Eckstein für Zion – Ausstellung beim Besucherzentrum im historischen Nauvoo

Museum with an exhibit title banner and scale model of the Nauvoo Illinois Temple. 
Der Herr bestimmte Nauvoo zum „Eckstein für Zion“. Die Bündnisgemeinschaft in Nauvoo folgte prophetischer Weisung und baute ein Haus des Herrn. Das ist auch in der heutigen Kirche ein Muster.

In Abschnitt 124 des Buches Lehre und Bündnisse bezeichnet Jesus Christus Nauvoo viermal als „Eckstein“ (siehe Vers 2, 23, 60 und 131). Der Eckstein ist ein großer Stein, der an der Ecke des Fundaments eines Gebäudes liegt. Es verleiht dem gesamten Bauwerk Geordnetheit, Festigkeit und Stabilität. Unter „Zion“ versteht man „Volk des Herrn“, „die im Herzen Reinen“ oder auch einen bestimmten Ort rund um einen Tempel (wie etwa Jerusalem).2 Der Herr bezeichnete den Pfahl Nauvoo als „Eckstein für Zion“, weil die prophetischen Offenbarungen und die Tempelbündnisse, die er dort kundtat, sowie die dortige Gemeinschaft von Gläubigen der gesamten Kirche über Generationen hinweg Geordnetheit, Festigkeit und Stabilität verleihen sollten.

Nauvoo – von einer Siedlung mitten in der Prärie zum Eckstein für Zion


A gridded city map of Nauvoo with the Mississippi river to the left and illustrations of a temple and Joseph Smith in the corners.
Vor der Besiedelung durch die Europäer im 19. Jahrhundert lebten seit Generationen indigene Stämme an der Hufeisenbiegung des Mississippis bei Nauvoo.4 Der Ort wurde mitunter Quashquema genannt, das Meskwaki-Wort für „friedlicher Platz“.5 Doch 1832 waren die indianischen Ureinwohner nach einem Vertrag mit der amerikanischen Regierung gezwungen, von dort wegzuziehen.6 Schon bald planten Investoren, hier eine Grenzstadt zu errichten, die sie „Venus“ und später „Commerce“ nannten. Doch die landesweite Bankenkrise im Jahr 1837 machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Investoren begaben sich daher auf die Suche nach jemandem, der ihnen das Land abkaufte.


Im Winter 1838/1839 wurden die Heiligen der Letzten Tage aus ihren Häusern in Missouri vertrieben. Viele fanden entweder im Territorium Iowa oder in der Nähe der Stadt Quincy in Illinois Zuflucht. Die Heiligen der Letzten Tage hatten schon oft versucht, der Weisung Jesu Christi zu folgen und eine Stadt zu bauen, doch jedes Mal waren sie gezwungen gewesen, ihre Bemühungen wieder aufzugeben. Im Frühjahr 1839, als sie zusammengepfercht in provisorischen Unterkünften lebten und der Prophet Joseph Smith zu Liberty in Missouri inhaftiert war, standen sie allerdings vor einer gewichtigen Entscheidung: Sollten sie sich abermals sammeln, eine Stadt bauen und Verfolgung riskieren, oder sollten sie sich unter die allgemeine Bevölkerung mischen?7 Joseph Smith war sich der Risiken wohl bewusst, vertraute aber auf Gott und ermächtigte die Führer der Kirche, für die Sammlung Land zu kaufen. Joseph nannte die Stadt „Nauvoo“, ein hebräisches Wort, das auch mit „schön“ übersetzt wird.8



Die Heiligen machten sich also an die Arbeit. Sie legten Sumpfland trocken, errichteten Bauernhöfe und pflanzten Obstgärten, bauten Häuser und Straßen und gründeten Geschäfte. Gleichzeitig kam eine Flut von Bekehrten aus Nordamerika und Europa an den Ort. In ihrer Blütezeit hatte Nauvoo über 10.000 Einwohner und war damit eine der größten Städte im US-Bundesstaat Illinois. In der Mitte stand der Nauvoo-Tempel, der 1846 als Haus des Herrn geweiht worden war – jene krönende Leistung des Ecksteins für Zion.

Joseph Smith – Prophetische Führung bei der Wiederherstellung der Tempelverordnungen in Nauvoo


Nauvoo steht für den Höhepunkt der Mission Joseph Smiths bei der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi. Hier tat der Herr größeren Einblick in den Erlösungsplan kund und stellte die heiligen Handlungen und Segnungen des Tempels wieder her. Joseph erklärte den Heiligen, dass sie in Vorbereitung auf Erhöhung und ewiges Leben aneinander gesiegelt werden konnten. Er lehrte sie auch, sie könnten stellvertretend für ihre verstorbenen Vorfahren heilige Handlungen empfangen, die es ihnen ermöglichten, im Jenseits zusammen zu sein.

Taufe für die Verstorbenen


A man baptizing a woman in river, with a woman on horseback in the river watching.

Bei einer Trauerrede im August 1840 sprach Joseph Smith erstmals die Taufe für Verstorbene an. Aufgrund dieser neu offenbarten Lehre fingen die Heiligen an, im Mississippi stellvertretend solche Taufen durchzuführen. In einer späteren Offenbarung tat der Herr kund, dass diese heilige Handlung im Tempel vollzogen werden solle (siehe Lehre und Bündnisse 124:29-36).

Ausrüstung mit göttlicher Macht (Endowment)


Vor dem Bau des Tempels hatte Joseph Smith den Raum im Obergeschoss seines roten Backsteinladens so eingerichtet, dass im Mai 1842 dort das Endowment vollzogen werden konnte. Joseph wählte zunächst neun Männer aus, die das Endowment empfangen sollten. Vor seinem Tod vollzog Joseph das Endowment an 60 Menschen, darunter 28 Frauen.9

Siegelung für die Ewigkeit


A man and woman holding hands and walking down a path towards a large house. The woman's face is visable but the man's is not.

Wie andere heilige Handlungen auch, so wurden Siegelungen zunächst außerhalb des Tempels vollzogen. Zwei Monate nach der Siegelung von Joseph und Emma im Mai 1843 schrieb Joseph eine Offenbarung über den neuen und immerwährenden Bund der Ehe nieder. Bei diesem Bund wird verheißen, dass die Familie nicht nur für dieses Leben, sondern auch für das Leben nach dem Tod zusammenbleiben kann (siehe Lehre und Bündnisse 132).

Der Herr offenbarte diese Verordnungen, während die Heiligen den Tempel planten und erbauten. Sobald ein Teil des Tempels fertiggestellt war, weihten die Priestertumsführer diese Räume für die Durchführung der heiligen Handlungen, während am Rest des Gebäudes die Bauarbeiten weitergingen. Letztlich wurden im Nauvoo-Tempel Taufen für die Verstorbenen, Endowments und Siegelungen vollzogen.

Eine Bündnisgemeinschaft – einen Tempel errichten, ein Volk aufbauen


Der Bau des Tempels nahm beim Aufbau Nauvoos als Eckstein für Zion eine zentrale Rolle ein. So gut wie alle Einwohner Nauvoos waren dazu angehalten, sich am Tempelbau zu beteiligen. Einige wurden für ihre Arbeit bezahlt, andere wiederum gaben während der mehr als fünfjährigen Bautätigkeit Zeit, Geld, Talente und Arbeitskraft unentgeltlich für das Vorhaben. Zu den geschicktesten Handwerkern am Tempel zählten die Steinmetze, die in einige Steine dekorative Elemente einmeißelten und beim Bau der Tempelmauer alle Steine an ihren Platz setzten.

A group of people in a field cutting and moving large white stones.

Nauvoo 1842, Gott geweihte Arbeit, Gemälde von Walter Rane, Öl auf Leinwand, 2020

Am 11. Juni 1842 beaufsichtigte der britische Bekehrte und Steinmetz William Player das Setzen des ersten Mondsteins im Nauvoo-Tempel.

Die Heiligen der Letzten Tage bauten nicht nur den Tempel, sondern rückten durch die Gottesverehrung im Tempel auch näher zusammen. Selbst als sich die Heiligen im Winter 1845/1846 aufmachten, ihre geliebte Tempelstadt zu verlassen, empfingen sie noch immer Tag und Nacht heilige Handlungen im Tempel und schlossen Bündnisse mit Gott und miteinander. Innerhalb von nur drei Monaten empfingen über 5000 Heilige das Endowment und über 2000 wurden gesiegelt. Diese Bündnisbeziehungen, die im Nauvoo-Tempel geschlossen wurden, verbanden die wachsende Gemeinschaft miteinander. Und als sie in den folgenden Jahrzehnten bestrebt waren, in aller Welt Zion zu errichten, geschah das auf der Grundlage der Tempelsegnungen, wie sie in Nauvoo offenbart worden waren.

People coming and going in front of a building at nighttime.

Nauvoo 1846, Vor dem Auszug, Gemälde von Walter Rane, Öl auf Leinwand, 2020

Am 3. Februar 1846 vollzogen die Heiligen in Nauvoo weiterhin heilige Handlungen und schlossen Bündnisse mit Gott und miteinander, obgleich sich die erste Gruppe schon darauf vorbereitete, am nächsten Morgen die Stadt zu verlassen.

Das Vermächtnis Nauvoos: Auf dem Eckstein aufbauen

„Die Wiederherstellung ist ein Vorgang, kein einmaliges Ereignis; sie wird fortdauern, bis der Herr wiederkehrt. Das Ziel der Sammlung Israels besteht letztendlich darin, Gottes treuen Kindern die Segnungen des Tempels zu bringen. Wenn wir nach Wegen suchen, dieses Ziel besser zu erreichen, offenbart uns der Herr weitere Erkenntnisse. Die fortdauernde Wiederherstellung bedarf fortdauernder Offenbarung.“ – Präsident Russell M. Nelson10

Das Werk der Errettung und Erhöhung, das heutzutage in den Tempeln der Heiligen der Letzten Tage in aller Welt vollzogen wird, begann in Nauvoo. Auf göttliche Weisung hin führte Joseph Smith unter den Heiligen in Nauvoo die Tempelbündnisse und die damit einhergehenden heiligen Handlungen des Priestertums ein. Joseph war sich dessen bewusst, dass diese Verordnungen durch fortdauernde Offenbarung im Detail noch weiterentwickelt werden sollten.

Um für fortdauernde prophetische Offenbarung die Weichen zu stellen, übertrug Joseph Smith kurz vor seinem Tod im Gefängnis zu Carthage dem Kollegium der Zwölf Apostel unerlässliche Priestertumsschlüssel. Mit Hilfe dieser Schlüssel leiteten die Apostel die Fertigstellung des Nauvoo-Tempels und die Durchführung der Tempelverordnungen an Tausenden Heiligen der Letzten Tage, bevor diese in den amerikanischen Westen zogen.

Nachdem die Heiligen ihre Stadt verlassen hatten, wurde der ursprüngliche Nauvoo-Tempel durch Feuer und einen Tornado zerstört. Mehr als 150 Jahre nach dem Auszug der Heiligen weihte Präsident Gordon B. Hinckley dann den wiederaufgebauten Nauvoo-Illinois-Tempel. Die fortdauernde Offenbarung, die auf den grundlegenden Offenbarungen zum Tempel aufbaut, macht Nauvoo und den Tempel dort zu einer der heiligsten Stätten auf Erden – wahrhaftig also zu einem „Eckstein für Zion“.

Nauvoo Illinois Temple model with southern façade cutaway revealing interior rooms.

Modell des Nauvoo-Illinois-Tempels im Besucherzentrum im historischen Nauvoo Mit der Weihung dieses Tempels im Jahr 2002 an jener Stelle, an der einst auch der Tempel von 1846 stand, kehren die wiederhergestellten Tempelverordnungen an ihren heiligen Ursprungsort zurück, den Eckstein für Zion.

1. Offenbarung an Joseph Smith am 19. Januar 1841 zu Nauvoo in Illinois

2. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Zion“, ChurchofJesusChrist.org

3. „Discourse, 11 June 1843–A, as Reported by Wilford Woodruff“, Seite 42f., josephsmithpapers.org

4. Siehe „Nauvoo, Illinois“, Places, josephsmithpapers.org

5. Siehe „Nauvoo State Park“, www2.illinois.gov/dnr/Parks/Pages/Nauvoo.aspx

6. Der Black-Hawk-Krieg begann und endete 1832 und war ein gemeinsamer Versuch der beiden Stämme Sauk und Meskwaki, ihr Land östlich des Mississippis zurückzugewinnen. Nebenbei bemerkt, suchten diese Stämme in der Folge am 12. August 1841 auch Joseph Smith auf und sprachen ihn auf seine Rolle als Prophet an und wollten Bescheid wissen über ihre Chancen, das Land zurückzugewinnen, das ihnen einst gehört hatte. Joseph Smith sagte ihnen, er könne für sie keinen Sieg in der Schlacht vorhersehen, riet ihnen aber, Land zu kaufen und untereinander und mit den weißen Siedlern Frieden zu schließen. Beachten Sie die Erfüllung dieses prophetischen Rates auf der offiziellen Website der Meskwaki: „Da ihre Vorfahren die Hartnäckigkeit und Weitsicht hatten, ihr Land zu kaufen, ist die Meskwaki-Siedlung kein Indianerreservat. Sie wurde nicht vom öffentlichen Besitz abgezweigt und eigens für Indianer bestimmt. Es handelt sich hierbei um privat erworbenes Eigentum – um ein eigenstaatliches Volk.“ („The Meskwaki Nation’s History“, meskwaki.org/history.)

7. Siehe Themen im Zusammenhang mit der Geschichte der Kirche, „Nauvoo (Commerce), Illinois“, ChurchofJesusChrist.org/study/history/topics

8. Das hebräische Wort Nauvoo wird in der King-James-Übersetzung in Jesaja 52:7 mit „schön“ übersetzt: „Wie schön sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden ankündigt; der eine frohe Botschaft von Gutem bringt und Errettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König!“

9. Matthew McBride, A House for the Most High: The Story of the Original Nauvoo Temple, Greg Kofford Books, Salt Lake City 2007, Seite 103, 140

10. Russell M. Nelson, „Der Tempel und Ihr geistiges Fundament“, Liahona, November 2021, Seite 94