2025
Das Problem mit der Uhr
Juni 2025


Das Problem mit der Uhr

„Du spielst gar nicht mehr mit uns!“, beklagte sich Liam.

Eine wahre Geschichte aus den USA

Eine rote Uhr mit einem Dinosaurierspiel auf dem Bildschirm

In Windeseile öffnete William das Päckchen und hielt die nagelneue Uhr in der Hand. Endlich! Er war echt aufgeregt! Er hatte fleißig gearbeitet und selbst das Geld für die Uhr verdient, und es hatte sich gelohnt!

Er band sich die Uhr ums Handgelenk und begann zu scrollen. So viele tolle Spiele! Er tippte auf ein Dinosaurierspiel und begann es zu spielen.

Am nächsten Tag zeigte William seinem Freund Liam in der Pause seine Uhr. „Wow, cool!“, sagte Liam. Eine Zeit lang sah er zu, wie William auf seiner Uhr das Spiel spielte. Dann fragte er: „Wollen wir jetzt nicht Ball spielen?“

„Vielleicht später“, meinte William. Liam rannte los, um mit den anderen Kindern zu spielen, und William setzte sich unter einen Baum und spielte sein Dinosaurierspiel.

Am nächsten Tag spielte William in der Pause wieder auf der Uhr. Liam lief auf ihn zu. „Spielst du mit?“

William schaute kurz hoch. „Nein, ich spiele lieber dieses Spiel weiter. Später vielleicht.“

Liam runzelte die Stirn. „Aber in der Pause spielen wir doch immer Ball!“

„Ich will jetzt einfach noch das Spiel zu Ende spielen“, sagte William.

Liam drehte sich um und ging weg.

Am nächsten Tag geschah das Gleiche. Und tags darauf ebenfalls. Auf der Heimfahrt setzte sich Liam im Bus neben William. „Warum hast du heute nicht mit uns gespielt?“

„Ich habe nur schnell noch ein Spiel auf meiner Uhr gespielt“, sagte William. „Bald bin ich im nächsten Level.“

Liam verschränkte die Arme. „Du spielst immer nur auf deiner Uhr. Du spielst ja überhaupt nicht mehr mit uns!“

William bekam vor Zorn einen roten Kopf. „Aber die Pause ist in der Schule die einzige Zeit, wo ich mein Spiel spielen kann“, sagte er. Seine Stimme wurde lauter. „Ich kann in der Pause doch wohl machen, was ich will!“

Liam war verärgert. „Gut, dann sind wir eben keine Freunde mehr!“

William sagte danach kein Wort mehr. Er wandte den Kopf zum Fenster, damit Liam ihm nicht in die Augen sehen konnte. Es fehlte nicht viel, und Tränen wären ihm über die Wange gekullert.

Als der Bus endlich bei Williams Haltestelle hielt, rannte er so schnell er konnte nach Hause. Er ließ sich aufs Sofa fallen und begann zu weinen. Er wünschte sich, er hätte die Uhr nie gekauft.

„Was ist denn los?“, fragte Mama.

William schluchzte: „Liam hat gesagt, wir sind keine Freunde mehr, weil ich immer nur auf meiner Uhr spiele.“

Mama setzte sich neben ihn. „Klingt so, als ob er meint, dass dir deine Uhr lieber ist als er.“

„Stimmt doch gar nicht!“

„Ich weiß, dass dir Liam wichtig ist.“ Mama nahm ihn fest in den Arm. „Aber wie wir unsere Zeit verbringen, zeigt doch, was für uns das Wichtigste ist.“

William überlegte kurz. „Menschen sind wichtiger. Aber kann ich denn nicht auch auf meiner Uhr spielen?“

„Könntest du denn beides unter einen Hut bekommen?“, wollte Mama wissen.

William nickte. „Vielleicht kann ich in der Pause mit Liam Ball spielen und dann, wenn ich von der Schule nach Hause komme, spiele ich kurz auf meiner Uhr.“

„Gute Idee!“

Am nächsten Tag ging William in der Pause zu Liam. „Tut mir leid, dass ich zu viel auf meiner Uhr gespielt habe“, sagte er. „Kann ich wieder mit euch Ball spielen?“

Liam grinste. „Na klar!“

Als William an der Reihe war, schoss er den Ball und rannte los, so schnell er konnte. Er hörte, wie Liam ihn anfeuerte.

Seine Uhr konnte warten. Es war schön, wieder mit seinem Freund zu spielen.

Drei Jungs spielen Ball
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Illustrationen von Melissa Manwill Kashiwagi