„Zu groß für die PV“, Unser Freund, November 2024, Seite 40f.
Zu groß für die PV?
Wenn sie doch endlich zu den Jungen Damen gehörte!
Diese Geschichte spielt in Nigeria.
„Willkommen in der PV!“ Schwester Agbor, die PV-Präsidentin, stand vorne vor den Kindern. „Heute lernen wir das Lied ,Liebet einander‘.“
Das Vorspiel ertönte, dann begannen die jüngeren Kinder mit dem Gesang. Gift (deren Name Gabe bedeutet) kannte das Lied aber schon. Sie hatte es schon hundertmal gesungen! Eigentlich hatte sie heute gar keine Lust auf Gesang.
Gift hatte genug von der PV. Sie war älter, größer und reifer als alle anderen Kinder. All ihre Freundinnen in der Kirche gehörten schon zu den Jungen Damen. Aber sie hatte noch ein ganzes Jahr vor sich, bevor sie mit ihnen in den Unterricht und zu den Aktivitäten der Jungen Damen gehen durfte.
Die anderen Kinder sangen, aber Gift schwieg. Ein paar Wörter aus dem Lied murmelte sie mit, aber mit den Gedanken war sie ganz woanders.
Da hatte sie eine Idee! Wenn sie mit dem Bischof redete, würde er sie vielleicht jetzt schon zu den Jungen Damen gehen lassen. So konnte sie bei ihren Freundinnen sein!
Nach der Kirche ging Gift zu Bischof Achombi. „Hallo Bischof!“, sagte sie. „Ich glaube, ich passe in der PV nicht mehr dazu. Ich bin größer und älter als alle anderen. Kann ich nicht lieber zu den Jungen Damen gehen?“
Bischof Achombi lächelte. „Ich verstehe, dass du dich auf die Jungen Damen freust“, sagte er. „Aber das geht erst in dem Jahr, in dem du zwölf wirst. Tut mir leid!“
Gift starrte zu Boden. „Na gut.“
„Die PV kann froh sein, dass sie dich noch hat“, fügte der Bischof hinzu. „Die jüngeren Kinder blicken zu dir auf. Du kannst einen großen Einfluss auf sie haben.“
Den ganzen Tag über war Gift traurig. Noch ein Jahr musste sie sich in der PV einsam fühlen! Das war ganz schön lang.
Dann aber dachte Gift daran, was Bischof Achombi zu ihr gesagt hatte. Blickten die anderen Kinder wirklich zu ihr auf? Das hatte sie noch nie bemerkt.
Eine Woche später verabschiedete sich Gift von ihren Freundinnen, als diese zu den Jungen Damen gingen. Seufzend ging sie in den PV-Raum.
„Hallo Gift“, sagte Schwester Agbor, „würdest du mir heute bei der Liedübung helfen?“
„Ja, okay“, erwiderte Gift. „Welches Lied lernen wir denn?“
„,Ich bin ein Kind von Gott‘“, erwiderte Schwester Agbor. „Danke für deine Hilfe. Die Kinder werden sich freuen, dass du ihnen das Lied beibringst.“
Zu Beginn der Singzeit ging Gift nach vorne. „Heute bringe ich euch eines meiner Lieblingslieder bei“, erklärte sie. Sie brachte den Kindern den Text bei. Dann sang sie das Lied mit ihnen. Beim Gesang war Gift ganz warm ums Herz. Sie war glücklich. Sie wusste, dass sie den Heiligen Geist verspürte.
Schon neigte sich der PV-Unterricht dem Ende zu. Nach dem Schlussgebet verließ Gift den Raum. Sie wollte nach ihren Freundinnen Ausschau halten, wenn diese aus ihrer JD-Klasse kamen.
Aber eines der kleineren Mädchen hielt sie zurück. „Danke, dass du mit uns gesungen hast!“ Sie umarmte Gift. „Wenn ich groß bin, will ich so sein wie du!“
Gift lächelte. Noch immer konnte sie es nicht abwarten, zu den Jungen Damen zu gehören, und sie hoffte, dass das Jahr schnell vergehen würde. Sie wusste aber auch, dass sie in der PV immer noch Neues lernen und Gutes tun konnte.
Und vielleicht hatte Bischof Achombi Recht. Sie konnte etwas bewirken!
Illustrationen von Simini Blocker