Geld für den Onkel
Diesmal mache ich genau das, worum Mama mich gebeten hat!, dachte Anane.
Eine wahre Geschichte aus Ghana
Fröhlich lächelnd lief Anane durch die Straßen. Der Duft von Bratfisch und das laute Geplaudere von Leuten erfüllten den Markt. Anane war unterwegs zu seinem Onkel. Mama hatte Anane etwas Geld für seinen Onkel mitgegeben.
Er schaute sich um. An den Ständen verkaufte man Lebensmittel, Speisen und weitere Waren. Da fiel ihm etwas ins Auge.
An einem Essensstand gab es seine Lieblingssüßigkeiten: Sahnebonbons und Kekse! Er schaute auf das Geld, das Mama ihm gegeben hatte. Hundert Cedi sind ganz schön viel, dachte er sich. Der Süßkram kostete ja nur zehn Cedi! Seinem Onkel würde bestimmt nicht auffallen, dass etwas fehlte.
Anane kaufte die Süßigkeiten. Er steckte sich einen Bonbon in den Mund und lief dann weiter zu seinem Onkel.
Ananes Onkel stand vor dem Haus.
„Mein kleiner Anane!“, rief er, als Anane auf ihn zukam. „Komm, lass dich drücken! Was bringt dich denn her?“
„Mama schickt dir Geld.“ Anane gab ihm das Geld und steckte dann die Hände wieder in die Hosentaschen. Würde sein Onkel bemerken, dass Geld fehlte? Er sah zu, wie sein Onkel das Geld zählte.
„Danke, dass du mir das gebracht hast“, sagte sein Onkel.
Anane war froh, dass seinem Onkel das fehlende Geld nicht aufgefallen war. Er verabschiedete sich und machte sich auf den langen Heimweg. Unterwegs aß er die übrigen Bonbons und Kekse.
„Wie war der Ausflug zu deinem Onkel?“, fragte Mama, als Anane heimkam.
Er zuckte mit den Schultern. „Ganz gut.“
„Danke, dass du ihm das Geld gebracht hast“, meinte Mama.
Anane schaute zu Boden. Sein schlechtes Gewissen machte sich bemerkbar. Wenn seine Eltern nun herausfanden, dass er von dem Geld etwas ausgegeben hatte? Er wollte ihr Vertrauen nicht verlieren.
Am nächsten Morgen bat Mama Anane, in der Nähe ein paar Besorgungen für sie zu machen. „Komm aber bitte gleich wieder nach Hause, wenn du fertig bist.“
„Na gut.“ Anane ging über den Markt, blieb diesmal aber nicht stehen, um sich etwas zu kaufen. Er zog die Augenbrauen zusammen. Diesmal mache ich genau das, worum Mama mich gebeten hat!, dachte er entschlossen.
Er kaufte ein und lief dann sofort nach Hause. Dort gab er Mama das Wechselgeld.
Am Sonntag besuchte Anane die PV. „Guten Morgen!“, sagte seine Lehrerin. „Heute sprechen wir über Gehorsam. Es ist wichtig, dass wir auf unsere Eltern hören und gute Entscheidungen treffen.“
Anane musste an das Geld denken, von dem er Bonbons und Kekse gekauft hatte. Ihm wurde ganz flau im Magen. Er wusste, dass er eine schlechte Entscheidung getroffen hatte.
Nach der Kirche wollte Anane mit seinen Eltern sprechen. Sein Herz raste regelrecht.
„Mama, Papa?“, sagte er. „Ihr hattet mir doch Geld für Onkel gegeben. Also … ich habe mir ein paar Süßigkeiten davon gekauft.“ Er schaute zu Boden. „Es tut mir leid.“
„Danke, dass du ehrlich bist“, sagte Papa. „Ich bin stolz auf dich!“
Anane lächelte. Er war glücklich, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Und nach dem Gespräch mit seinen Eltern ging es ihm gleich besser. Er hatte bereits eine bessere Entscheidung getroffen!
Illustration von Aleksandar Zolotic