Selbst Gott weint
Wir alle erleben negative Gefühle, aber wir können trotzdem Freude verspüren
Gespräch mit dem Himmel, Darstellung von Yongsung Kim
Der Vater im Himmel ist glücklich. Das wissen wir.
Er hat verheißen, uns alles zu geben, was wir haben, wenn wir treu sind (siehe Lehre und Bündnisse 84:38; 88:107; 132:20). Er hat uns auch eine „Fülle der Freude“ (3 Nephi 28:10) und nie endendes Glück verheißen (siehe Mosia 2:41; Alma 28:12). Gott selbst erfreut sich dessen.
Aber Moment mal … Aus mehreren Schriftstellen geht hervor, dass Gott glücklich ist – aber es gibt auch viele Momente, in denen der Herr traurig, zornig oder enttäuscht ist.
Offensichtlich kann Gott solche Gefühle haben, ohne dass sie das allgemeine Gefühl „nie endenden Glücks“ und der „Fülle der Freude“ überwältigen oder verdrängen.
Der Prophet Henoch war überrascht, als ihm das bewusst wurde. Er sah, dass der Herr weinte, und fragte: „Wieso kannst du weinen, wo du doch heilig bist und von aller Ewigkeit bis in alle Ewigkeit?“ (Mose 7:29.) Die Antwort des Herrn lautete im Wesentlichen: Sieh nur, wie meine Kinder wegen ihrer Ungerechtigkeit leiden müssen. Ist es da nicht eine angemessene Reaktion, zu weinen? (Siehe Mose 7:37.)
Damit ist zwar nicht die Frage beantwortet, wie Traurigkeit und ewiges Glück nebeneinander bestehen können, aber unsere eigenen Erfahrungen hier in diesem Leben könnten uns eine Vorstellung davon geben.
Ein Gegensatz in allem
Seien wir mal ehrlich: In der Welt geschieht tatsächlich Schreckliches. Wir wollen uns ja gern auf das Positive konzentrieren, wovon es jede Menge gibt, aber neben Kriegen und Katastrophen gibt es schließlich auch in unserem eigenen Leben Prüfungen. Niemand bleibt von Kummer und Schmerz verschont.
Und doch kommen die meisten von uns im Allgemeinen gut zurecht. Wir können ungeachtet all des Schrecklichen, was uns umgibt, glücklich sein oder zumindest Frieden haben.
Manche Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie trotz allen Unglücks auf der Welt glücklich sind. Aber nur weil wir Freude empfinden, sind uns Leid und Unrecht ja nicht gleichgültig. Es bedeutet nur, dass uns mehreres gleichzeitig beschäftigen kann. Und so muss es auch sein! Sonst wären wir gar nicht mehr handlungsfähig.
Gott hat uns in eine Welt gesandt, von der er wusste, dass sie Elend mit sich bringen würde. Und gleichzeitig will er, dass wir Freude empfinden (siehe 2 Nephi 2:25). Es muss einen Weg geben, beides unter einen Hut zu bringen.
Dieser Weg ist der Erretter.
Ändere deine Perspektive
Präsident Russell M. Nelson hat es treffend ausgedrückt: „Die Freude, die wir empfinden, hat wenig mit unseren Lebensumständen und vielmehr damit zu tun, worauf wir im Leben den Blick richten.“ Er fuhr fort: „Wenn wir Gottes Plan der Erlösung und Jesus Christus und sein Evangelium in unserem Leben in den Mittelpunkt stellen, … können wir Freude verspüren – ganz gleich, was in unserem Leben geschieht oder nicht geschieht. Freude kommt von Christus und durch ihn.“
Auch andere inspirierte Führer haben sich ähnlich geäußert wie Präsident Nelson. „Alle, die unter irdischen Schwächen jeglicher Art leiden, dürfen nicht vergessen, dass auch unser Erretter diese Form von Schmerz erlebt hat und dass er einem jeden von uns durch sein Sühnopfer die Kraft geben kann, das zu ertragen.“ „Durch das Sühnopfer Jesu Christi können wir … in unseren Schwächen gestärkt werden.“ „Wenn Sie zu ihm kommen, ernten Sie als Lohn die Kraft, den Prüfungen des Lebens zu begegnen, den Mut, das Richtige zu tun, und die Fähigkeit, Ihre Mission im Erdenleben zu erfüllen.“
Der Apostel Paulus hatte eine großartige Einstellung. Er sagte: „Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden“ (Philipper 4:11), und als er das sagte, befand er sich gerade im Gefängnis.
Die Fähigkeit, die ganze Bandbreite und Tiefe von Gefühlen zu erleben und dennoch eine „Fülle der Freude“ zu haben, ist eines der vielen Dinge, die Gott vollkommen beherrscht und an denen wir noch arbeiten. Aber wir können es schaffen! Und in der Zwischenzeit kann er uns helfen, uns auf das Gute zu konzentrieren und uns des Schlechten dennoch bewusst zu sein.