„Im Herzen nah“, Unser Freund, August 2025, Seite 36f.
Im Herzen nah
„Es ist völlig in Ordnung, dass du traurig bist. Wir alle vermissen deinen Vater sehr.“
Eine wahre Geschichte aus den USA
Der Regen prasselte in dicken Tropfen gegen die Fensterscheiben.
Edith ließ den Kopf hängen. Es hatte schon den ganzen Tag geregnet, und der Himmel war grau. Draußen war es kalt und trübe. Im Inneren war Edith ebenso zumute.
Sie saß auf einer Bank in einer ruhigen Ecke und zupfte an ihrem unbequemen schwarzen Kleid. Auch ihre glänzenden neuen Schuhe waren schwarz. Sie wünschte, sie wäre daheim und nicht bei der Beerdigung.
Ihre ältere Cousine Savannah setzte sich neben sie. „Wie geht es dir denn?“, fragte Savannah. Die ganze Verwandtschaft war am heutigen Vormittag zur Beerdigung gekommen. Alle trugen schwarz und waren traurig.
Edith zuckte mit den Schultern. „Es geht schon.“ Sie wollte gar nicht darüber reden. Vor ein paar Tagen war ihr Vater bei einem Unfall ums Leben gekommen. In ihr zog sich alles zusammen, wenn sie daran dachte. Sie vermisste ihn so sehr.
Savannah legte den Arm um sie und Edith schmiegte sich an sie. Sie war dankbar, dass ihre Cousine da war. Doch warum hatte Gott ihren Papa wegnehmen müssen?
„Ist Gott böse auf mich?“, fragte Edith.
Savannah runzelte die Stirn. „Wie kommst du denn darauf?“
Edith starrte auf ihre Schuhe. „Er hat mir Papa weggenommen.“
Edith traten Tränen in die Augen. Sie schaute auf und sah, dass sich Savannah ebenfalls Tränen von der Wange strich.
„Ach Edith“, sagte Savannah dann. „Der Vater im Himmel ist überhaupt nicht böse auf dich. Er liebt dich und deine Familie sehr. Manchmal passiert etwas, was wir nicht verstehen, aber er liebt uns immer.“
„Wirklich?“, fragte Edith.
Savannah nickte. „Wirklich! Vielleicht hilft es dir, wenn du daran denkst, dass du deinen Papa wiedersehen wirst! Weil Jesus Christus auferstanden ist, werden auch wir alle auferstehen.“ Sie lächelte. „Und wir können immer an alles denken, was wir an deinem Vater geschätzt haben. So bleibt er uns nahe!“
Edith dachte an ihren Vater. Er hatte gern über Jesus gesprochen. Er hatte ein warmes Lächeln gehabt. Sein Lachen war immer ansteckend, seine Umarmungen waren immer herzlich gewesen. Und wenn Edith traurig gewesen war, hatte er sie immer aufgemuntert. Plötzlich wurde ihr warm ums Herz, so als würde Papa sie gerade umarmen.
Sie schaute auf. „Das hilft schon ein wenig. Aber ich bin immer noch traurig.“
„Es ist völlig in Ordnung, dass du traurig bist“, erklärte Savannah. „Ich bin auch traurig. Wir alle vermissen deinen Vater sehr.“
Edith musste an etwas denken, was sie in der Primarvereinigung gelernt hatte. „Der Vater im Himmel kann uns helfen, wenn wir traurig sind“, sagte sie. „Können wir gleich hier und jetzt zusammen beten?“
Savannah nickte, und beide verschränkten die Arme.
„Vater im Himmel, wir danken dir für Jesus und seine Auferstehung“, sagte Edith. „Danke, dass du uns immer liebst. Bitte pass auf Papa auf. Bitte hilf uns, an ihn zu denken, damit er uns im Herzen nah bleibt. Im Namen Jesu Christi. Amen.“
Edith schlug die Augen wieder auf und atmete tief durch.
Als alle schließlich das Gebäude verließen, war es draußen immer noch kalt und verregnet. Doch da durchbrach ein kleiner Sonnenstrahl die dicke Wolkendecke. Es war zwar noch trübe, aber irgendwie war auch ein wenig Hoffnung da. Edith ging es ebenso.
Illustrationen von Zhen Liu