„King-Follett-Rede“, Themen im Zusammenhang mit der Geschichte der Kirche
„King-Follett-Rede“
King-Follett-Rede
Am 7. April 1844 hielt Joseph Smith eine Rede auf einer Konferenz, die seine letzte sein sollte. Nachdem er die Heiligen um „höchste Aufmerksamkeit“ gebeten hatte, sagte er, er werde über die Toten sprechen und damit einer Bitte der Familie und der Freunde von King Follett nachkommen, einem Mitglied der Kirche, das kurz zuvor bei einem Umfall ums Leben gekommen war. Es gibt keine vollständige oder wortgetreue Niederschrift von dem, was Joseph damals sagte, aber mehrere Anwesende machten sich Notizen. Dadurch ist diese Predigt eine der am besten dokumentierten von Joseph Smith.
Künstlerische Darstellung von Joseph Smith bei seiner Predigt auf der Konferenz in Nauvoo im April 1844
In seiner Predigt sprach Joseph Smith über das göttliche Wesen des Menschen und den ewigen Fortschritt. Er widersprach der etablierten theologischen Auffassung, Gott sei ein völlig anderes Wesen als der Mensch. Er erklärte: „Wenn der Mensch das Wesen Gottes nicht begreift, dann begreift er auch sich selbst nicht.“ Er erläuterte, dass Gott „einst wie einer von uns“ war und dass „alle Geister, die Gott je in die Welt gesandt hat“, „der Weiterentwicklung mächtig“ sind und die Anlage besitzen, in der Ewigkeit wie Gott zu werden. Joseph Smith verkündete auch, dass jeder Mensch im Kern etwas in sich trägt, was so ewig ist wie Gott. Diesen göttlichen Kern verglich er mit einem Ring – ohne Anfang und ohne Ende.
Bei der King-Follett-Predigt wurden diese Lehren zwar in aller Öffentlichkeit so klar dargelegt wie nie zuvor, aber es war nicht das erste Mal, dass sie zur Sprache kamen. Sowohl im Buch Mormon als auch im Buch Mose finden sich Stellen, die zu der zu Joseph Smiths Lebzeiten vorherrschenden theologischen Auffassung im Widerspruch stehen, wonach Gott „ohne Körper, Körperteile und Leidenschaften“ sei. Aus Offenbarungen, die Joseph Smith bereits ab 1832 erhalten hatte, ging hervor, dass die Geister „im Anfang bei Gott“ waren und dass jeder Mensch durch die Macht des Sühnopfers Jesu Christi sein „Erbteil empfangen und ihm gleichgemacht werden“ – also ein Gott werden – kann. Joseph Smith hatte sich verschiedentlich im Detail zu diesen Offenbarungen geäußert und seinen Zuhörern die Trag- und Reichweite dieser Lehren verdeutlicht.
Aber selbst für diejenigen, die Joseph Smiths Lehren über das vorirdische Dasein, das göttliche Wesen des Menschen und die Erhöhung schon aus früheren Unterweisungen kannten, stach die King-Follett-Rede hervor, fügten sich doch damals diese zentralen Themen auf eindrucksvolle Weise zusammen. Ein Mitglied der Kirche, das die Predigt gehört hatte, sah darin den unwiderlegbaren Beweis, dass Joseph Smith „den Geist der Inspiration“ habe. Fast 50 Jahre nach der Ansprache erklärte Wilford Woodruff bei der Weihung des Salt-Lake-Tempels, dass diese Rede für ihn das intensivste geistige Erlebnis seines Lebens gewesen sei. Die Predigt blieb jedoch nicht unwidersprochen. Zwei Monate nachdem sie gehalten worden war, gaben abtrünnig gewordene Heilige der Letzten Tage eine Zeitung namens Nauvoo Expositor heraus, in der sie die Lehren des Propheten als Gotteslästerung verunglimpften und in ihnen den Grund dafür sahen, weshalb sie sich nun gegen Joseph Smith wandten. Spätere Kritiker der Kirche traten ebenfalls gegen die Aussagen dieser Predigt auf.
Seit 1844 vertritt die Kirche viele jener grundlegenden Lehren, die Joseph Smith damals in der King-Follett-Rede dargelegt hat. Obwohl die Predigt nicht zum Kanon der heiligen Schriften gehört, prägt sie doch die Sichtweise der Heiligen der Letzten Tage auf das vorirdische Dasein, das Erdenleben und das göttliche, ewige Potenzial des Menschen.
Verwandte Themen: Mutter im Himmel