2025
Kimbers stilles Gebet
August 2025


„Kimbers stilles Gebet“, Unser Freund, August 2025, Seite 30f.

Kimbers stilles Gebet

Wie konnte Kimber beten, wenn ihr das Sprechen doch so schwerfiel?

Eine wahre Geschichte aus den USA

Ein Mädchen betet

Kimber zeigte auf die Becher auf der Küchentheke. Sie stampfte mit den Füßen, stöhnte auf und zeigte erneut auf die Becher.

Mama drehte sich um. „Was möchtest du denn?“

Wieder deutete Kimber auf die Becher. Sie machte eine Faust und zog mit dem ausgestreckten kleinen Finger eine Linie um den Mund – das bedeutete in Gebärdensprache „Saft“.

„Ach so!“, sagte Mama. „Du möchtest Saft trinken.“

Kimber nickte und wartete, bis Mama ihr einen Becher eingeschenkt hatte.

Kimber hatte Probleme mit dem Sprechen und konnte viele Wörter nicht gut aussprechen. Ihr gefiel ihre Stimme nicht, wenn sie sich versprach. Das tat ihr richtig in den Ohren weh! Und wenn man sie korrigierte, kränkte sie das. Zuhause konnte sie sich mit Mama in der Gebärdensprache unterhalten, aber in der Schule und in der Kirche war es schwierig, denn die meisten Leute konnten keine Gebärdensprache.

Alle paar Tage ging sie zur Sprechtherapie und übte das Sprechen. Aber das war alles andere als einfach. Sie war sehr frustriert!

Kinder in der Primarvereinigung mit ihrer Lehrerin

Ein paar Tage später saß Kimber in der Primarvereinigung und hörte ihrer Lehrerin zu. Es ging um das Gebet. „Ihr könnt mit dem Vater im Himmel über alles sprechen“, erklärte Schwester Dees. „Er wird euch antworten.“

Kimber gefiel der Gedanke, dass der Vater im Himmel Gebete erhörte. Aber wie sollte sie mit ihm sprechen? Es fiel ihr doch so schwer, länger zu reden.

Eine Familie liest gemeinsam in den heiligen Schriften

Beim abendlichen Schriftstudium mit der Familie lasen Mama und Papa abwechselnd Verse vor. Kimber und ihre kleinen Brüder hörten zu. Kimber mochte Papas sanfte Stimme, und Mama zeigte auf die Wörter, sodass Kimber mitlesen konnte.

„[Fangt an], seinen heiligen Namen anzurufen, damit er zu euch barmherzig sei“, las Papa vor. „Ja, ruft ihn an um Barmherzigkeit; denn er ist mächtig, zu erretten.“

„Ihn anrufen?“, fragte Kimbers Bruder Hunter. „Wie soll das denn gehen?“

„Damit ist das Gebet gemeint“, erklärte Papa. „Wenn ihr Probleme habt, könnt ihr um Hilfe bitten. Den Vater im Himmel ,anrufen‘ bedeutet also, ihn im Gebet um Hilfe zu bitten.“

Kimber nickte. Sie hatte oft das Gefühl, dass sie Hilfe brauchte. Aber wie konnte sie den Vater im Himmel anrufen, ohne dabei auch laut zu sprechen?

„In den nächsten Versen geht es weiterhin ums Gebet“, sagte Mama. „Wir können um alles beten – dass es der Familie gut geht, dass wir genug zu essen haben, um alles, was wir brauchen!“ Sie las weiter. „Ja, und wenn ihr den Herrn nicht anruft, so lasst euer Herz voll sein, ständig im Gebet zu ihm hingezogen.“

Mama hielt inne und sah zu Kimber. „Das bedeutet: Wenn du im Herzen und in deinen Gedanken betest, hört dich der Vater im Himmel.“

Kimber verspürte freudige Hoffnung. Vielleicht hörte der Vater im Himmel ihre Gebete wirklich, selbst wenn sie die Wörter nicht laut aussprach! Sie konnte ja im Herzen beten.

Am Abend kniete Kimber mit Mama zum Nachtgebet nieder. Normalerweise sprach Mama das Gebet und Kimber hörte zu. Aber diesmal wollte Kimber ein Gebet im Herzen sprechen.

Ich bin dran, sagte sie in Gebärdensprache und zeigte auf sich selbst. Dann verschränkte sie die Arme. Sie schloss die Augen und dachte an alles, was sie dem Vater im Himmel sagen wollte. In Gedanken sagte sie ihm, wofür sie dankbar war. Sie erzählte ihm, wie schwer ihr das Sprechen fiel. Sie bat ihn um seine Hilfe.

Bald schon verspürte sie vom Kopf bis zu den Zehen ein friedliches Gefühl.

Nach dem Gebet öffnete Kimber die Augen.

Ein Mädchen umarmt seine Mutter

Mama nahm sie fest in den Arm. „Das hast du gut gemacht, Kimber.“

Kimber lächelte. Sie wusste, dass der Vater im Himmel sie gehört hatte. Und sie wusste, dass das friedliche Gefühl im Herzen seine Antwort war.

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Illustrationen von Brooke Smart