Wie das Beten meine Beziehung zu Gott verändert hat
Die Verfasserin lebt in Angers in Frankreich.
Meine Erfahrungen mit dem Beten haben mich gelehrt, dass Gott immer da ist
Als Kind haben mich meine Eltern durch ihr Beispiel gelehrt, wie wichtig das Gebet ist. Wir pflegten das Familiengebet, und ich vertraute darauf, dass mir das Beten half, meinen Glauben weiterzuentwickeln.
Wir erlebten Wunder, und mein Vertrauen in den Vater im Himmel wuchs. Als ich jedoch von zuhause fortzog, musste ich selbst den Wunsch entwickeln, mich um die Hilfe des Vaters im Himmel zu bemühen und meinen eigenen Glauben zu stärken.
Drei konkrete Erfahrungen mit dem Beten sind mir besonders in Erinnerung geblieben, weil sie mein Gottvertrauen gefestigt und mir den Mut gegeben haben, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Wenn du Gott um Hilfe ersuchst oder bemüht bist, mehr Gottvertrauen zu entwickeln, können dir – wie ich hoffe – meine Erfahrungen vielleicht helfen, das Selbstvertrauen zu gewinnen, selbst im Glauben den Sprung ins Ungewisse zu wagen und zu erkennen, welche Macht dem Beten innewohnt.
1. Mach dir bewusst, dass du dem Herrn wichtig bist
Als ich mich kurz vor meinem achten Geburtstag auf meine Taufe vorbereitete, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass meine Großeltern bei meiner Taufe dabei sein würden. Doch sie lebten weit weg in Tahiti, und in ihrem Alter war eine Reise nach Frankreich recht beschwerlich. Damals meinten sie, eine solche Reise würden sie wohl noch ein letztes Mal antreten, um die Hochzeit meiner Tante mitzuerleben, die zu diesem Zeitpunkt ledig war. Es sah nicht danach aus, als ob dies vor meiner Taufe geschehen würde. Ich wusste aber: Wenn ich betete, würde der Vater im Himmel mir Antwort geben.
Eines Tages sahen meine Mutter und ich in der Kirche einen Mann, der für sich alleine saß. Wir sahen uns an und plötzlich kam uns beiden der Gedanke, dass er gut zu meiner Tante passen würde! Der Zufall wollte es, dass auch er auf der Suche nach einer Partnerin für die Ewigkeit war. Also sorgten wir dafür, dass er sich mit ihr verabreden konnte.
Die beiden verliebten sich ineinander und beschlossen zu heiraten – und meine Großeltern kamen zur Hochzeit und zu meiner Taufe nach Frankreich!
Der Vater im Himmel erhörte meine konkrete Bitte an ihn, und zwar so, wie es nur ihm möglich war. Ich weiß, dass er unsere Gebete nicht immer so erhört, wie wir es uns erhoffen. Doch oft antwortet er auf eine Weise, die uns zeigt, wie wichtig wir ihm sind.
Elder Taylor G. Godoy von den Siebzigern hat gesagt:
„Gott [hört] unsere Gebete … und [antwortet] jedem von uns individuell. …
Beim Beten können wir die Umarmung unseres Vaters im Himmel spüren.“
Der Vater im Himmel hört uns zu, weil wir ihm am Herzen liegen und ihm das wichtig ist, was auch uns wichtig ist. Seine Antworten mögen auf unerwartete Weise kommen – aber sie kommen ganz bestimmt.
2. Lerne, auf Gottes Zeitplan zu vertrauen
Vor einigen Jahren verkauften meine Eltern unser Haus. Sie hatten bei der Bank einen Kredit beantragt, um den Kaufpreis für ein neues Haus in einer anderen Stadt aufzubringen, für das der Kaufvertrag bereits unterschriftsreif war.
Zunächst lief alles wie geplant. Doch dann lehnte die Bank unseren Antrag ab. Da unser jetziges Haus bereits verkauft war, hatten wir nur einen Monat Zeit, um das Geld für ein neues Haus aufzubringen. Uns drohte die Obdachlosigkeit.
Gemeinsam fasteten und beteten wir. Meine Eltern sagten mir, wenn wir nur auf Gott vertrauten, werde er für uns sorgen.
Der Prophet Moroni erklärte einst: „Ein Zeugnis empfangt ihr erst, nachdem euer Glaube geprüft ist.“ (Ether 12:6.)
Diese Prüfung verschaffte uns die Möglichkeit, dem Vater im Himmel mehr zu vertrauen als allem und jedem sonst. Am letzten Tag des Monats bewilligte die Bank meinen Eltern endlich den Kredit, und wir konnten den Kaufvertrag unterschreiben.
Wenn wir vor Schwierigkeiten stehen, liegt es an uns, Glauben an den Vater im Himmel auszuüben. Er wird uns gemäß seinem Zeitplan Antwort geben. Wenn wir ihm darüber hinaus unser Vertrauen schenken, indem wir stets zu ihm beten, wird seine Hand in unserem Leben wirksam.
3. Glaube daran, dass er dich kennt
Dieses Jahr musste ich einen Praktikumsplatz finden, um notwendige Leistungspunkte für die Uni zu sammeln. Der Stichtag rückte näher, doch bisher hatte sich nichts aufgetan. Wenn ich keine passende Stelle fand, würde ich das ganze Studienjahr wiederholen müssen. Zwar war ich weit weg von meinen Eltern, sie hatten mir aber beigebracht, wie mit einer solchen Situation umzugehen war.
Also betete ich zum Vater im Himmel und bat ihn um Hilfe. Ich legte meine Zukunft in seine Hände.
Und was geschah wohl? Kurze Zeit später sorgte er für eine Begegnung mit jemandem, der mir ein Praktikum anbot, das genau auf mich zugeschnitten war!
Was ich erlebt habe, mag vielleicht den Anschein erwecken, als sei es mir zugeflogen und als hätte ich, wenn ich betete, immer alles bekommen, was ich wollte. Aber ich habe auch etliche Gebete gesprochen, die nicht so erhört worden sind, wie ich es mir erhofft hatte. Bei manchen warte ich noch immer auf Antwort.
Doch mitunter wirkt Gott Wunder in meinem Leben. Sie helfen mir, durchzuhalten und darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Gib also niemals auf. Vertrau stets auf den Herrn! Er weiß, was uns wichtig ist – und wir sind ihm wichtig.
Präsident Jeffrey R. Holland, Amtierender Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat gesagt: „Wenn wir ,nichts Unrechtes‘ [2 Nephi 4:35] bitten, gibt es keine Grenzen, wann, wo und worum wir beten sollten.“
Der Herr möchte von uns hören. Er wartet darauf, dass wir uns ihm zuwenden, damit er uns helfen kann. Bete und bitte ihn um Hilfe – er ist immer da.