Zugang zur Macht Gottes
Weltweite Andacht und Zeugnisversammlung der Frauenhilfsvereinigung
Sonntag, 16. März 2025
Liebe Schwestern, wir sind auf der ganzen Welt in Gemeindehäusern versammelt, um die Frauenhilfsvereinigung zu feiern. Wir haben bereits von unserer wunderbaren Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche hören dürfen. Diese Schwestern inspirieren mich immer wieder aufs Neue. Sie üben einen christlichen Einfluss aus, der mich anspornt, besser zu handeln und besser zu sein. Sie haben zu uns aus dem Backsteinladen in Nauvoo im US-Bundesstaat Illinois gesprochen, dem Gründungsort der Frauenhilfsvereinigung. Liebe Schwestern, ich schließe mich ihrem Zeugnis an. Gott liebt Sie. Gott kennt Sie. Und Sie sind Ihm kostbar.
Die Geschichte der FHV ist inspirierend. Schon Emma Smith, die erste Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung, erklärte: „Wir werden Außergewöhnliches leisten.“ Wie uns Präsidentin Johnson, Schwester Dennis und Schwester Yee gerade erläutert haben, soll diese Organisation nicht nur ein geselliger Verein oder eine wohltätige Gruppe sein. Ihr Zweck war und ist göttlicher Natur. Sie soll den Kindern Gottes helfen, in seine Gegenwart zurückzukehren.
Im Anschluss an meine Ausführungen haben Sie die Möglichkeit, einander Zeugnis zu geben für den Segen, der von Jesus Christus, seiner Kirche und dieser von Gott ins Leben gerufenen Frauenorganisation ausgeht. Ich weiß, dass Jesus Christus Ihre Lebensumstände kennt und Sie segnen möchte. Zudem braucht er Ihren Einfluss in seiner Kirche. Ihre Bemühungen, den Kindern Gottes durch die Frauenhilfsvereinigung zu dienen, sind entscheidend.
Joseph Smith hat erklärt, dass das Werk der Errettung und Erhöhung in den Letzten Tagen ein Werk ist, „das dazu bestimmt ist, den Untergang der finsteren Mächte ebenso herbeizuführen wie … die Errettung der Menschheit“. Die Frauenhilfsvereinigung und Sie sind für dieses Werk sehr wichtig. Auch Präsident Russell M. Nelson hat dazu gesagt: „Das Reich Gottes ist ohne Frauen, die heilige Bündnisse eingehen und diese dann halten, Frauen, die mit der Macht und Vollmacht Gottes sprechen, nicht vollständig und kann es auch gar nicht sein!“
Frauen, die Bündnisse halten, erkennen nicht nur die Notwendigkeit von Gottes Macht in ihrem Leben, sondern haben durch die Bündnisse, die sie schließen, auch besonderen Zugang zu dieser Macht. Was ist es doch für ein unglaublicher Segen, dass wir Zugang zu „göttliche[r] Macht“ haben – „Macht, die ausreicht, um mit den Lasten, Hindernissen und Versuchungen unserer Zeit fertigzuwerden“. Selbstverständlich sind die Tauf- und Tempelbündnisse nicht selbst oder aus sich heraus die Quelle der Macht. Der Herr Jesus Christus und unser Vater im Himmel sind die Quelle aller Macht, die aus Bündnissen erwächst.
Aber eines muss uns klar sein: Gottes Macht ist keine gestaltlose kosmische Kraft, die von ihm unabhängig ist. Die Macht, die er verleiht, ist nicht wie eine Wunderlampe, die Wünsche erfüllt, oder eine Reliquie, die irgendeine Quelle der Macht sein soll. Auch vom Garment des heiligen Priestertums an sich geht keine Macht aus. Nein, die Macht Gottes ist notwendigerweise mit ihm und seinen Zielen verbunden.
Jesus Christus ist auch in diesem Fall das beste Beispiel für uns. Alle Macht im Himmel und auf Erden wurde Jesus Christus von Gott gegeben, weil Jesus Christus zuließ, dass sein Wille „im Willen des Vaters verschlungen“ wurde. Im vorirdischen Dasein sagte der Erretter: „Vater, dein Wille geschehe.“ Er bekräftigte dies in Getsemani und am Kreuz. Nach seiner Auferstehung wiederholte er dies – gegenüber dem Volk im Buch Mormon – und auch zu Beginn dieser Evangeliumszeit. Er erhielt Macht von Gott, weil er dazu vorherbestimmt war, und der Vater im Himmel konnte darauf vertrauen, dass Christus diese Macht so nutzen würde, wie er es selbst tun würde.
Denken Sie auch an den Propheten Nephi, den Sohn Helamans, aus dem Buch Mormon. Als Nephi die Siegelungsvollmacht übertragen wurde, sagte Jesus Christus zu ihm: „[Ich werde] dich segnen immerdar, [dass] alles gemäß deinem Wort geschehe.“ Der Grund, warum Christus Nephi diese allumfassende Macht anvertraute, war, dass Nephi als Prophet berufen worden war und dass er den Willen Gottes unerschrocken und furchtlos befolgt hatte. Er war auf Gottes Absicht bedacht, nicht auf seine eigene. Er bat nichts und würde „nichts erbitten, was gegen [Gottes] Willen ist“. Er erhielt Zugang zur Macht des Erretters, weil darauf Verlass war, dass er diese Macht so einsetzen würde, wie Jesus Christus es selbst tun würde.
Auch wenn wir bestrebt sind, im Alltag vermehrt auf Gottes Macht zuzugreifen, bleibt sie seine Macht. Die Macht der Bündnisse, zu der wir Zugang haben, wohnt nicht uns selbst inne. So wie „wir irgendeine Segnung von Gott erlangen, … indem wir das Gesetz beachten, auf dem sie beruht“, so hängt auch der Zugang zur Macht Gottes von „den Grundsätzen der Rechtschaffenheit“ ab. Gottes Macht kann nicht für selbstsüchtige Zwecke oder zur Ausübung von Herrschaft über jemanden verwendet werden. Der Versuch, seine Macht „mit dem geringsten Maß von Unrecht“ auszuüben, führt dazu, dass seine Macht „zurückgezogen“ wird, und wir werden gewarnt, dass sich das „zu [unserer] Schuldigsprechung wenden“ wird. Diejenigen, die ihr Vertrauen nicht auf Gott setzen, die in der Nachfolge Christi unbeständig sind, die ihr Herz verhärten oder den Heiligen Israels mit Füßen treten, können keinen Zugang zu seiner Macht erhalten. Um Gottes Macht in unserem Leben zu entfalten, müssen wir uns also um Rechtschaffenheit bemühen, wir müssen versuchen, das Richtige zu tun und nach seinem Willen zu handeln.
Wenn Sie mehrere Bündnisse mit Gott schließen und diese halten, kommen Sie ihm näher, werden gewandelt und erhalten einen besseren Zugang zu seiner Macht. Frauen, die Bündnisse halten, sind „über den ganzen Erdboden zerstreut“ und „mit Rechtschaffenheit und mit der Macht Gottes in großer Herrlichkeit ausgerüstet“. Wo Sie sich auch befinden: Diese Macht ist Ihnen zugedacht! Sie verhilft Ihnen zu mehr Glück, Frieden und Ruhe. Sie hilft Ihnen, mehr Wissen zu erlangen, eine bessere Nachfolgerin der Rechtschaffenheit und eine rechtmäßige Erbin des Reiches Gottes zu werden. Sie erhalten die Kraft, Versuchungen zu widerstehen und umzukehren, wenn Sie straucheln. Sie erhalten auch Kraft, die Sie stärkt, damit Sie Prüfungen und Kummer besser bewältigen können.
Ich möchte ein persönliches Beispiel dafür erzählen, wie die Tempelbündnisse meiner Frau Ruth und mir zu mehr Frieden und Zuversicht verholfen haben. Ein paar Jahre nach unserer Heirat erkrankte Ruth schwer an Eierstockkrebs. Sie musste sich zwei Operationen und einer Chemotherapie unterziehen. Unser einziges Kind, die 16 Monate alte Ashley, war noch nie zuvor von ihrer Mutter getrennt gewesen und wurde auf für sie untypische Weise gereizt und launisch. Sie weigerte sich, die von mir zubereiteten Mahlzeiten zu essen, also „verhandelten“ wir, und ich fütterte sie schließlich mit Eis und Limonade.
Ich war erst 28 Jahre alt, und ich wusste nicht, wie Ashley und ich ohne Ruth überleben sollten. Der Traum von einer größeren Familie war geplatzt, aber das war die geringste unserer Sorgen. Während Ruths erstem Krankenhausaufenthalt war ich am Boden zerstört und das Beten fiel mir schwer. Es schien, als ob meine Gebete den Himmel nicht erreichten.
An dem Abend, als Ruth nach ihrer ersten Operation zurück nach Hause durfte, wollten wir wie üblich gemeinsam beten, bevor wir zu Bett gingen. Feige wie ich war, bat ich Ruth zu beten. Nie werde ich die ersten Worte ihres Gebets vergessen. Sie sagte: „Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für die Macht des Priestertums, durch die wir für immer zusammen sein können, ganz gleich, was geschieht.“
Durch ihre Worte wurde die Barriere, die ich zwischen Gott und mir wahrgenommen hatte, weit geöffnet. Als Ruths Gebet zum Himmel aufstieg, gelangte die Lehre von der ewigen Familie von meinem Kopf in mein Herz. Unsere Sorgen um unsere Zukunft ließen nach, denn wir hatten Tempelbündnisse geschlossen und waren im Haus des Herrn gesiegelt worden. Die Macht Gottes brachte uns Frieden ins Herz. 36 Jahre später formulierte Präsident Nelson eine Aussage, in der ich mich wiederfinde. Er sagte: „Wenn Sie zur Macht des Herrn in Ihrem Leben genauso intensiv emporstreben wie ein Ertrinkender, der die Hand ausstreckt und nach Luft schnappt, dann ist Ihnen die Macht Jesu Christi sicher.“ So hat Ruth gebetet. Und ebendiese Macht kam.
In ähnlicher Weise wird Gott Ihnen helfen, die Kraft und den Frieden zu verstehen, die aus dem Endowment erwachsen.
Das Endowment, die Ausrüstung mit Macht, wird Ihnen zur Heilung verhelfen, wenn Sie in irgendeiner Weise verwundet, angeschlagen oder zerbrochen sind. Sie können die Mächte des Himmels anrufen, um persönliche Offenbarung zu erhalten und die Lehre Christi zu verstehen. Gottes Macht wird Ihnen helfen, andere zu schützen, zu verteidigen und zu stärken. Wie Präsident Nelson bezeuge ich, dass Jesus Christus Ihnen die Macht verleihen kann, die Sie für Ihr Leben brauchen, und wenn Sie seine Macht in Ihr Leben bringen, wird sich der Erretter ebenso freuen wie Sie.
Ja, Schwestern, Sie leisten Außergewöhnliches, und Sie können Außergewöhnliches erleben. Ich danke Ihnen für Ihren Glauben, für Ihre Kraft, für Ihre Führungsstärke, für Ihre Weisheit, für Ihre Bereitschaft und Fähigkeit, Bündnisse mit Gott zu schließen und einzuhalten. Sie bringen Segen für sich selbst, Ihre Familie, die Kirche, Ihr Umfeld und die Welt. Sie haben Gottes Macht in Ihrem Leben, die Ihnen hilft, gut zu sein und Gutes zu tun. Er zählt auf Sie. Seine Kirche zählt auf Sie. Möge Gott Sie auf Ihrem weiteren Weg der Jüngerschaft Christi segnen.
Gott lebt. Jesus ist der Messias, Ihr Erretter und mein Erretter. Er ist Ihr gütiger, weiser, himmlischer Freund. Er hat seine Kirche auf der Erde wiederhergestellt. Das weiß ich. Im Namen Jesu Christi. Amen.