Handbücher und Berufungen
3. Die Grundsätze des Priestertums


„3. Die Grundsätze des Priestertums“, Allgemeines Handbuch: Wie man in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dient, 2026

„3. Die Grundsätze des Priestertums“, Allgemeines Handbuch.

Eine Familie auf dem Weg zum Tempel

3.

Die Grundsätze des Priestertums

3.0

Einleitung

Das Priestertum ist die Vollmacht und Macht Gottes. Durch das Priestertum vollbringt der Vater im Himmel das Werk, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (Mose 1:39). Gott gewährt seinen Söhnen und Töchtern auf Erden die Vollmacht und die Macht, bei der Ausführung dieses Werkes mitzuhelfen (siehe Kapitel 1).

3.1

Die Wiederherstellung des Priestertums

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die einzige Organisation auf Erden, die die Vollmacht des Priestertums besitzt. Der Prophet Joseph Smith empfing das Aaronische Priestertum mitsamt seinen Schlüsseln von Johannes dem Täufer (siehe Lehre und Bündnisse 13:1). Das Melchisedekische Priestertum mitsamt seinen Schlüsseln empfing er von den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes (siehe Lehre und Bündnisse 27:12,13).

Im Kirtland-Tempel erschienen Joseph Smith Mose, Elias und Elija und übertrugen ihm weitere Vollmachten, die erforderlich waren, um das Werk Gottes in den Letzten Tagen zu vollbringen (siehe Lehre und Bündnisse 110:10-16).

In der heutigen Zeit besitzt jedes Mitglied der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel all diese Priestertumsschlüssel. Diese Führer berufen und bevollmächtigen andere Mitglieder der Kirche, die Priestertumsvollmacht und -macht Gottes anzuwenden, um in seinem Werk der Errettung und Erhöhung mitzuhelfen.

3.2

Die Segnungen des Priestertums

Durch Bündnisse und heilige Handlungen des Priestertums eröffnet Gott all seinen Kindern den Zugang zu großartigen Segnungen. Dazu gehören:

  • die Taufe und die Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

  • die Gabe des Heiligen Geistes

  • die Teilnahme am Abendmahl

  • die Vollmacht und die Macht, Berufungen und Aufträge in der Kirche zu erfüllen

  • der Empfang des Patriarchalischen Segens und weiterer Priestertumssegen, wenn man krank ist oder Trost oder Führung braucht

  • die Ausrüstung mit Gottes Macht im Tempel

  • die Siegelung an die Mitglieder der eigenen Familie für die Ewigkeit

  • die Verheißung ewigen Lebens

Die Kinder Gottes können diese Segnungen des Priestertums empfangen und große Freude erfahren, wenn sie das Evangelium Jesu Christi leben.

3.3

Das Melchisedekische und das Aaronische Priestertum

In der Kirche besteht das Priestertum aus zwei Teilen: dem Melchisedekischen Priestertum und dem Aaronischen Priestertum (siehe Lehre und Bündnisse 107:1).

3.3.1

Das Melchisedekische Priestertum (MP)

Das Melchisedekische Priestertum ist „das Heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes“ (Lehre und Bündnisse 107:3). Es ist die Macht, durch die die Söhne und Töchter Gottes so wie er werden können (siehe Lehre und Bündnisse 84:19-21; 132:19,20).

„Das Melchisedekische Priestertum hat das Recht auf die Präsidentschaft inne.“ Es hat „Macht und Vollmacht über alle Ämter in der Kirche in allen Zeitaltern der Welt, um in geistigen Belangen zu amtieren“ (Lehre und Bündnisse 107:8). Mit dieser Vollmacht leiten und verwalten die Führer der Kirche das gesamte geistige Werk der Kirche (siehe Lehre und Bündnisse 107:18).

Der Präsident der Kirche ist der über das Melchisedekische Priestertum präsidierende Hohe Priester (siehe Lehre und Bündnisse 107:65-67). Der Pfahlpräsident ist der präsidierende Hohe Priester im Pfahl (siehe Lehre und Bündnisse 107:8,10; siehe auch Kapitel 6 in diesem Handbuch). Der Bischof ist der präsidierende Hohe Priester in der Gemeinde (siehe Lehre und Bündnisse 107:17; siehe auch Kapitel 7 in diesem Handbuch).

Näheres zu den Ämtern und Aufgaben des Melchisedekischen Priestertums ist in 8.1 zu finden.

3.3.2

Das Aaronische Priestertum (AP)

Das Aaronische Priestertum ist „eine Beigabe zum … Melchisedekischen Priestertum“ (Lehre und Bündnisse 107:14). Es enthält die Schlüssel zum:

  • Dienst von Engeln

  • Evangelium der Umkehr

  • Vollziehen äußerlicher Verordnungen wie etwa der Taufe zur Sündenvergebung

(Siehe Lehre und Bündnisse 13:1; 84:26,27; 107:20.)

Der Bischof ist der Präsident des Aaronischen Priestertums in der Gemeinde (siehe Lehre und Bündnisse 107:15).

Näheres zu den Ämtern und Aufgaben des Aaronischen Priestertums ist in 10.1.3 zu finden.

3.4

Die Vollmacht des Priestertums

Die Vollmacht des Priestertums ist die Befugnis, Gott zu vertreten und in seinem Namen zu handeln. In der Kirche wird alle Priestertumsvollmacht unter der Leitung derer ausgeübt, die Priestertumsschlüssel innehaben.

Würdige männliche Mitglieder der Kirche empfangen Priestertumsvollmacht, indem ihnen das Priestertum übertragen wird und indem sie zu einem Amt im Priestertum ordiniert werden. Alle Mitglieder der Kirche können delegierte Vollmacht ausüben, sobald sie eingesetzt oder beauftragt werden, mitzuhelfen, das Werk Gottes zu vollbringen. Die Mitglieder sind gegenüber Gott und gegenüber denjenigen, die er zu präsidieren bestimmt hat, dafür verantwortlich, wie sie seine Vollmacht ausüben (siehe 3.4.4).

3.4.1

Die Schlüssel des Priestertums

Die Schlüssel des Priestertums sind die Vollmacht, mit der die Anwendung des Priestertums zum Wohle der Kinder Gottes geleitet wird. Die Anwendung aller Priestertumsvollmacht in der Kirche untersteht der Leitung derer, die Priestertumsschlüssel innehaben (siehe Lehre und Bündnisse 65:2).

3.4.1.1

Die Inhaber von Priestertumsschlüsseln

Jesus Christus hat sämtliche Priestertumsschlüssel inne. Unter seiner Leitung werden – wie nachfolgend erläutert – Männern Priestertumsschlüssel übergeben, die sie in spezifischen Berufungen anwenden, um mitzuhelfen, Gottes Werk zu vollbringen.

Der Herr hat jedem einzelnen seiner Apostel sämtliche Schlüssel übertragen, die das Reich Gottes auf Erden betreffen. Der dienstälteste lebende Apostel, der Präsident der Kirche, ist der einzige Mensch auf der Erde, der bevollmächtigt ist, alle Schlüssel des Priestertums anzuwenden (siehe Lehre und Bündnisse 81:1,2; 107:64-67,91,92; 132:7).

Unter der Leitung des Präsidenten der Kirche werden an die folgenden örtlichen Priestertumsführer Schlüssel übergeben, damit sie in ihrem Verantwortungsbereich präsidieren können:

  • die Pfahl- und Distriktspräsidenten

  • die Bischöfe und Zweigpräsidenten

  • die Präsidenten der Kollegien des Melchisedekischen und des Aaronischen Priestertums

  • die Tempelpräsidenten

  • die Missionspräsidenten und die Präsidenten der Missionarsschulen

  • die Präsidenten der historischen Stätten der Kirche

Diese Führer empfangen Priestertumsschlüssel, wenn sie in ihre Berufung eingesetzt werden.

Niemand sonst empfängt Priestertumsschlüssel, auch nicht die Ratgeber der örtlichen Priestertumsführer oder die Präsidenten und Präsidentinnen der Organisationen der Kirche. Diesen Führungsverantwortlichen wird delegierte Vollmacht übertragen, wenn sie eingesetzt werden oder wenn sie unter der Leitung derer, die Priestertumsschlüssel innehaben, Aufträge erhalten. Die Präsidenten und Präsidentinnen der Organisationen der Kirche präsidieren unter der Leitung derer, die Priestertumsschlüssel innehaben (siehe 4.2.4).

Eine Gemeinderatssitzung

3.4.1.2

Die Ordnung in Gottes Werk

Priestertumsschlüssel stellen sicher, dass Gottes Werk der Errettung und Erhöhung auf geordnete Weise vollbracht wird (siehe Lehre und Bündnisse 42:11; 132:8). Wer die Schlüssel des Priestertums innehat, leitet das Werk des Herrn in seinem Verantwortungsbereich. Die Leitungsvollmacht eines Führers erstreckt sich nur auf die spezifischen Aufgaben, zu denen er berufen wurde. Wenn ein Priestertumsführer aus seiner Berufung entlassen wird, besitzt er auch die dazugehörigen Schlüssel nicht mehr.

Jeder, der in der Kirche dient, wird unter der Leitung von jemandem, der Priestertumsschlüssel innehat, berufen oder mit Aufgaben betraut.

3.4.2

Die Übertragung des Priestertums und die Ordinierung im Priestertum

Unter der Leitung derer, die Priestertumsschlüssel innehaben, werden das Aaronische Priestertum und das Melchisedekische Priestertum würdigen männlichen Mitgliedern der Kirche übertragen (siehe Lehre und Bündnisse 84:14-17). Nachdem das jeweilige Priestertum übertragen wurde, wird der Betreffende zu einem Amt in diesem Priestertum ordiniert, wie etwa Diakon oder Ältester. Priestertumsträger üben das Priestertum im Rahmen der Rechte und Pflichten aus, die mit dem jeweiligen Amt verbunden sind (siehe Lehre und Bündnisse 107:99).

Jeder Mann in der Kirche Jesu Christi soll sich bemühen, würdig zu sein, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen und es zum Wohle anderer zu gebrauchen. Wenn ein Mann dieses Priestertum empfängt, geht er den Bund ein, seine Priestertumspflichten treu zu erfüllen. Er empfängt von Gott auch einen Eid, nämlich die Verheißung ewiger Segnungen (siehe Lehre und Bündnisse 84:33-44; siehe auch Schriftenführer, Stichwort „Eid und Bund des Priestertums“).

Näheres über die Übertragung des Priestertums und die Ordinierung im Priestertum ist in 8.1.1, 10.6, 18.10 und 38.2.5 zu finden.

3.4.3

Das Delegieren von Priestertumsvollmacht für den Dienst in der Kirche

Die Priestertumsvollmacht für den Dienst in der Kirche wird an Mitglieder wie folgt delegiert:

  • durch Einsetzung in eine Berufung in der Kirche

  • durch Aufträge von einem präsidierenden Führer der Kirche

3.4.3.1

Einsetzungen

Wenn Mitglieder der Kirche unter der Leitung derer, die Priestertumsschlüssel innehaben, eingesetzt werden, erhalten sie von Gott die Vollmacht, kraft ihrer Berufung zu handeln. Zum Beispiel:

  • Wird eine Frau vom Bischof als FHV-Präsidentin der Gemeinde berufen und eingesetzt, so erhält sie die Vollmacht, die Arbeit der FHV in der Gemeinde zu leiten.

  • Werden ein Mann oder eine Frau von einem Mitglied der Bischofschaft als PV-Lehrkraft eingesetzt, so erhalten sie die Vollmacht, die PV-Kinder in der Gemeinde zu unterrichten.

Jeder, der berufen und eingesetzt wird, untersteht denen, die über ihn präsidieren (siehe 3.4.1.2).

Wenn Mitglieder der Kirche aus ihrer Berufung entlassen werden, verlieren sie die damit verbundene Vollmacht.

Näheres über die Einsetzung von Mitgliedern in eine Berufung in der Kirche ist in 18.11 zu finden.

3.4.3.2

Aufträge

Die präsidierenden Führer der Kirche können Vollmacht delegieren, indem sie Aufträge erteilen. Wenn jemand so einen Auftrag erhält, überträgt Gott ihm die Vollmacht zu handeln. Zum Beispiel:

  • Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel delegieren Vollmacht an einen Siebziger, wenn sie ihm den Auftrag erteilen, ein Gebiet zu verwalten oder bei einer Pfahlkonferenz den Vorsitz zu führen.

  • Ein Missionspräsident delegiert Vollmacht an Missionare und Missionarinnen, wenn er ihnen den Auftrag erteilt, andere Missionare zu führen und zu schulen.

  • Vollmacht wird an Mitglieder der Kirche delegiert, wenn sie als betreuende Brüder oder Schwestern eingeteilt werden. Dies geschieht, wenn sie unter der Leitung des Bischofs vom Ältestenkollegiumspräsidenten bzw. von der FHV-Präsidentin einen entsprechenden Auftrag erhalten.

Eine im Rahmen eines Auftrags delegierte Vollmacht erstreckt sich nur auf die konkret damit verbundenen Aufgaben und die Dauer des Auftrags.

Näheres über das Erteilen von Aufträgen durch Delegieren ist in 4.2.5 zu finden.

3.4.4

Die Ausübung der Priestertumsvollmacht in Rechtschaffenheit

Die Führer und Mitglieder der Kirche setzen die ihnen übertragene oder an sie delegierte Priestertumsvollmacht zum Segen anderer ein.

Diese Vollmacht kann nur in Rechtschaffenheit ausgeübt werden (siehe Lehre und Bündnisse 121:36), und zwar mit überzeugender Rede, Langmut, Milde, Sanftmut, Liebe und Wohlwollen (siehe Lehre und Bündnisse 121:41,42). Die Führungsverantwortlichen beraten sich mit anderen im Geiste der Einigkeit und suchen den Willen des Herrn durch Offenbarung zu erfahren (siehe Lehre und Bündnisse 41:2). Näheres zur Beratung mit anderen ist in 4.4.3 zu finden.

Wer die Vollmacht des Priestertums ausübt, zwingt anderen nicht seinen Willen auf. Er nutzt sie nicht zum eigenen Vorteil. Wird diese Vollmacht ungerecht gebraucht, „ziehen sich die Himmel zurück [und] der Geist des Herrn ist betrübt“ (Lehre und Bündnisse 121:37).

Mit manchen Berufungen in der Kirche ist die Pflicht zu präsidieren verbunden. Näheres über das Präsidieren in der Kirche ist in 4.2.4 zu finden.

Zwei Männer und eine Frau im Gespräch

3.5

Heilige Handlungen und Bündnisse

Gott gibt seinen Kindern heilige Handlungen und Bündnisse, um sie zu segnen und ihnen zu ermöglichen, ewiges Leben zu erlangen.

3.5.1

Heilige Handlungen

Eine heilige Handlung wird mit der Vollmacht des Priestertums vorgenommen. Heilige Handlungen sind seit eh und je ein Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi (siehe Genesis 1:28; Mose 6:64,65).

Bei vielen heiligen Handlungen schließt man Bündnisse mit Gott. Dazu gehören beispielsweise die Taufe, das Abendmahl, das Endowment und die Siegelung einer Ehe. Bei anderen heiligen Handlungen – wie etwa dem Patriarchalischen Segen oder einem Krankensegen – schließt man keine Bündnisse, sondern man kann Anleitung und Kraft erhalten, um Bündnisse zu halten.

Heilige Handlungen haben symbolische Bedeutungen, die auf den Vater im Himmel und Jesus Christus hinweisen. Bei denjenigen heiligen Handlungen, die Bündnisse umfassen, wird man durch die Worte, Handlungen und sonstigen Symbolelemente der heiligen Handlung darin unterwiesen, welche Versprechen man Gott gibt und welche Segnungen man durch Glaubenstreue erlangen kann.

Jede heilige Handlung eröffnet ihrem Empfänger vielfältige geistige Segnungen. Der Herr hat offenbart: „In [den] Verordnungen [des Priestertums wird] die Macht des Göttlichen kundgetan.“ (Lehre und Bündnisse 84:20.)

3.5.2

Bündnisse

Ein Bund ist ein heiliges Versprechen zwischen Gott und seinen Kindern. Gott legt die Bedingungen des Bundes fest, und seine Kinder stimmen zu, diesen Bedingungen gemäß zu leben. Gott verheißt seinen Kindern Segnungen, wenn sie den Bund einhalten.

Bündnisse spielen eine zentrale Rolle in Gottes Werk der Errettung und Erhöhung (siehe 1.2) Die Mitglieder schließen Bündnisse mit Gott, wenn sie die heiligen Handlungen zur Errettung und Erhöhung empfangen (siehe 3.5.3). Jeder, der im Halten seiner Bündnisse bis ans Ende ausharrt, wird das ewige Leben empfangen (siehe 2 Nephi 31:17-20; Lehre und Bündnisse 14:7; siehe auch 1.1).

Eltern, Führungsverantwortliche der Kirche und andere helfen jedem Einzelnen, sich auf die Bündnisse einzustellen, die er eingeht, wenn er die heiligen Handlungen des Evangeliums empfängt. Sie sorgen dafür, dass er diese Bündnisse versteht. (Diese Bündnisse werden in Abschnitt 3.5.3 erläutert.) Nachdem jemand einen Bund eingegangen ist, helfen sie ihm, ihn einzuhalten (siehe Moroni 6:4).

3.5.3

Heilige Handlungen und Bündnisse, die zur Errettung und Erhöhung notwendig sind

Man schließt Bündnisse mit Gott, wenn man heilige Handlungen empfängt, die zur Errettung und Erhöhung notwendig sind. Die zur Errettung und Erhöhung notwendigen heiligen Handlungen sind:

  • die Taufe

  • die Konfirmierung und die Gabe des Heiligen Geistes

  • die Übertragung des Melchisedekischen Priestertums und die Ordinierung zu einem Amt (bei Männern)

  • das Endowment

  • die Siegelung

Jeder Einzelne empfängt diese heiligen Handlungen zunächst für sich selbst. Viele Kinder Gottes sterben jedoch, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, die heiligen Handlungen zu empfangen, die zur Errettung und Erhöhung notwendig sind. In seinem barmherzigen Plan hat Gott einen Weg bereitet, wie Lebende diese heiligen Handlungen stellvertretend für Verstorbene empfangen können. Diese heiligen Handlungen werden im Tempel vollzogen.

Näheres zur Durchführung heiliger Handlungen für Verstorbene ist in Kapitel 28 zu finden.

3.5.3.1

Taufe

Wenn Gottes Kinder die heilige Handlung der Taufe empfangen, gehen sie eine Bündnisbeziehung zu ihm ein, die zum ewigen Leben führt (siehe 2 Nephi 31:17,18). Wer sich taufen lässt, gelobt willens zu sein, den Namen Jesu Christi auf sich zu nehmen, Gottes Gebote zu halten und ihm bis ans Ende zu dienen (siehe 2 Nephi 31:7,13,14; Mosia 18:10; Moroni 6:3; Lehre und Bündnisse 20:37).

Auf die Taufe im Wasser muss das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes folgen.

3.5.3.2

Die Konfirmierung und die Gabe des Heiligen Geistes

Der Erretter hat erklärt: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Johannes 3:5.) Daher folgen auf die Taufe im Wasser die Konfirmierung und der Empfang der Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen (siehe Lehre und Bündnisse 20:41). Bei dieser heiligen Handlung wird man als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bestätigt und angewiesen, den Heiligen Geist zu empfangen.

Wenn die Mitglieder Glauben an Jesus Christus ausüben, umkehren und sich bemühen, den Taufbund zu halten, empfangen sie den Heiligen Geist als ihren Begleiter (siehe Mosia 18:10). Der Heilige Geist kann sie ihr Leben lang führen, leiten und von Sünde reinigen und ihnen helfen, mehr wie der Vater im Himmel und Jesus Christus zu werden (siehe 2 Nephi 32:5; 3 Nephi 12:48; 27:20). Sie sind auf dem „engen und schmalen Pfad, der zum ewigen Leben führt“ (2 Nephi 31:18).

3.5.3.3

Die Übertragung des Melchisedekischen Priestertums und die Ordinierung zu einem Amt

Alle ewigen Segnungen Gottes werden seinen Kindern – den Töchtern und den Söhnen – durch Jesus Christus und die heiligen Handlungen und Bündnisse, die zur Errettung und Erhöhung notwendig sind, zugänglich gemacht (siehe 3.5.3). Die Übertragung des Melchisedekischen Priestertums und die Ordinierung zu einem Amt ist eine heilige Handlung, die für Männer notwendig ist, um die Fülle dieser Segnungen zu erlangen.

Ein Mann, der das Melchisedekische Priestertum empfängt, geht den Bund ein, treu zu sein und seine Berufung und seine Aufgaben im Priestertum groß zu machen (siehe Lehre und Bündnisse 84:33). Gott verheißt mit einem Eid, dass diejenigen, die diesen Bund halten, durch den Geist geheiligt werden und alles empfangen werden, was der Vater hat (siehe Lehre und Bündnisse 84:33-40; siehe auch Schriftenführer, Stichwort „Eid und Bund des Priestertums“, Archiv Kirchenliteratur).

Die Priestertumsträger haben die heilige Berufung und Aufgabe, den Herrn zu vertreten, indem sie anderen helfen, zu ihm zu kommen, und indem sie die heiligen Handlungen und Bündnisse vollziehen, die zur Errettung und Erhöhung notwendig sind (siehe Alma 13:1-3,6,16).

3.5.3.4

Das Endowment

Mitglieder der Kirche, die das Endowment empfangen, geloben:

  • das Gesetz des Gehorsams zu leben

  • das Gesetz des Opferns zu befolgen

  • das Gesetz des Evangeliums Jesu Christi zu befolgen

  • das Gesetz der Keuschheit zu halten

  • das Gesetz der Weihung zu halten

Im Rahmen des Endowments wird der Betreffende angewiesen, das Garment des heiligen Priestertums sein Leben lang zu tragen. Zum Halten der Bündnisse, die man beim Endowment eingeht, gehört auch der heilige Vorzug, das Garment zu tragen (siehe 26.4.2).

Zu den Segnungen, die damit einhergehen, die Bündnisse des Endowments zu empfangen und zu halten, gehören vermehrte Erkenntnis von Gott und seinem Plan, göttlicher Schutz und die Macht des Göttlichen (siehe Lehre und Bündnisse 38:32; 84:19-21; 109:22; siehe auch 27.2 in diesem Handbuch).

3.5.3.5

Die Siegelung

Bei der Siegelung gehen Mann und Frau einen Bund mit Gott und miteinander ein. Sie geloben und versprechen, einander als Ehemann und Ehefrau zu empfangen, sich miteinander zu beraten und in Liebe und Rechtschaffenheit zusammenzuarbeiten sowie ihre von Gott festgelegten Aufgaben als Ehemann und Ehefrau und als Vater und Mutter zu erfüllen.

Ein Mann und eine Frau, die diesem Bund treu sind, sind für alle Ewigkeit als Ehemann und Ehefrau miteinander verbunden. Auf das Ehepaar werden durch dessen Glaubenstreue alle Segnungen des immerwährenden Bundes Gottes gesiegelt. Die höchste dieser Segnungen ist die Erhöhung mit ewiger Nachkommenschaft (siehe Lehre und Bündnisse 132:19,20; siehe auch 66:2; 131:1-4; 27.3 und 38.4 in diesem Handbuch).

3.5.4

Das Abendmahl

Der Erretter führte das Abendmahl ein und gebot seinen Nachfolgern, zu seinem Gedächtnis davon zu nehmen (siehe Matthäus 26:26-28; 3 Nephi 18:1-12; Moroni 6:5,6). Beim Abendmahl haben die Mitglieder der Kirche regelmäßig die heilige Gelegenheit, über das Leben, das Wirken und das Sühnopfer Jesu Christi nachzudenken (siehe Lehre und Bündnisse 27:2; siehe auch 29.2.1 in diesem Handbuch).

Wenn man vom Abendmahl nimmt, bezeugt bzw. gelobt man, dass man willens ist, den Namen Jesu Christi auf sich zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Wer diesen Bund hält, dem ist verheißen, dass der Geist des Herrn immer mit ihm sein wird (siehe Lehre und Bündnisse 20:77,79; siehe auch 3 Nephi 18:7,11). Durch die heiligende Macht des Heiligen Geistes kann der Herr den Betreffenden sein Leben lang rein machen (siehe 3 Nephi 27:20). Auf diese Weise kann dieser sich Vergebung für seine Sünden bewahren (siehe Mosia 4:3-12).

Das Abendmahl hilft den Mitgliedern der Kirche dabei, bis ans Ende darin auszuharren, alle Bündnisse zu halten, die sie mit Gott geschlossen haben. Es ist eine immer wiederkehrende Einladung, aufrichtig umzukehren und geistig erneuert zu werden und so Fortschritt zu machen und mehr wie Gott zu werden.

3.6

Die Priestertumsmacht

Die Priestertumsmacht ist die Macht Gottes, mit der er seine Kinder segnet. Die Priestertumsmacht Gottes fließt allen Mitgliedern der Kirche zu – ob männlich oder weiblich –, die die mit ihm eingegangenen Bündnisse halten. Die Mitglieder schließen diese Bündnisse, wenn sie heilige Handlungen des Priestertums empfangen (siehe Lehre und Bündnisse 84:19,20).

Zu den Segnungen, die Mitglieder durch die Priestertumsmacht empfangen können, zählen:

  • Anleitung für ihr Leben

  • Offenbarung, wie das Werk zu bewältigen ist, zu dem sie ordiniert, für das sie eingesetzt oder mit dem sie beauftragt wurden

  • Hilfe und die Kraft, mehr wie Jesus Christus und der Vater im Himmel zu werden

Eine Frau empfängt einen Priestertumssegen

3.7

Das Priestertum und der häusliche Bereich

Alle Mitglieder der Kirche, die ihre Bündnisse halten – ob Mann, Frau oder Kind –, werden im eigenen Zuhause mit der Priestertumsmacht Gottes gesegnet, die sie und ihre Familie stärkt (siehe 3.5). Diese Macht hilft den Mitgliedern, Gottes Werk der Errettung und Erhöhung für sich persönlich sowie als Familie zu vollbringen (siehe 2.2).

Ein Mann, der das Melchisedekische Priestertum trägt, kann den Mitgliedern seiner Familie Priestertumssegen geben, wenn sie Führung oder Trost brauchen oder krank sind. Bei Bedarf kann ein Mitglied einen solchen Segen auch von einem Verwandten, einem betreuenden Bruder oder einem der zuständigen Führungsverantwortlichen erhalten. Näheres über Priestertumssegen ist in 18.13 und 18.14 zu finden.