2025
„Du bist doch Matteo, der Mormone, stimmtʼs?“
Für eine starke Jugend, August 2025


Nur online: Stimmen von Jugendlichen

„Du bist doch Matteo, der Mormone, stimmtʼs?“

Mein Plan, Freunde zu finden und mich nahtlos im neuen Internat zu integrieren, ging so auf, wie ich es mir erhofft hatte – bis ich am ersten Sonntagmorgen in Anzug und Krawatte in den Speisesaal eilte, um noch einen kleinen Happen zu essen, bevor ich mich auf den Weg zur Kirche machte. Ich hatte den Eindruck, dass es im Raum mucksmäuschenstill wurde. Meine Mitschüler, die noch im Pyjama waren, hörten auf zu essen und starrten mich mit halbgeschlossenen, schläfrigen Augen an. Schnell wurde mir klar, dass ich an der Schule das einzige aktive Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage war.

Der Herr forderte die Mitglieder der Kirche auf: „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten, damit es den Nationen ein Banner sei.“ (Lehre und Bündnisse 115:5.)

„Stimmt es, dass ihr keine Orangen esst?“

Ohne dass ich ein Wort gesagt hatte, sprach sich schnell herum, welcher Religion ich angehörte. Von da an wurde ich täglich zu meinem Glauben befragt. Meistens ging das Gespräch so los: „Hey, du bist doch Matteo, der Mormone, stimmtʼs?“ Die meisten Fragen waren aufrichtig, einige kamen wie aus dem Nichts, andere waren böswillig und ein paar einfach nur komisch.

Ein Freund stellte mir die völlig ernstgemeinte Frage: „Stimmt es wirklich, dass ihr keine Orangen esst?“, worauf ich scherzhaft antwortete: „Klar, Orangen kommen direkt vom Teufel.“ Als wir beide lachten, merkte ich, dass seine anfängliche Besorgnis wich, und danach verstanden wir uns noch besser.

Halloween und die Stunde der Wahrheit

Da ich mich meiner neu erlangten Bekanntheit nicht entziehen konnte, beschloss ich, Situationen, die möglicherweise unangenehm werden konnten, mit Humor zu lösen. Ich nutzte die Chance und verkleidete mich zu Halloween als Missionar mit Namensschild. Ich wusste, dass dies etwas riskant war, da man sich über mich lustig machen könnte, aber ich hatte das Gefühl, ich könne mit diesem Outfit gut zeigen, dass ich fest zu meinem Glauben stand.

Das Risiko lohnte sich. Als ich als Missionar über das Internatsgelände ging, mussten alle lächeln, und so manches unterhaltsame Rollenspiel wurde in Gang gesetzt. Ich konnte einiges Schubladendenken beseitigen und schloss neue Freundschaften.

Kein Spott mehr, sondern die Bitte um Rat

Nach Halloween änderte sich die Einstellung der Leute mir gegenüber. Mitschüler, die meinen Glauben angezweifelt hatten, baten mich nun um Rat in Lebensfragen. Freunde und Bekannte, die den ersten Schock überwunden hatten, nachdem sie erfahren hatten, dass ich nicht trinke, nicht rauche, Drogen ablehne und mit Sex warte, bis ich verheiratet bin, kamen zu meiner Überraschung auf mich zu und wollten gern speziell bei diesen Themen meinen Rat hören.

Freunden, die sich unter Druck gesetzt fühlten, sie müssten sexuelle Erfahrungen machen, versicherte ich, dass die Entscheidung ja ganz allein bei ihnen lag. Einige Mitschüler ermutigte ich, zur Schulsozialpädagogin zu gehen und mit ihr über psychische Probleme oder Suchtverhalten zu sprechen. Einmal tröstete ich jemanden, der gegen eine Regel verstoßen hatte und die Schule wahrscheinlich verlassen musste. Ich war verblüfft, wie viele meiner Mitschüler sich nun nicht mehr über mich lustig machten, sondern mich um Rat baten.

Mit der Zeit wurde mir klar: Dadurch, dass ich mit so viel Selbstvertrauen und Offenheit über mich und meine Werte sprach und mich auf diese Weise auch verletzbar machte, zog ich diejenigen an, die einen Menschen suchten, der sie nicht verurteilte, sondern wirklich ein offenes Ohr für sie hatte.

Zwei Erkenntnisse

Ich bin dankbar für zwei der vielen wichtigen Erkenntnisse, die ich aus jenem Schuljahr mitnehmen konnte. Erstens: Gesunder Humor kann Besorgnis zerstreuen und Streit in Luft auflösen und ist ein hervorragendes Mittel, um Menschen zusammenzubringen. Zweitens: Wenn man sich entscheidet, selbstbewusst damit umzugehen, wer man ist, eröffnen sich einem tolle Gelegenheiten, anderen zu helfen – Gelegenheiten, die man sonst nie gehabt hätte!

Es gab viele Momente, in denen ich meine Religion am liebsten geheim gehalten und lieber aus anderen Gründen Bekanntheit erlangt hätte. Doch da ich Humor an den Tag legte und trotz Verletzlichkeit dazu stand, wer ich bin, konnte man mich als Matteo kennenlernen und nicht nur als „den mit anderen Glaubensansichten“.

Ein junger Mann

Elder Matteo Huish, 18, Arizona

mag Hindernislauf und Spieleabende mit der Familie, und er macht gern Musik