetenzen erworben hat, ermutigt er nun junge Menschen in Westafrika, es ihm gleichzutun. Eine Bildungsinitiative – bestehend aus den beiden Säulen „Erfolg in der Schule“ für Jugendliche im Alter von 11 bis 18 sowie „Treffpunkte“ für junge Alleinstehende – hilft jungen Menschen, sich in schulischer, geistiger und sozialer Hinsicht weiterzuentwickeln. Die Initiative wird von den Gebietspräsidentschaften und den örtlichen Führungsverantwortlichen koordiniert und kommt tausenden jungen Menschen in Westafrika und anderen Teilen der Welt zugute.
Junge Alleinstehende aus dem Pfahl Tema in Ghana stellen bei einer „Treffpunkt“-Tagung in Accra vor Regierungsvertretern und lokalen Beamten ihr Können im Catering unter Beweis.
„Erfolg in der Schule“ heißt Erfolg im Leben
Das außerschulische Programm „Erfolg in der Schule“ hilft Jugendlichen, in der Schule voranzukommen, sich auf das Studium oder eine Ausbildung vorzubereiten und eigenständig zu werden. Es wird bereits in mehreren westafrikanischen Ländern umgesetzt, und dort leben auch die meisten der insgesamt 30.000 daran teilnehmenden Schüler. Darüber hinaus läuft das Projekt auch in Mexiko, Haiti, Papua-Neuguinea, Vanuatu und im Südwesten der Vereinigten Staaten.
Mit der Initiative „Erfolg in der Schule“ „senden wir … der Jugend der Kirche die Botschaft: ‚Bildung ist wichtig. Ihr seid uns wichtig, und es ist uns wichtig, dass ihr etwas lernt‘“, erklärt Elder Clark G. Gilbert, Beauftragter für das Bildungswesen der Kirche. Er und weitere Führer der Kirche weisen darauf hin, dass der heranwachsenden Generation mit „Erfolg in der Schule“ wirksam geholfen wird, schulisch sowie geistig voranzukommen.
Die Seminar- und Institutsleiter vor Ort führen das Programm durch, und die Führungsverantwortlichen im Pfahl oder Distrikt legen fest, welche Angebote sich für ihr jeweiliges Gebiet am besten eignen. Unterricht und Aktivitäten orientieren sich an weltweit gültigen Bildungsmaßstäben. Der Unterricht ergänzt die regulären Fächer und unterstützt die Schüler dabei, nicht frühzeitig von der Schule abzugehen. Ehrenamtliche Lehrkräfte aus örtlichen Pfählen unterrichten in Gebäuden der Kirche Lesen, Schreiben, Mathematik und weitere Lebenskompetenzen.
Elder D. Todd Christofferson vom Kollegium der Zwölf Apostel führt den Erfolg von „Erfolg in der Schule“ darauf zurück, dass das Programm schulische Inhalte mit dem „geistigen Element“ verknüpft. „Wir sehen vielerorts in Afrika, dass die Schüler bei landesweiten Prüfungen gut abschneiden und die Ergebnisse geradezu in die Höhe gegangen sind, weil das Programm das, was sie in der Schule lernen, grundlegend ergänzt.“
Ein weiteres Ziel besteht darin, jungen Menschen eine Weiterbildung zu ermöglichen, zum Beispiel durch BYU Pathway Worldwide oder eine Berufsausbildung.
Die Kurse im Programm „Erfolg in der Schule“ bilden diese Schwerpunkte ab:
-
Hoffnung und Glaube an Jesus Christus sowie Bekehrung zu seinem wiederhergestellten Evangelium
-
die Bedeutung lebenslangen Lernens
-
Anwendungsmöglichkeiten und Stellenwert der Schulfächer
-
Gefühl der Zugehörigkeit sowie Beitrag zum gemeinsamen Lernen
Wenn die Schüler ihre schulischen und beruflichen Fähigkeiten sowie ihre Lebenskompetenzen ausbauen, sehen sie hoffnungsvoller in die Zukunft und entwickeln ihr Potenzial für eine höhere Bildung und einen Arbeitsplatz.
Tägliche Vorbereitung
Alexis Ahouayito aus der westafrikanischen Republik Benin eignete sich durch „Erfolg in der Schule“ Fertigkeiten an, die ihm als Vorbereitung auf Mission dienlich waren. Er las jeden Tag im Buch Mormon und betete darum, der Heilige Geist möge mit ihm sein. Er lernte durch das Programm, „wie man mit dem Geist und mit Vollmacht lehrt“. Heute ist er als Elder Ahouayito in der Sambia-Mission Lusaka tätig, wo er englischsprachige Menschen unterweist.
Sein Mentor, Bischof Legbanon, ermutigte ihn, an „Erfolg in der Schule“ teilzunehmen, als er in der Schweißerei des Bischofs eine Lehre machte.
Ein weiterer Auszubildender, Kodjo Dick Amenyovo, sagt: „Das Verhalten, das unsere Führer uns vorleben – wie sie mit uns reden und uns unterweisen –, spornt uns an, weiterzulernen und auf Mission zu gehen.“
Bei einigen seiner Lehrlinge, so Bischof Legbanon, fehlte es anfangs an Französischkenntnissen – wie das auch bei ihm der Fall gewesen war.
„Aber jetzt fällt ihnen vieles leichter, zum Beispiel das Lesen, Schreiben und Rechnen.“ Außerdem bereiten sie sich darauf vor, gute Missionare zu werden. Das Programm „Erfolg in der Schule“ hat „viel Gutes an sich und hilft meinen Auszubildenden“.
Ein inspiriertes Programm
„Ich weiß, dass der Vater im Himmel viel an uns junge Leute denkt. Zusätzlich zum Seminar haben wir dieses Programm“, sagt Marie Aimée Judith Ake aus dem Pfahl Niangon Süd in Abidjan in der Elfenbeinküste.
Sie schreibt es „Erfolg in der Schule“ zu, dass sie nun mehr Selbstvertrauen hat.
„Ich habe keine Angst mehr, vor meinen Klassenkameraden zu sprechen, und ich schäme mich nicht mehr, über meine Kirche zu sprechen. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich eine Vollzeitmission erfüllen soll“, erzählt sie.
Marie ist dankbar, dass im Programm geistige und weltliche Bildung verknüpft sind, und fügt hinzu: „Ich weiß, dass dieses Programm von meinem Vater im Himmel inspiriert und nur zu unserem Nutzen da ist.“
Lawson Kingnadja Mintotibe bringt Schülern in Lomé in Togo bei, wie man Erfolg in der Schule hat.
Treffpunkte zum Vorbereiten und Werden
Das Evangelium Jesu Christi schenkt tausenden jungen Alleinstehenden, die an sogenannten „Treffpunkten“ zusammenkommen, Hoffnung und öffnet ihnen so manche Tür.
Junge Erwachsene sind „die Zukunft der Familien und der Nationen“, so Elder Alfred Kyungu, Präsident des Gebiets Afrika West. Aufgrund dieser Überzeugung richten Führer der Kirche, junge Alleinstehende und Senior-Missionare im Gebiet Afrika West Treffpunkte ein, wo den jungen Alleinstehenden geholfen wird, den Weg der Bündnisse zu gehen und auf diesem Weg zu bleiben, sich für eine Arbeitsstelle zu qualifizieren und im Tempel zu heiraten.
„Ein ‚Treffpunkt‘ ist ein Ort, wo sie sich darauf vorbereiten können, in der Kirche und in ihrer Familie Führungsaufgaben zu übernehmen und so zu werden, wie der Herr sie braucht und haben möchte“, erklärt Shirlene Wade, die mit ihrem Mann Alan als Missionarin für die jungen Alleinstehenden im Gebiet Afrika West tätig ist.
An einem Treffpunkt – der sich meist in einem Gemeindehaus oder einem Institutsgebäude befindet – kommen junge Alleinstehende und ihre Freunde zusammen und haben Spaß, bilden sich weiter und haben geistige Erlebnisse. Die Aktivitäten finden je nach Bedarf und Interesse einmal oder gar sechsmal in der Woche statt. Die jungen Alleinstehenden können dem Herrn näherkommen, erfreuen sich förderlicher Gesellschaft, erlernen ein Handwerk und entwickeln mehr Eigenständigkeit. Die Treffpunkt-Angebote umfassen:
-
Religionsunterricht und Evangeliumsstudium (auch das Institutsprogramm)
-
Weiterbildung, unter anderem durch technische oder handwerkliche Ausbildungsmöglichkeiten oder über BYU Pathway Worldwide
-
Dienstprojekte und gesellige Aktivitäten
-
Aktivitäten im Bereich Tempelarbeit und Familiengeschichte
-
Vorbereitung auf Mission sowie Engagement in der Gesellschaft
Die Liebe Gottes verspüren
Zachery und Rebecca Poulter, die von 2022 bis 2024 als Missionare die jungen Alleinstehenden unterstützten, erlebten hautnah mit, welch großer Segen die Treffpunkte in Westafrika sind. Die Initiative startete als Pilotprojekt und wurde dann bis Ende 2024 auf über 180 Treffpunkte in Benin, Ghana, der Elfenbeinküste, Liberia, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo ausgeweitet.
„Das Evangelium Jesu Christi schenkt Hoffnung“, sagt Schwester Poulter. „Und den jungen Alleinstehenden schenkt es gerade durch die Treffpunkte Hoffnung.“
Mit Genehmigung der Gebietspräsidentschaft wird solch ein Treffpunkt von einem Pfahl-JAE-Komitee geleitet und untersteht einem Pfahl- oder Distriktspräsidenten.
„Die Mitglieder des Pfahl-JAE-Komitees treffen sich mit dem Pfahl- oder Distriktspräsidenten, besprechen die Bedürfnisse der jungen Alleinstehenden in ihrem Pfahl und kümmern sich dann um die entsprechenden Angebote“, erläutert Bruder Poulter.
Elder Adeyinka A. Ojediran, Erster Ratgeber in der Präsidentschaft des Gebiets Afrika West, führt aus: „Das JAE-Komitee hilft den jungen Alleinstehenden, die Liebe Gottes zu verspüren, denn es lädt sie auf den Weg der Bündnisse ein und unterstützt sie auf diesem Weg.“ Die Führungsverantwortlichen konzentrieren sich dabei auf Folgendes:
-
den jungen Alleinstehenden helfen, nach dem Evangelium zu leben und die errettenden heiligen Handlungen zu empfangen
-
sie in geistiger, intellektueller, sozialer und körperlicher Hinsicht stärken
-
Menschen helfen, zu Christus zu kommen, indem sie nach den Grundsätzen „Lieben, weitergeben und einladen“ vorgehen
-
durch Tempelarbeit und Familienforschung Familien auf beiden Seiten des Schleiers vereinen
Junge Alleinstehende eignen sich am Treffpunkt des Pfahles Kumasi Bantama in Ghana Backkünste an
Selbstvertrauen durch Kompetenzerwerb
Die an den Treffpunkten angebotenen Kurse reichen von Seifenherstellung bis Schusterarbeiten, von Backen bis Friseurhandwerk, von Computerprogrammierung bis Grafikdesign und von Schneiderarbeiten bis Unternehmensführung.
„An einem Treffpunkt können junge Alleinstehende in kurzer Zeit etwas lernen, sodass sie bereits nach zwei, drei Monaten eine Arbeit aufnehmen können“, erklärt Schwester Poulter. „Sie entwickeln dadurch Selbstvertrauen, um auch etwas anderes wie BYU Pathway oder eine andere Weiterbildung in Betracht zu ziehen, was ja eher ein langfristiges Ziel ist.“
In kleinen Distrikten finden Treffen meist nur samstags statt, und etwa 15 bis 20 junge Alleinstehende besuchen dort nur einige wenige Kurse. In größeren Pfählen werden pro Woche 25 bis 30 Kurse angeboten, an denen dann mehr als 100 junge Alleinstehende teilnehmen.
Die jungen Alleinstehenden erlernen nicht nur Fertigkeiten oder ein Handwerk, sondern essen auch miteinander, spielen Spiele, nutzen das Internet, halten den Familienabend ab und besuchen Versammlungen der Kirche. Und Teilnehmer, die Freunde mitbringen, erleben oftmals, wie schön es ist, wenn sich diese Freunde taufen lassen.
Taufen, Jobs, Eheschließungen
„In gut zwei Jahren gab es in Westafrika über 8000 Taufen, weil junge Alleinstehende ihre Freunde zum Treffpunkt eingeladen haben“, berichtet Alan Wade. „In diesen zwei Jahren fanden über 11.000 einen Arbeitsplatz, und mehr als 6000 Unternehmen wurden gegründet. Und es gab mehr als 1500 Eheschließungen. Es kommt uns allerdings so vor, als kratzten wir erst an der Oberfläche. Viele junge Alleinstehende entscheiden sich für den Glauben und den Weg des Evangeliums.“
Das Tolle an den Treffpunkten ist laut den Poulters, dass es sich nicht um ein weiteres Hilfsprogramm oder eine Organisation handelt, die Afrika unterstützt. Schwester Poulter meint: „Ein Treffpunkt hilft den jungen Alleinstehenden vielmehr, sich mit Führungsverantwortlichen in der Kirche zu beraten und gemeinsam ans Werk zu gehen, damit sie eine Ausbildung bekommen und danach auf eigenen Beinen stehen können.“
Was ein Menschenherz wandle, seien nicht Almosen, fügt Bruder Poulter hinzu, sondern Eigenständigkeit, die sich dank der Grundsätze des Evangeliums entfalte.