Der Zug der Pioniere
Nauvoo ist der Ausgangspunkt des historischen Pionierweges der Heiligen der Letzten Tage („Mormon Pioneer National Historic Trail“), der sich über zweitausend Kilometer vom Mississippi über die Prärie und die Rocky Mountains bis hin zum Tal des Großen Salzsees erstreckt. Ein Spaziergang durch die Parley Street in Nauvoo führt uns heute den Glauben, den Mut und die Opferbereitschaft vor Augen, deren es bedurfte, um auf der Suche nach Frieden den Weisungen eines Propheten in die unbekannte Wildnis zu folgen.
Die Entscheidung, Nauvoo zu verlassen
Mehr als fünf Jahre lang war die Einwohnerschaft Nauvoos eifrig damit beschäftigt, eine Stadt aufzubauen. Im Januar 1845 widerrief die gesetzgebende Versammlung von Illinois jedoch das Stadtrecht von Nauvoo, womit auch Polizei, Gerichte und die Nauvoo-Legion aufgelöst waren. Alle rechtlichen Mittel und Wege, um die Heiligen der Letzten Tage zu schützen, waren demnach zurückgezogen. Gleichzeitig machten immer mehr Unwahrheiten und Gerüchte die Runde, und Gewalttätigkeit gegenüber den Mitglieder der Kirche nahm zu.
Zunächst berief Brigham Young aus den Kollegien der Siebziger eigens Missionare, die in die benachbarten Landkreise reisen und dazu beitragen sollten, Irrmeinungen über die Mitglieder der Kirche zu zerstreuen. Er ersuchte auch den Gouverneur des Bundesstaates, zugunsten der Heiligen der Letzten Tage einzuschreiten. Die Entgegnung des Gouverneurs lautete, man solle sich entweder aus Nauvoo zurückziehen oder den Bundesstaat komplett verlassen. Wenn die Mitglieder also dem Gebot des Herrn folgen und sich als Volk sammeln wollten, bestand die einzig vernünftige Alternative zur Gewalttätigkeit des Pöbels darin, Illinois zu verlassen. Die Führer der Kirche erbaten sich etwas Zeit und sagten zu, sich bis zum Sommer 1846 aus Nauvoo zurückzuziehen.
Zunächst berief Brigham Young aus den Kollegien der Siebziger eigens Missionare, die in die benachbarten Landkreise reisen und dazu beitragen sollten, Irrmeinungen über die Mitglieder der Kirche zu zerstreuen. Er ersuchte auch den Gouverneur des Bundesstaates, zugunsten der Heiligen der Letzten Tage einzuschreiten. Die Entgegnung des Gouverneurs lautete, man solle sich entweder aus Nauvoo zurückziehen oder den Bundesstaat komplett verlassen. Wenn die Mitglieder also dem Gebot des Herrn folgen und sich als Volk sammeln wollten, bestand die einzig vernünftige Alternative zur Gewalttätigkeit des Pöbels darin, Illinois zu verlassen. Die Führer der Kirche erbaten sich etwas Zeit und sagten zu, sich bis zum Sommer 1846 aus Nauvoo zurückzuziehen.
Sitzungsraum in der Siebzigerhalle Das einstöckige Backsteingebäude wurde am 1. Januar 1845 geweiht. 1972 wurde das Gebäude auf dem ursprünglichen Fundament wieder aufgebaut.
Tausende Menschen umzusiedeln, das erfordert Zeit, Geld, Mühe, Zusammenarbeit und jede Menge Inspiration. Im Laufe des Jahres 1845 kam das Kollegium der Zwölf regelmäßig zusammen. Sie beriefen auch einen größeren Rat, den Rat der Fünfzig ein, und bemühten sich um Informationen und um göttliche Führung bei der Frage, wohin sie gehen sollten und wie sie auch die ärmsten Heiligen der Letzten Tage aus Nauvoo mitnehmen könnten. Viele Ratssitzungen fanden im Obergeschoss der Siebzigerhalle statt, wo man in der Bibliothek Bücher und Karten konsultieren konnte, während man die Optionen abwägte. Im Mai 1845 war der Plan entstanden, in das Große Becken in den Rocky Mountains abzuwandern.
Bibliothek in der rekonstruierten Siebzigerhalle
Wagen für den Pionierzug
Chauncy, Edwin, Edward, Pardon und Wesley Webb waren Brüder, die von ihrem Vater das Schmiedehandwerk erlernt hatten. Edwin und Chauncy betrieben neben der Siebzigerhalle eine Schmiede sowie eine Wagenmacherwerkstatt. Nachdem bekanntgegeben worden war, dass die Mitglieder Nauvoo verlassen mussten, waren die Fertigkeiten der Brüder sowie Dutzender weiterer Schmiede und Zimmerleute gefragt, da die Nachfrage nach Planwagen, die stabil genug waren, die Prärie zu überqueren, immer weiter anstieg. Monatelang wurden in den Schmiedewerkstätten Eisenreifen, Radnaben und weitere Wagenteile aus Metall angefertigt, die dann in der Wagenmacherwerkstatt zusammengebaut wurden. Im Januar 1846 war der Platzbedarf so sehr gestiegen, dass die Montage aus der Werkstatt der Webbs auf weitere verfügbare Räume ausgedehnt wurde, darunter auch auf das Erdgeschoss der Siebzigerhalle.
Ein ehrenamtlicher Missionar zeigt in der Werkstatt der Brüder Webb handwerkliche Fertigkeiten des Wagenmachers und Schmieds vor.
Die Reise Mary Ann Youngs
Da der Zeitpunkt der Abreise näherrückte, musste Brigham Young viel Zeit fern von zuhause verbringen, sich mit anderen beratschlagen oder im fast fertiggestellten Tempel dienen. Daher oblagen die Vorbereitungen zuhause weitestgehend seiner Frau Mary Ann Angell Young allein. Wochenlang trugen sie und die fünf daheim lebenden Kinder im Alter von einem bis elf Jahren die empfohlene Menge an Lebensmitteln, Gerätschaften, Kleidung und weiteren Vorräten zusammen. Am 15. Februar 1846 schlossen sie zum letzten Mal die Türen ihres Backsteinhauses in Nauvoo und fuhren mit ihrem vollbeladenen Wagen die Parley Street hinab zur Flussüberquerung am Mississippi. Mary Ann hat in diesen Wochen kein Tagebuch geführt, daher wissen wir nicht, was sie angesichts all ihrer Opfer empfand. Doch viele Jahre später dachte Emmeline B. Wells an das positive Beispiel zurück, das Schwester Young ihr damals gegeben hatte:
Schlafzimmer im Haus Brigham Youngs. Stellen Sie sich vor, Sie müssten im Winter 1846 festlegen, was Sie einpacken und was Sie zurücklassen wollen.
Abschließende Gedanken
Der Pionierzug der Heiligen der Letzten Tage folgt einer ähnlichen Route wie der anderer Gruppen, die auf der Suche nach fruchtbarem Boden und Gold quer durch Nordamerika nach Kalifornien gelangen wollten. Doch diejenigen, die 1846 aus Nauvoo flohen, waren nicht allein auf der Suche nach Land. Wegen ihrer Religion waren sie Flüchtlinge, denn sie waren entschlossen, auf dem Weg der Bündnisse zu bleiben. Wer heute in Nauvoo die Parley Street entlanggeht, macht sich Gedanken über den Glauben, den Mut und die Opferbereitschaft, als die Mitglieder nämlich dank der Führung durch einen Propheten an einen Ort gelangen wollten, wo sie nach dem Evangelium Jesu Christi leben und anderen dabei zur Seite stehen konnten.
Anmerkungen
Anmerkungen
1. Emmeline B. Wells, „Biography of Mary Ann Angell Young“, Juvenile Instructor, 15. Januar 1891, Seite 58