„Ärger zwischen Freunden“, Unser Freund, Januar 2026, S. 22f.
Ärger zwischen Freunden
Wieso sollte Matt denn für Joseph beten? Joseph war es doch, der gemein zu ihm war!
Eine wahre Geschichte aus den USA
Matt ging nach Hause. Er trat nach einem Stein. Was war eigentlich los? Warum fühlte er sich so mies?
Er kam gerade von seinem Freund Joseph. Aber Joseph hatte die ganze Zeit über gelangweilt gewirkt, und deshalb ging Matt früher als geplant heim.
Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, dachte sich Matt. Ob Joseph heute einfach schlecht drauf ist?
Am nächsten Tag in der Schule entdeckte Matt Joseph mit ein paar anderen Freunden. Matt rief ihn und winkte ihm zu. Joseph schaute kurz zu ihm, winkte aber nicht zurück. Dann sprach er wieder mit seinen Freunden.
Joseph hat mich einfach nicht gesehen, sagte Matt sich.
Im Unterricht sollte die Klasse Zweiergruppen bilden. Matt ging zu Joseph. „Wollen wir zusammenarbeiten?“, fragte er.
Es war, als würde Joseph ihn gar nicht hören. „Komm, Mike“, sagte Joseph zu dem Jungen neben ihm. „Wir arbeiten da drüben.“
Die beiden gingen weg. Matt hatte ein flaues Gefühl im Magen. Irgendwas war doch mit Joseph los? Nur was?
Matt war sich nicht bewusst, dass er Joseph irgendwie verärgert hatte. Klar, manchmal spielten sie in der Pause beim Baseball in der gegnerischen Mannschaft. Aber hinterher war doch immer alles gut! Warum kam es ihm so vor, als wollte Joseph neuerdings in allem sein Gegner sein?
Na ja, ich kann ja in der Pause mit Joseph sprechen, dachte Matt.
In der Pause rannte Matt mit allen anderen auf den Pausenhof.
„Joseph!“, rief Matt. „Können wir kurz reden?“
„Wir fangen gleich an zu spielen“, meinte Joseph.
„Kein Problem, ich bin heute in deiner Mannschaft“, sagte Matt. „Wir können während des Spiels reden.“
„Zu spät“, entgegnete Joseph. „Wir sind schon genug.“ Dann lief er zu seiner Mannschaft.
Matt sah zu, wie das Spiel begann. Es war doch für Joseph noch nie ein Problem gewesen, wenn zu viele mitspielen wollten? Normalerweise durften alle mitmachen. Jeder war willkommen.
Aber jetzt gerade gab Joseph Matt nicht das Gefühl, willkommen zu sein. Wieso verhielt sich Joseph nur so? Warum schloss er Matt aus? Matt hatte doch nichts Falsches getan.
„Das ist Josephs Schuld, nicht meine“, sagte Matt beim Abendessen zu seinen Eltern. „Er will mir ja nicht einmal sagen, warum er wütend ist.“
„Das ist eine schwierige Situation“, erwiderte Mama.
Matt brannten Tränen in den Augen. „Er will ganz plötzlich nicht mehr mein Freund sein, und ich kenne nicht einmal den Grund.“
„Ich bin stolz auf dich, dass du mit ihm darüber sprechen wolltest“, meinte Papa. „Sag ihm doch, wie du dich fühlst und dass du die Sache regeln möchtest.“
Matt zuckte die Schultern. So wie Joseph sich verhielt, war sich Matt nicht sicher, ob er überhaupt auf ihn hören würde.
Mama drückte Matts Hand. „Wir werden für dich beten. Und auch für Joseph.“
Als sich Matt abends bettfertig machte, dachte er an das, was Mama und Papa gesagt hatten. Wenn seine Freunde traurig waren oder Schwierigkeiten hatten, betete er ja auch für sie. Aber diese Situation jetzt war anders, oder? Schließlich war Joseph zu ihm gemein.
Warum also wollten Matts Eltern für Joseph beten? Sollte er auch für Joseph beten?
Matt kniete sich an sein Bett. „Vater im Himmel, es fällt mir sehr schwer, auf Joseph nicht wütend zu sein“, betete Matt. „Ich merke ja, dass er sauer ist. Aber er sagt mir nicht, was das Problem ist.“
Matt hielt inne. „Ich möchte mit ihm reden, aber ich weiß nicht, ob er mir sagt, was los ist. Hilf ihm doch bitte – was auch immer das Problem ist. Und hilf mir, weiterhin freundlich zu sein, was auch immer geschieht.“
Als Matt betete, wurde er innerlich ruhig. Er wusste, dass der Vater im Himmel und Jesus Christus seine besten Freunde waren. Sie konnten ihm helfen, Joseph liebzuhaben – ganz gleich, wie Joseph sich verhielt. Sie würden auch weiterhin für ihn da sein, sogar wenn Joseph nicht mehr sein Freund sein wollte.
Matt lächelte. Vielleicht war es ja doch eine gute Idee gewesen, für Joseph zu beten?
Illustrationen von Mark Robison